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Jürgen Friedes Kunstwerke transportieren mehr

Wedemark Jürgen Friedes Kunstwerke transportieren mehr

Auch der Bildhauer Jürgen Friede in Sprockhof gibt beim Atelierspaziergang 2016 der Region einen Einblick in seine Arbeit. Ihn beschäftigt auch, wie Kunst und künstlerische Arbeit sich verändern.

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Aus Messing hat Jürgen Friede diese Medaille gearbeitet.

Quelle: Kallenbach

Wedemark. Wie Friede sind alle Teilnehmenden an der Regionsveranstaltung ausgebildete, hauptberufliche Künstler mit Studium, Meisterklasse, Arbeitsaufträgen und Ausstellungen. Von Jürgen Friede befinden sich mehrere Skulpturen im Besitz öffentlicher und privater Sammlungen wie: Staatliche Kunstsammlungen Dresden – Münzkabinett, Staatliche Museen zu Berlin – Münzkabinett, Sparkasse Hannover, Sammlung Nikolas Ludwig (Hemmingen), International Neuroscience Institute/ (Hannover), Kestnermuseum Hannover, außerdem im öffentlichen Raum in der Region. Er und seine Kollegen leben von ihrer Kunst. Und wie?

„Während der Ausstellungseröffnung im Schloss Landestrost beklagte sich auch ein anderer Künstler, dass Stiftungen keine künstlerischen Projekte mehr fördern. Das habe ich nun schon mehrfach gehört, es werden überwiegend Kunstkurse gefördert - sogenannte Soziokultur“, berichtet Friede. So gerate die freie Kunst einmal mehr ins Hintertreffen. „Die Möglichkeiten der Förderung für freie Künstler tendieren weiter gegen Null“, stellt er fest.

Raumbestimmende, große Skulpturen aus Stahl, zum Beispiel an der Vahrenwalder Straße in Hannover und in Berkhof  (Kinderrechtsskulptur),  sind ebenso Friedes künstlerischer Ausweis wie Figuren und Objekte aus Marmor, Graniten oder Messing. Mehrere Großskulpturen sind noch Modell geblieben. Der Bildhauer steckt Arbeit und Materialkosten hinein – und kann das Werk nicht umsetzen. Ein solches Modell hat längere Zeit das Foyer im Bürgerhaus bereichert. Versuche, es in den richtigen Dimensionen auf dem Amtshof zu installieren, liefen ins Leere.

Die mächtigen Skulpturen firmieren unter Kunst am Bau. Niedersachsen, hat Friede ermittelt, ist das Bundesland, wo am wenigsten solcher Kunst finanziert wird. „Machen wir nicht, kommt auch nie wieder“, ließ die Oberfinanzdirektion auf seine Nachfrage wissen. Ein Trauerspiel sei auch: „Niedersachsen schreibt keine Wettbewerbe mehr aus seit Kanzler Schröder“. Große Unternehmen vor Ort lassen sich auf Modellanfertigungen noch ein – „aber dann klappt es nicht“.

Investiert die Kirche in Kunst? „Vor meiner Zeit haben Künstler allein von Kirchenaufträgen leben können. Aber schon nicht mehr, als ich studierte“, sagt der Wedemärker.

Als Bildhauer arbeitet er noch mit dem Meißel, andere „klassische“ bildende Künstler greifen zu Pinsel und Farbe, aber es seien immer weniger, sagt Friede. Beide Werkzeuge rutschen bei Professoren und Studenten offenbar hinter Computern auf einen zunehmend unattraktiveren Rang. Mehr als die klassischen Ausbildungsarten ziehen die Medien. „Auch die Studenten in Bildhauerklassen und Malerei sitzen am Computer“, weiß Friede. Und viele bislang der „alten“ Kunst Verhafteten wechseln zu Computerkunst.

Wer Kunst studiert, bezieht heute den Wandel schon mit ein. „Ich glaube, die jungen Leute machen Ausstellungsmanagement und gehen an Museen.“ Andere erobern die digitale Kunst oder entwickeln Spiele. „Die Jungen heute haben begriffen, dass es kaum noch funktioniert, von klassischer Kunst zu leben.“

Ein digitaler Ausflug des 62-Jährigen hat ein Buch hervorgebracht. Aus ein paar Tausend Aktzeichnungen, die er zwischen 2011 und 2015 in einer Gruppe in Hannover anfertigte, hat er es im Selbstverlag zusammengestellt. Die Fünf-Minuten-Zeichnungen zeigen eine schwebende, fließende Vorliebe des Künstlers – zu sehen und zu kaufen (Selbstkostenpreis 20 Euro) beim Atelierbesuch. Zu erwerben sind selbstverständlich auch die Skulpturen und kleineren Metallarbeiten.

Für Jürgen Friede steht sein eigenes Künstlerleben nicht infrage. Es stellt aber durchaus Fragen an die Zukunft. „Mittlerweile leben große Teile der Gesellschaft wie Künstler – in prekären Verhältnissen. Künstler können das aushalten, für andere ist es neu“, stellt er fest. Insofern könnten Künstler neben ihren Werken jetzt auch vermitteln, „wie die Zukunft der Gesellschaft aussehen wird – unsicher“. Kunstwerke transportieren eben mehr.

Ein Feldweg führt zu den Ateliers

42 Künstlerateliers öffnen in Hannover und Umland ihre Türen beim 15. Atelierspaziergang der Region – die erste Hälfte machte am Sonntag, 22. Mai, den Anfang. Am Sonntag, 29. Mai, stehen Besuchern in der Wedemark zwei Ateliers mit drei Künstlern offen – versammelt in Sprockhof. Der Bildhauer Jürgen Friede lebt und arbeitet dort. Wer auf der Landesstraße 190 von Mellendorf über Elze, Berkhof und Sprockhof anfährt, muss hinter dem Ort nach 400 Metern in den Feldweg rechts abbiegen; die Zufahrt ist ausgeschildert. In der Nachbarschaft, am Braunen Kamp 47, zeigt die Künstlerin Ulla Nentwig, Malerei, Zeichnungen und Rauminstallationen. Sie ist seit 1989 freischaffend überwiegend in Hannover tätig. Zu Gast bei ihr ist aus Hannover die Bildhauerin Barbara Steinmeyer. Im Braunen Kamp stehen Parkbuchten zur Verfügung, zum Atelier geht es über den letzten Weg rechts ab. Jürgen Friede ist telefonisch unter (05130) 790904 zu erreichen, Ulla Nentwig unter (0152) 21619555, Barbara Steinmeyer unter ((0178) 1849196. Die Ateliers stehen von 11 bis 18 Uhr für Besucher offen, der Eintritt ist frei. Die Arbeitsräume der Künstler sind nicht behindertengerecht ausgestattet.

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