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Am Freitag schließen sich die Stalltüren

Wedemark Am Freitag schließen sich die Stalltüren

Die Aufstallungspflicht in der Region als Mittel gegen die Ausbreitung der Vogelgrippe trifft zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe und private Halter. In der Wedemark bedroht es die überregional angesehene Rassegeflügelzuchtvereinigung (RGZV) in ihrer Existenz: Alle Ausstellungen sind abgesagt.

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Ob die Freilandgänse in Hellendorf eine Ausnahmegenehmigung erhalten, war am Donnerstag noch ungewiss.

Quelle: Ursula Kallenbach

Wedemark/Burgwedel/Isernhagen. Die schon aufgebauten Käfigreihen im Vereinsheim in Wiechendorf werden am Montag wieder abgebaut. Die lange georderten Tombolagewinne – Schinken, Würste, Süßigkeiten – werden unter den Mitgliedern verkauft, das vorbereitete Programmheft ist Makulatur. Am ersten Advent hätte die 49. Wedemarkschau dort Hunderte Besucher angezogen, zumal sich der örtliche Verein dazu die diesjährige Kreisverbandsschau gesichert hatte. „Wir hatten daher eine besonders hohe Meldezahl mit 471 Rassetieren von mehr als 50 Züchtern“, verdeutlicht der RGZV-Vorsitzende Hendrik Biesalski. Alles abgesagt.

Neben regionalen Schauen sind von der Region wegen der akuten Gefährdungslage nun auch überregionale Ausstellungen wegen der dafür erforderlichen Geflügeltransporte untersagt. Für die RGZV ein Drama. „Die Untersagungen gelten bis Ende Januar, weil erst dann der Flug der Zugvögel zu Ende geht“, erläutert Biesalski. So musste er auch eine überregionale Schau von 300 Rassezwerghühnern am 3. Advent absagen, ebenso eine Indischer Pfautauben im Januar. „Auf Ausstellungen entfallen 90 Prozent des Umsatzes im Vereinsheim. Im Grunde lebt der Verein davon“, sagt der Vorsitzende. „Das ist für uns existenzbedrohend.“ Eine Vorstandssitzung ist anberaumt. Jeder einzelne Züchter hat noch ein anderes Problem. „Geflügel aus dem Stall verliert an Glanz und Vitalität und ist dann kaum noch ausstellungsfähig“, beschreibt Biesalski.

Der Hellendorfer Betrieb Schönhoff, bekannt für seine Weihnachtsgänse, hat am Donnerstag für Hunderte Gänse in ganzjähriger Freilandhaltung und ebenso viele Enten bei der Region eine Ausnahmegenehmigung beantragt – mit ungewissem Ausgang. „Dieses Laufgeflügel aufzustallen, ist nicht artgerecht, das wäre Tierquälerei“, sagt Martin Schönhoff. Insofern habe er auch keinen geeigneten Stall zur Verfügung. Gestern liefen die Gänse noch auf der Weide. Den Verbrauchern gibt Senior Stephan Schönhoff zu bedenken: „Man kann auch jetzt kaufen und einfrieren.“

Wegen der Aufstallungspflicht holt der Wettmarer Ziegenhof Schümer seine 70 freilaufenden Hühner am Freitag in freie Pferdeboxen. „Die sind glücklicherweise gerade frei“, sagt Betreiberin Elke Walter. Denn sonst hätte der landwirtschaftliche Betrieb am Immenweg ein großes Problem mit der Unterbringung des Federviehs – einen Stall gibt es nicht. Für die kleine Schar an freilaufenden Hühnern sei es ganz ungewohnt dicht an dicht auf engem Raum zu hocken, sagt die Landwirtin. Streit und Stress sind deshalb vorprogrammiert. Mit Karotten will der Familienbetrieb die Hühner füttern, die dann eher in die gelben Rüben picken, als in den gackernden Nachbarn.

Auch die Luken des neuen Kirchhorster Hühnerstalls von Familie Gosch bleiben wegen der möglichen Infizierung mit dem H5N8-Virus ab Freitag dicht. Erst vor fünf Wochen sind dort 3000 Junghennen eingezogen. Für Geflügelhalter Gorden Gosch deshalb ein Grund mehr, sein Federvieh im großzügig angelegten Stall zu lassen. Die Eier dürfen sie dennoch als von freilaufenden Hühnern deklarieren – und das sechs Wochen lang.

Von Ursula Kallenbach und Katerina Jarolim-Vormeier

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