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Gailhof/Meitze: Protest gegen Riesenhallen

Wedemark Gailhof/Meitze: Protest gegen Riesenhallen

Gewerbe ja, aber auf keinen Fall so riesig: Das war die Kernbotschaft, die Bürgermeister Helge Zychlinski und Bauwo-Geschäftsführer Bernd Rathenow am Montagabend von einer Ortsratssitzung in Meitze mit nach Hause nahmen. Etwa 250 bis 300 Besucher waren dabei, als Rathenow die Pläne erstmals öffentlich vorstellte.

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250 bis 300 Menschen drängen sich im Saal des Gasthauses Lanngehennig in Meitze.

Quelle: Roman Rose

Gailhof. In großer Zahl wenden sich Einwohner von Gailhof und Meitze gegen Pläne, in einem Industriegebiet zwischen ihren Dörfern einen Gebäudekomplex mit bis zu 15 Meter hohen Hallen zu errichten. Weil zwei Dörfer betroffen sind, war es eine gemeinsame Sitzung der Ortsräte Mellendorf/Gailhof und Elze/Meitze. Immer wieder verteidigten Zychlinski und Rathenow die Pläne in ihren Grundzügen, betonten aber, offen für Veränderungen zu sein. Der Prozess der Meinungsbildung habe gerade erst begonnen.

Das ist der Stand der Planung

Die Bauwo Grundstücksgesellschaft hat bei der Gemeinde beantragt, westlich des Neuen Hessenwegs in Gailhof ein Industriegebiet auszuweisen. Sie will nach den Worten von Geschäftsführer Bernd Rathenow rund 50 Millionen Euro investieren. Auf 18 Hektar Fläche sollen drei große Hallen mit einer Gesamtfläche von rund 9 Hektar entstehen. Die Hallen sind etwa zwischen 130 und 240 m lang, stehen parallel zum Neuen Hessenweg. Die Gebäude sollen mit einem Abstand von etwa 55 – 60 Meter zur Straße errichtet werden.

So verteidigt der Bürgermeister das Vorhaben

Zychlinski betonte, es gebe in der Wedemark nicht viele Flächen, die für eine Ansiedlung in dieser Größenordnung geeignet seien. Oft verhinderten Landschafts- oder Wasserschutzgebiete gewerbliche Entwicklung. Das Gelände gegenüber der Spedition Ebeling - von einigen Kritikern favorisiert  - stehe nicht zur Verfügung. Die Autobahnnähe halte den Verkehr aus den Dörfern. Die Planung diene einem schon in der Wedemark ansässigen Unternehmen. Dieses kämpfe um Großaufträge, die rund 150 Arbeitsplätze sicherten und weitere bringen würden. Dafür sei eine Erweiterung in dieser Größe unabdingbar. Um welche Firma es geht, sagte er trotz mehrerer Nachfragen nicht.

Das sind die Argumente der Bürger

Zahlreiche Redner griffen in der Bürgerfragestunde zum Mikrofon. Die Atmosphäre war geladen, die Beiträge in aller Regel sachlich, hier und da entluden sich auch Emotionen. Immer wieder brandete Applaus auf, wenn Redner ihre Kritik vortrugen. Den meisten ist das Projekt in der jetzigen Form zu gigantisch. Sie fürchten um den Dorfcharakter, sehen Grundstückspreise sinken, den LKW-Verkehr auf ihren Straßen zunehmen, LKW-Fahrer im Umfeld wild parken und campieren. Andere fürchten nach dem aktuellen Logistik-Boom Leerstand, forderten eine Rückbaubürgschaft, zweifelten daran, dass das Projekt Arbeitsplätze für Wedemärker bringt und Gewerbesteuern für die Gemeinde. Wieder andere forderten alternative Standorte, mindestens eine Verkleinerung der Hallen.

Das sagten Politiker

Ortsrätin Jessica Borgas (CDU) schimpfte die Hallen Wellblechpaläste, da bleibe nicht viel Wohlfühlgemeinde. Das Projekt sei zu groß, warf CDU-Ratsfraktionschef Rudi Ringe ein. Editha Lorberg (CDU) warf dem Bürgermeister aus dem Zuhörerraum eine Vergewaltigung der Wedemark vor anstelle von sanfter Entwicklung. Sie forderte eine Bürgerbefragung. Nach mehrfacher Aufforderung äußerte sich Ingemar Becker von den Grünen - als Bürger und Ortsratsherr, wie er betonte, nicht für die Ratsfraktion, diese habe noch keine abgeschlossene Meinung. Er selbst halte die Fläche für geeignet. Zunächst habe ihn die Größe auch erschlagen, doch man sei jetzt erst am frühest möglichen Zeitpunkt der Beteiligung. CDU-Ortsratsherr Ralf Göing mahnte seine Kollegen im Rat: "Nehmt die Anregungen der Bürger ernst und setzt euch nicht über die Ortsräte hinweg - sonst brauchen wir bald keine mehr."

Das ist die offizielle Stellungnahme der Ortsräte

Geprüft werden soll, ob eine Ansiedlung auf kleinerer Fläche funktioniert, es mehrere kleine statt dreier großer Hallen geben könnte, Baukörper umgestellt werden können. Weiterhin soll geschaut werden, ob es Standortalternativen gibt, die Abstände zur Wohnbebauung wachsen, die Fassaden begrünt sowie Lärm und Abgase minimiert werden können. Zudem soll die Kreuzung Neuer Hessenweg/Celler Straße sicherer werden. Außerdem wollen die Politiker wissen, wo die Ausgleichsflächen liegen.

So geht es weiter

Am Ende riefen der Meitzer Christoph Chilla und die Gailhoferin Maggie Garland auf, eine Bürgerinitiative gegen die Pläne zu gründen. Sie sind per E-Mail an maggie@garland-sprach-training.de zu erreichen. Eine Facebook-Seite gibt es auch schon: Sie heißt „Wir sagen NEIN zum MEitze GAilhof GEwerbegebiet“.

Als nächstes wird das Thema öffentlich im Ausschuss für Planen und Bauen diskutiert. Im Sitzungskalender der Gemeinde ist dafür der 9. Juni vorgemerkt.

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