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Tierengel retten Hunde vor dem Tod

Wedemark Tierengel retten Hunde vor dem Tod

Hunde werden massenhaft getötet, ausgesetzt, sie hungern, sind krank, verletzt; Autofahrer halten drauf, statt auszuweichen – dieses Elend rumänischer Straßenhunde lässt den Verein Tierengel Grenzenlos nicht kalt. In der Wedemark und in Burgwedel leben zwei Mitglieder, die sich für das Überleben dieser Tiere einsetzen.

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Germaine Rosenkranz setzt sich leidenschaftlich für schwer vernachlässigte Hunde aus Rumänien ein. Bei sich in Wennebostel-Wietze gibt sie fünf Hunden und sieben Katzen ein Zuhause.

Quelle: Roman Rose

Wedemark/Burgwedel. Schon der Garten lässt erahnen, dass es hier um mehr als ein paar Blümchen geht. Ein hoher Zaun begrenzt den Auslauf von fünf Hunden und sieben Katzen, die Germaine Rosenkranz auf dem großen Grundstück und in ihrem Haus in Wennebostel-Wietze hält. Die 67-Jährige zog vor drei Jahren vom Bodensee in die Wedemark. Seitdem hat sie ihr Leben rumänischen Straßenhunden gewidmet. "16 bis 18 Stunden täglich sind das schon", sagt sie. Im Verein Tierengel mit Sitz in Koblenz ist sie derzeit das einzige von rund einem Dutzend Mitgliedern, das sich so intensiv dieser Aufgabe widmet.

Dass sie einen Hund wollte und letztlich ein Tier aus einer kroatischen Tötungsstation rettete, war vor etwa drei Jahren ihr Einstieg ins Thema. "Seit ein Straßenhund angeblich ein Kind getötet haben soll, werden diese dort brutal gejagt und getötet", berichtet sie. Doch das sei nur ein Vorwand gewesen. Dass sich später herausstelle, dass es Wachhunde von einem privaten Grundstück waren, habe niemanden mehr interessiert. Die Tierengel finanzieren in Rumänien drei Helfer, die Hunde den Fängern vor der Nase wegschnappen, aufpäppeln, pflegen, bis sie an neue Besitzer in Deutschland vermittelt werden. 600 bis 800 Tiere waren es bisher, schätzt Rosenkranz.

Mittlerweile fliegt die Wedemärkerin jeden Monat für etwa acht Tage dorthin, wo der Verein eine eigene Hundestation auf einem gepachteten Grundstück gebaut hat. 60 bis 70 Tiere leben dort, die die Tierengel vor dem Tod bewahrt haben. Weitere 30 bis 50 Welpen sind an anderen Orten untergebracht. Die Ausgaben für Personal, Pacht, Energie und Tierärzte sowie Medikamente liegen bei rund 4000 bis 5000 Euro pro Monat. Mit Vermittlungsgebühren, Spenden – viele auch aus eigener Tasche - und Futterspenden finanzieren die Tierengel gegen.

Ein großer Teil der Kommunikation der Tierengel mit dem Rest der Welt läuft über soziale Netzwerke im Internet. Die Resonanz zeigt sich in Tausenden Likes. Rosenkranz sieht, dass das Fass, das sie ständig nachfüllt, keinen Boden hat. Doch zu erleben, dass durch ihre Hilfe so viele Hunde vor dem Tod gerettet werden konnten und noch können, erfüllt sie sehr. Dass sie gesehen hat, wie Hunde, denen Stachelhalsbänder ins Fleisch eingewachsen waren, wieder gesund wurden, wie andere nach einer Operation wieder laufen konnten, oder wieder andere, die schon zur Tötung vorbereitet waren, dank ihrer Hilfe noch leben – das wärmt einfach ihr Herz. "Was wir machen, ist nur ein Tropfen auf einen heißen Stein", sagt sie, "aber für den Hund, der diesen Tropfen leckt, ist es das Leben". Ganz klar sieht sie: "Ich kann nicht die ganze Welt retten. So habe ich mich eben für rumänische Straßenhunde entschieden." Darüberhinaus hat die Mutter einer erwachsenen Tochter auch noch eine Kinderpatenschaft.

Pläne haben die Tierengel auch: Sie würden in Rumänien gern ein Mobilheim aufstellen, in dem ein Tierarzt die Hunde behandeln kann. Und in dem es einen desinfizierbaren Quarantäneraum gibt - zurzeit sind es nur abgetrennte Boxen. "Wir schaffen oft weniger, als wir uns vornehmen – das gilt auch für mich", sagt Rosenkranz. Doch den Grund kennt sie auch und sagt es mit einem Lächeln: "Ich kann so schlecht Nein sagen."

Beim Spendensammeln ist kein Weg zu weit

Tierengel-Unterstützerin Petra Wendorff wohnt nur ein paar Kilometer Luftlinie von Germaine Rosenkranz entfernt. Dass ihre Spendenaufrufe in sozialen Netzwerken im Norden der Region ankommen, beweist ein Blick in ihre Garage. Dort stapeln sich Tierfutter, Decken, Hundekörbe und Verbandskästen und warten auf den nächsten Transport Richtung Balkan. Die Kleinburgwedelerin scheut keinen Weg, um Spenden persönlich abzuholen oder ihrem Verein bei der Vorkontrolle von Pflegestellen zu helfen.

Seit sie Bilder von der bestialischen Tötung und Verstümmelung von Straßenhunden gesehen hat, engagiert sie sich bei den Tierengeln – das sei ihre Antwort auf ihre "Wut und Hilflosigkeit über diesen Skandal". Stella haben die Tierengel rumänischen Hundefängern vor der Nase weggeschnappt. Im letzten Oktober sollte der große schreckhafte Mischling eigentlich nur auf Pflege nach Kleinburgwedel kommen – aber er blieb. Die ersten drei Monate habe Stella fast nur gefressen und geschlafen, berichtet Wendorff. Aber: "Mit aller Zeit und aller Liebe dieser Welt" und mit 14-tägigem Einzeltraining habe sie das Vertrauen des Tieres gewinnen können. Gleichwohl: "Ganz kriegen sie die Straße nie raus."

Wer etwas spenden will, das den Aufenthalt der Tiere in der Pflegestation in Rumänien erleichtert, kann sich unter Telefon (0173) 6 80 68 11 oder per E-Mail an petra.wendorff@t-online.de an die Kleinburgwedelerin wenden.

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Stella kam schreckhaft und stumm nach Kleinburgwedel. Erst mehr als ein halbes Jahr nach ihrer Rettung hat Petra Wendorffs Schützling seine Stimme wiedergefunden.

Quelle: Martin Lauber

Von Roman Rose/Martin Lauber

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