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Tourismus - 1890 begann die hohe Zeit

Wedemark Tourismus - 1890 begann die hohe Zeit

Heidelandschaft ist um Visselhövede ein Magnet für Touristen – aber in der Wedemark? Als „Tor zur Heide“ warben gleichwohl Mellendorf und Bissendorf auf Postkarten zu Zeiten, als die erste Eisenbahn fuhr. Tourismus ist das Thema am Mittwoch in der Historischen Arbeitsgemeinschaft Wedemark.

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Das Kurhaus Zur Heide in Mellendorf ist in damaliger Ansicht als Postkarte erhalten.

Die Arbeitssitzung des Gremiums, das sich mit der Geschichte der Wedemark befasst, ist nicht nur – wie jedesmal – öffentlich. Sehr erwünscht sind auch Wort- und Bildbeiträge von Wedemärkern, die aus Überlieferungen in der Familie noch Kenntnisse weitergeben können oder alte Karten und Aufzeichnungen besitzen. Die Veranstaltung "Das Tor zur Heide - die Wedemark", Entwicklung des Tourismus, beginnt um 19.30 Uhr im Gemeindehaus der St.-Georgs-Kirche in Mellendorf am Kirchweg. Da der historische Arbeitskreis in den Räumen der Kirche zu Gast ist, wird von Besuchern der Sitzung ein Obolus von 2 Euro erhoben. Um allen Anwesenden ein besseres Hören zu ermöglichen, kommt akustische Verstärkung zum Einsatz.

1890 wurde die Eisenbahnstrecke eröffnet, die durch die Wedemark in Richtung Visselhövede in der heute unvorstellbar kurz anmutenden Zeit von eineinhalb Jahren geplant und gebaut wurde. Der Bau der Eisenbahn ermöglichte den Hannoveranern Tagesausflüge und auch längere Erholungsaufenthalte in der Wedemark, wie der Vorsitzende des Arbeitskreises, Jan Olaf Rüttgardt, in einem kurzen Abriss berichten wird. Diese Gegend galt damals als das Tor zur Lüneburger Heide, denn noch gab es hier Sand- und Heideflächen, und die Wedemärker verstanden sich als Heidjer. Der damals aufkommenden Wanderbegeisterung, die von der Jugendbewegung im Wandervogel ausging, bot die Landschaft herrliche Heide- und Waldwege und von den noch unbewaldeten Höhen weite Blicke ins Allertal.

Mit den Ausflüglern und Touristen aus der Großstadt, so Rüttgardt, kam auch Geld in die armen Dörfer. Wer konnte, errichtete Gaststätten mit Kaffeegärten. Vom Bahnhof Bennemühlen führte der noch heute so benannte Kaffeedamm zum dortigen Gasthaus. Alte Fachwerkhäuser wurden zum „Kurhaus zur Heide“. Schließlich errichteten Vereine und Initiativen aus Hannover ihre Heime in der Wedemark: die Naturfreunde Hannover ihr Gästehaus am Lönssee, die Jugendlichen der Kirchengemeinde Hannover-Vahrenwald die Eichenkreuzburg in Bissendorf-Wietze. Schließlich bauten sich auch reiche Hannoveraner ihre Villen in der Wedemark. In den Wäldern entstanden außerdem zahlreiche Wochenendhäuser, von denen die meisten wieder verschwunden sind.

Die Begeisterung der Hannoveraner für die Wedemark und die Lüneburger Heide hielt bis in die Nachkriegszeit an. Sie flaute ab, als das Auto die Familien von der Eisenbahn unabhängig machte – der Massen- und Ferntourismus unserer Tage nahm seinen Anfang.

2015 hat eine große Sonderausstellung im Richard-Brandt-Heimatmuseum in Bissendorf auf die Historie der Eisenbahnlinie in die Heide aufmerksam gemacht:  „125 Jahre Dampf, Diesel, Strom – die Eisenbahn in der Wedemark feiert Jubiläum“. Über den Kraftakt ohne große Technik mit viel Handarbeit hatte damals Joachim Vogler, ausgewiesener Eisenbahnexperte aus Langenhagen, berichtet und die Vorstellungen der Besucher darüber bereichert. Umfangreiche Kolonnen von Bahnarbeitern, so der Experte, wurden mit dem Fortgang des Streckenbaus in den Dörfern an der Strecke untergebracht, ja teilweise sogar in Häuser eingewiesen - unvorstellbar heute.

Dazu kann der historische Abend also auf die Ausstellung des Heimatmuseums zurückgreifen. Mit zahlreichen alten Postkarten wird der Leiter des Heimatmuseums, Karl Hans Konert, am Mittwoch in das Thema einführen, ergänzt von AG-Leiter Rüttgardt. Die Untersuchung zum hiesigen Tourismus bildet den Abschluss des historischen Langzeitprojektes der AG, das den Titel trägt „Die Landschaft der Wedemark und ihre Nutzung“.

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