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Bäume verschwinden – Bagger planieren

Wedemark Bäume verschwinden – Bagger planieren

Nach einem massiven Kahlschlag am Fliederweg bringt nun die Beseitigung einer baumbestandenen Fläche Am Wietzestrand in Bissendorf-Wietze Anwohner auf die Palme. Im Ortsrat könnte es am Dienstag, 25.  April, deshalb hoch hergehen.

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Erst Kahlschlag, dann freie Fläche zum Bauen in Bissendorf-Wietze. 

Quelle: privat

Bissendorf-Wietze. Die Sitzung des Ortsrates ist einmal verschoben worden, weil die Verwaltungsvorschläge zu den vier Bebauungsplänen im Bereich Bissendorf-Wietze und zur Baumschutzsatzung noch nicht vorlagen. Beide Themen waren politisch auf Eis gelegt. Nun sollen sie im Ortsrat beschlossen werden, wie Ortsbürgermeister Daniel Leide dieser Zeitung auf Nachfrage am Donnerstag sagte.

Nicht für alle Teile der Waldsiedlung, in denen zuletzt Rodungen zuhauf stattfanden, brächten gültige Bebauungspläne Abhilfe, verdeutlicht Leide. Gleichwohl treibt es ihn um, immer wieder Bäume fallen und neue Baustellen zu sehen. „Nach wie vor ist es so, dass das Baurecht, die Baugenehmigung, den Baumschutz verdrängt“, beklagt er. Ob Am Weiher, Blumenweg, Fliederweg, Mörsewinkel – Politiker und Anwohner konnten beim Fällen nur zusehen.

Anwohnerin Patricia Korneffel listet weitere Rodungen und Neubauten auf, die sie zu Fuß mit Kindern und Hunden in jüngster Zeit beobachtet hat: Beerenweg, Hagebuttengang, Schafsteg „alles plattgemacht“. Und eben: Am Wietzestrand/Ecke Christophorusweg. Statt eines privaten Bauherrn, der eigentlich die Fläche zunächst erworben hatte, aber dort wegen der Bäume keine besonnte Terrasse hätte bauen dürfen, habe nun ein Bauträger mit Baggern alles planiert, moniert sie. In Fotos hat sie alles dokumentiert. Mit den zwei weiteren Mitgliedern der Bürgerinitiative Bissendorf-Wietze versucht sie, bei der Gemeinde Klarheit über eine mögliche Bebauung des Grundstückes Am Wietzestrand zu erlangen.

Korneffel hat Erklärungen zur Hand: „Einen privaten Bauherrn interessieren die Vorgaben der Gemeinde.“ Er wolle ja auch langfristig mit Kommune und Nachbarn auskommen. Aber Investoren interessierten doch keine Auflagen, „die der Leerstand des Grundstücks teurer kommt als eine Ersatzpflanzung oder Strafzahlung“, meint Korneffel. Schuld aus ihrer Sicht seien die Gremien, die sich nicht auf Mindeststandards eines Bebauungsplanes einigen konnten. „Sie hätten für den gesamten Bereich Sicherheit für Bauamt und Bauherren geben können.“

Zur Fläche Am Wietzestrand erläutert Gemeindesprecher Hinrich Burmeister, die Fällung sei an die Erteilung der Baugenehmigung gekoppelt gewesen. Sie sei jedoch erfolgt, bevor die Gemeinde die Baugenehmigung erteilt habe. Dies sei ein rein formaler Fehler – sie folge voraussichtlich in der nächsten Woche. Der Baumbestand dort sei auch vorab von der kommunalen Baumkontrolleurin geprüft worden; viele der Bäume seien abgängig gewesen.

„Wie man jetzt komplette Kahlschläge vermeidet, da habe ich auch keine Idee“, resümiert der Ortsbürgermeister. Er weiß von vielen Alteingesessenen, die auf Antrag nicht einmal einen Baum auf ihrem Grundstück wegnehmen dürfen, und andererseits von massenhaften Fällungen alter Bäume durch Baugenehmigungen der Gemeinde. Deren Ermessensspielräume einmal abzufragen und transparenter zu machen, erscheint ihm notwendig. Nachvollziehbarkeit einzufordern, das Thema der Bürger, sieht er auch als Thema für die politischen Gremien.

Bäume fallen manchmal
auch unter das Waldgesetz

Eine Besonderheit, die von außen nicht erkennbar ist, stellte die hier ebenfalls kürzlich berichtete radikale Abholzung auf einem Doppelgrundstück von mehr als 2100 Quadratmetern am Fliederweg dar. Dort erteilte die Gemeinde wie so oft im Rahmen der örtlichen Baumschutzsatzung die Ausnahmegenehmigung zur Fällung „der Bäume, die der Verwirklichung der baurechtlich zulässigen Nutzung entgegenstanden“. Eine amtliche Überprüfung ergab, dass bei der Rodung von der Genehmigung nicht abgewichen wurde, bestätigt die Gemeinde die Rechtmäßigkeit. Die baurechtlich zulässige Nutzung ermögliche dort den Bau eines geplanten Vier- und Zweifamilienhauses.

Jedoch war der westliche Teil, etwa die Hälfte des Grundstücks, als Wald zu beurteilen. Die Bebauung dieser Fläche ist daher nur unter der Bedingung einer Waldumwandlung gemäß den Vorschriften des Niedersächsischen Waldgesetzes zulässig. Auch dies wurde genehmigt: Die zuständige Untere Waldbehörde der Region hatte das Einvernehmen zur Waldumwandlung erteilt, wie Sprecher Klaus Abelmann bestätigt. Für den umgewandelten Wald hat die Region als Ersatzaufforstung eine vorhandene Waldfläche in der Gemarkung Meitze nachgewiesen. Notwendig war – nach Ersatzaufforstungsverhältnis von 1:1,2 – eine Fläche von 1291 Quadratmetern.

Für die Waldumwandlungsgenehmigungen und die Aufforstungsverpflichtungen ist grundsätzlich die Region Hannover zuständig, betont Gemeindesprecher Hinrich Burmeister. Die Gemeinde stellt keine Flächen für Privataufforstungen – worum es sich ja bei dem Baugrundstück am Fliederweg handelt – zur Verfügung. In der Regel vermittele ein Bezirksförster der Landwirtschaftskammer die Flächen von Privatvorhaben, so Burmeister. Die Gemeinde müsse nur im Rahmen von Bebauungsplänen Ausgleichsflächen ausweisen.

Im Fall der Fläche des Fliederweg-Grundstückes wurde die Aufforstungsfläche in Meitze vermittelt, die der Eigentümer durch den Bezirksförster hatte aufforsten lassen, und die er sich im Vorfeld des Bauvorhabens von der Unteren Naturschutzbehörde für diesen Zweck anerkennen ließ.

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Erst Kahlschlag, dann freie Fläche zum Bauen in Bissendorf-Wietze. 

Quelle: privat
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