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Amtshaus-Sanierung: Wer kann's zuverlässig?

Wedemark Amtshaus-Sanierung: Wer kann's zuverlässig?

Wie viele Betriebe zwischen Lübeck, hinter Kassel und vor Berlin sich zutrauen, das historische Amtshaus in Bissendorf zu sanieren, sammelt und sichtet die Gemeinde Wedemark zurzeit im Vergabeverfahren. Es passiert weit mehr, als auf der Baustelle zu sehen ist.

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Am Brunnen regt der Anblick des Amtshauses eher zu Fragen als zur Muße an.

Quelle: Kallenbach

Bissendorf. Seit Wochen ist der Brunnen im Amtsgarten mit Blick auf das Fachwerkensemble kein Platz mehr für Muße oder Veranstaltungen. Bauzaun, Firmenschilder. Doch wann der Hauptpart der Fachwerksanierung beginnt, und wer ihn übernehmen wird, bleibt bis zum Ende der Abgabefrist bei der Gemeinde offen. Zwei Millionen Euro will die Kommune investieren. Der Zeitplan sieht vor, dass das Gebäude Ende 2017, Anfang 2018 fertiggestellt ist.

„Noch sind wir im Zeitplan. Zeitrisiko Nummer 1 ist die Verfügbarkeit der Handwerksbetriebe. Es ist eine sehr gute Baukonjunktur derzeit“, sagt Bürgermeister Helge Zychlinski. Das Risiko der Handwerksbetriebe, die etwa die geforderten Zimmermannsarbeiten übernehmen würden, sieht anders aus. Sie wissen mit den üblichen öffentlichen Ausschreibungsbedingungen nur das Grobe – Fachwerk
sanierung. „Was im Sack drin ist, das ganze Aufgabenspektrum, ist damit noch nicht bekannt“, verdeutlicht ein erfahrener Betriebschef im Fachwerkbau aus der Region. Die größte Herausforderung sei der Fachwerkbau unter Denkmalschutz im Bestand – also nicht als Neubau.

Für mittelständische Fachbetriebe – Architekten, Zimmereien – kommen sonst die meisten Aufträge für denkmalgeschützte Einzelobjekte von privaten Auftraggebern. Dort arbeitet man in enger Abstimmung über die gesamte Bauzeit. Nicht viele Firmen haben sich durch solche Arbeiten Erfahrung und einen Ruf erworben. Genau dies müssen Bewerber, wollen sie bei einem vergleichbaren öffentlichen Auftrag „ankommen“, für drei bis fünf zurückliegende Jahre belegen.

Aber noch viel mehr: Weil Kommunen sichergehen müssen, dass sie es mit seriösen Vertragspartnern zu tun haben, müssen diese auf gut Deutsch „die Hosen herunterlassen“.So müssen sie Bilanzen offenlegen, die Anzahl der Beschäftigten und die genauen Lohnniveaus angeben. Aber die Aufgaben sind zunächst nur grob umrissen. Gleichwohl müssen sie ein kalkuliertes Angebot abgeben.

Die Kommune sichtet und entscheidet nach dem günstigsten Angebot. Ob dies so vorgeschriebene Handeln langfristig auch zur wirtschaftlichsten Lösung führt, sehen gerade Spezialbetriebe im Denkmalschutz kritisch. Es gehöre handwerklich eine Menge dazu, gibt der Betriebschef, der nicht genannt sein möchte, zu bedenken. In der Regel müsse „man selber Restaurator sein oder einen im Hintergrund haben“. Der Bieterkreis für das Amtshaus sei insofern in vieler Hinsicht eingegrenzt.

Die Fenster im Amtshaus sind in diesem Jahr exakt 30 Jahre alt - Verbundfenster, bei denen ein Flügel von außen auf einen anderen aufgesetzt ist. Angefertigt und eingebaut hat sie seinerzeit Jürgen Bombeck aus Elze. Nach drei Jahrzehnten müssen sie aufgerüstet und repariert werden, Isolierglas ist heute Standard. „Die Fenster werden mit den Tischlerarbeiten noch ausgeschrieben“, sagt der Bürgermeister. Auch der heimische Familienbetrieb, obwohl so verbunden mit der Herstellung der Originalfenster, kann und muss sich dem Ausschreibungsverfahren unterwerfen.

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