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Im Schulzentrum steht die Luft

Mellendorf Im Schulzentrum steht die Luft

Schlechte Luft und zu viel Wärme machen Lehrern und Schülern im Schulzentrum das Leben schwer. Im Juni 2014 hatte die Landesschulbehörde in fünf Räumen deutliche Mängel bei der Raumluft festgestellt.

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Die Klinkerflächen heizen sich im Sonnenlicht auf, und die großen Fenster lassen viel Sonne und Wärme ins Gebäude. Werden die Fenster geöffnet, strömt von der Fassade erwärmte Luft in die Klassen. Rose (2)

Quelle: Roman Rose

Wedemark. Schon nach zwei Minuten stieg die Konzentration von Kohlendioxid auf einen ersten Grenzwert, nach 18 Minuten auf einen höheren zweiten.

Die Temperatur betrug nach dem Gutachten 27,05 Grad Celsius bei einer Luftfeuchte von 63 Prozent. Die zulässigen Höchstwerte werden mit 55 Prozent Luftfeuchte bei 26 Grad Celsius angegeben. In einem Musikraum ergaben die Messungen ähnliche Resultate, auch im Lehrerzimmer stand die Luft.

Die CDU-Ratsfraktion fragte die Gemeindeverwaltung, was seitdem unternommen wurde. Sie wollte zudem wissen, ob es stimme, dass nach dem Wortlaut des Gutachtens „die Verwendung von gesunden Klima- und Raumluftkonzepten nicht vorgesehen war“, und falls ja, warum nicht. Da das Lüften im Musikraum wegen Anwohnerbeschwerden nur in den Pausen möglich sei, fragt sie, warum der Trakt nicht an anderer Stelle im Gebäude geplant worden sei.

Bürgermeister Helge Zychlinski erläuterte, die Verwaltung habe in Erfahrung gebracht, dass nach einer langen Hitzeperiode gemessen worden sei, mehrere Tage lang sei es über 30 Grad warm gewesen - aber das tauche im Bericht der Landesschulbehörde nicht auf. Die Gemeinde habe seinerzeit bewusst keine Klimaanlage eingebaut, weil diese den Bau nicht nur um 1,5 Millionen Euro verteuert, sondern auch jährlich sechsstellige Folgekosten verursacht hätte. Eine Klimaanlage für eine Schule sei Luxus, die Gemeinde habe sich lieber für hervorragend ausgestattete Fachräume entschieden. Auch habe die Gemeinde nach fachlicher Beratung mehrere technische Konzepte zur Belüftung verworfen, weil diese mit einer Million Euro plus Wartung zu teuer seien. Zychlinskis Fazit: Es müsse einfach öfter gelüftet werden. Gleichwohl prüfe die Verwaltung weitere Möglichkeiten zur Entlastung, zum Beispiel die Begrünung der Fassade.

Leider sei die Verwaltung von der Landesschulbehörde nicht vorher über die Messungen informiert worden, stellte der Bürgermeister kritisch fest. Man hätte diese gern fachlich begleitet, um qualifizierte Ergebnisse zu erzielen und nicht nur Indizien. Zudem habe die Schulbehörde viele Rahmenbedingungen nicht angeben können. Ohne diese seien die Aussagen im Gutachten wenig aussagekräftig.

Dem Thema Wärme will sich die Gemeinde stellen. Es habe bereits mehrere Gespräche mit der Schule gegeben. Die automatische Verschattung sei soweit optimiert, dass sie Entlastung bringe, sagte Zychlinski. Er räumte ein, dass im Musikraum nur in den Spielpausen gelüftet werden könne. Das wäre allerdings auch so, wenn der Raum in einem anderen Gebäudeteil untergebracht wäre, betont er. Denn auch dort könne das Fenster nicht geöffnet werden, wenn nebenan unterrichtet werde.

Zur Frage, ob gesunde Klima- und Raumluftkonzepte nicht angewendet worden seien, sagte der Bürgermeister, es wisse niemand im Rathaus, was mit dieser Aussage gemeint sei. Auch die Landesschulbehörde habe beim Erörterungstermin dazu keine Hinweise gegeben. Es seien beim Bau des Schulzentrums alle Vorschriften beachtet und ausgeführt worden.

Sonnensegel und Bäume gegen Wärme

Große Fensterflächen, die viel Licht, aber auch viel Wärme hereinlassen, die Fassade aus dunklem Klinker, der sich in der Sonne aufheizt. Daran steigt dann erwärmte Luft empor und dringt im ungünstigsten Fall in Räume ein, deren Fenster zum Lüften offen stehen. Dieses Szenario beschreiben IGS-Schulleiterin Heike Schlimme-Graab und Dominic Kleine-Borgmann vom Personalrat. Die IGS war es, die die Temperatur und Luftqualität von der Landesschulbehörde hatte messen lassen.

Wenn die Fenster geschlossen bleiben, werde die Raumluft schnell schlecht, sagen Lehrer und Kinder. „Wir werden müde, bekommen Kopfschmerzen, fühlen uns schwach, manche bekommen Bauchschmerzen“, schildern die Schülervertreterinnen Jooke Gresbrand (16) und Laura Paschold (13) die Folgen. In den oberen Stockwerken sei es schlimmer als unten. Ganz sicher rührten die Beschwerden nicht von etwas anderem her. „Wenn man in die Schule kommt, hat man nach fünf Minuten Kopfschmerzen, wenn man wieder zu Hause ist, gehen sie weg“, sagt Jooke.

Also mehr lüften? Auch das ist einfacher gesagt als getan. Auf Kipp sollen die Fenster nicht stehen. „Das richtige Lüften geschieht mit Stoßlüftung, also die Fenster ganz auf“, betont Schlimme-Graab. Doch in den Klassenräumen sind die Flügel genau in Kopfhöhe. Das kann schon mal wehtun. Oft werde dennoch mit geöffneten Fenstern und Türen quer gelüftet, doch dann säßen die Kinder im Zug, und es werde Papier weggeweht, berichtet Kleine-Borgmann. Selbst wenn die Temperatur draußen mäßig sei, kratze man drinnen schnell an der 30-Grad-Marke.

Die Hausmeister würden schon morgens die Verschattung runterlassen. „Doch ab 10 Uhr müssen wir lüften“, sagt der Personalrat. Die Verschattung ist nach Ansicht der Schule zu dicht an den Fenstern, sodass kein Kamineffekt entstehen kann, der die warme Luft nach oben wegzieht. So ströme sie durch die Lamellen eher in die Räume als hinaus. „Im Musikraum ist es am schlimmsten“, sagen Jooke und Laura.

Gleichwohl ist Schlimme-Graab optimistisch. Schon seit dem Bau sei die Schule im Gespräch mit der Gemeinde, der Landesschulbehörde und dem Gemeindeunfallverband. Die Runde sei gut aufgestellt. Vor den Sommerferien habe es das letzte Gespräch gegeben, seien Lösungen diskutiert worden. Die müssten jetzt umgesetzt werden.

Dass eine Klimaanlage zu teuer sei, sei nachvollziehbar, sagte die Schulleiterin. Außer der Begrünung der Fassade kann sie sich auch ein Riesensonnensegel über dem Schulhof vorstellen. Dann würde sich immerhin die Pflasterfläche zwischen den u-förmig angeordneten Gebäudeteilen weniger aufheizen. Nicht zuletzt könnten mehr Bäume gepflanzt werden – aber dann so große, dass sie sofort genug Schatten spenden. Einige kleinere auf der Ostseite haben derzeit noch keinen nennenswerten Effekt.

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