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Dorfbewohner verstehen ihre Gemeinde nicht

Wedemark Dorfbewohner verstehen ihre Gemeinde nicht

Für einen Logistikstandort will die Gemeinde Wedemark vor Gailhof und Meitze ein Industriegebiet schaffen. Drei Hallen sind geplant - bis zu 15 Meter hoch. Zu groß, zu hoch, entschieden am Sonntag bei einer kurzfristig organisierten Demonstration schon viele Dorfbewohner vor Ort.

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Gailhof. Das Verfahren steht ganz am Anfang, hat aber nach der ersten Veröffentlichung der Pläne für Aufruhr in den beiden Dörfern und darüber hinaus gesorgt. So kamen gestern schnell etwa 50 Protestierende am Neuen Hessenweg zusammen und drückten ihren Ärger aus.

„Die Hallenfläche entspricht 13 Fußballfeldern, dazu kommen noch großflächig versiegelte Verkehrsflächen“, führte Jörn Sund aus Wennebostel an, warum er und viele Wedemärker sich gegen die Pläne für eine riesige Industrieansiedlung dort wenden werden. Rund 90 000 Quadratmeter wird die Hallenfläche nach jetzigem Planungsstand betragen. Das Projekt sei für eine ländlich geprägte Gemeinde wie die Wedemark völlig überdimensioniert, so Sund. Auch gehöre Industriebebauung nicht neben oder zwischen die Dörfer. Die Angst sei, dass die Balance zwischen Wohn- und Gewerbebebauung in der Wedemark verlorengehe.

„Gailhof soll sichtbar bleiben“, forderten Ortsbewohner auf Transparenten, die wohl auch zur gemeinsamen Sitzung der beiden Ortsräte heute Abend ab 20 Uhr im Gasthaus Langehennig an der Dorfstraße getragen werden. Die Gailhofer Familie Kaupmann am Dorfrand Vorm Hofe wird jedenfalls direkte Sicht auf Logistikhallen bekommen. „Ich wohne am allernächsten dran, am Schützenhaus, unter 100 Meter Luftlinie, und dann Hallen vor meinem Fenster“, äußerte Sören Kaupmann entsetzt. „Für mich ist das unglaublich.“ Vor zehn Jahren sei er vom Lande bei Minden hierher gezogen aufs Land. „Mit solchen Bauwerken verändert sich alles für mich“, sagte der Vater von drei Kindern. „Ich werde aus der Wedemark wegziehen.“ Auch anderen jungen Leuten in seiner Nachbarschaft gehe es ähnlich.

„Junge Familien kriegen hier kein Bauland, und nun so etwas“, erregte sich Maggie Garland aus Gailhof. Seit 20 Jahren wohne sie dort und versuche, das Dorf attraktiv zu machen für Familien mit Kindern. „Wenn so ein Ding kommt, ist das der Todesstoß“, sagte sie. „Wenn Einkaufsmöglichkeiten oder Wohnhäuser auf der Fläche gebaut würden, das wäre schön, aber so?“, meinte Bettina Tögel aus Gailhof enttäuscht.

„Dieser Logistik-Boom hat nichts mehr mit Gewerbe zu tun“, kritisierte Ralf Göing,  CDU-Ortsratsmitglied aus Gailhof. „Das Vorhaben wird für Gailhof ein eiserner Vorhang. Ich verstehe unsere Gemeinde nicht.“ Die Flächen sollten besser für angestammte, große Wedemärker Betriebe mit Ausdehnungsbedarf freigehalten werden.

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