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Zahl der Wildschweine bereitet Sorgen

Wedemark Zahl der Wildschweine bereitet Sorgen

Zwei Keiler jenseits der 100-Kilo-Grenze haben Jäger im abgelaufenen Jagdjahr 2016/2017 in der Wedemark erlegt. Der Hegering warnt jetzt vor einem alarmierenden Anstieg der Wildschweinpopulation und fordert die aktiven Jäger und Jagdpächter auf, am Ball zu bleiben.

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Nach einem Jahr gibt der neue Leiter des Hegerings Wedemark, Henrik Bardeck, seinen ersten Bericht.

Quelle: Kallenbach

Schlage-Ickhorst. Dies sei die höchste Schwarzwildstrecke seit 2007/2008, berichtete in der Jahresversammlung in Schlage-Ickhorst Jan-Ulrich Goeldel, Obmann für die jungen Jäger. Der Bestand bei den Wildschweinen sei so hoch wie nie. Mit 362 Stück seien im Hegering gegenüber der 174 im Vorjahreszeitraum mehr als doppelt so viele erlegt worden. Zu leiden haben unter dem Anwachsen des Wildschweinbestandes vor allem Landwirte; ganze Rotten ziehen inzwischen schon in den Orten über Wiesen und Felder und wühlen den Boden um.

Auch Autofahrer machen auf den bekannten Straßenabschnitten etwa zwischen Brelingen und Mellendorf sowie auf der Strecke Brelingen–Wiechendorf–Scherenbostel folgenreiche Bekanntschaft mit den schweren Borstentieren. Vor allem sollen die Jäger nahe der Landes- und Kreisstraßen viel Wild zur Strecke zu bringen, lautete der Appell – besonders im Hinblick auf das Rehwild. Knapp 24 Prozent der Rehwildstrecke von insgesamt 733 Stück ist Fallwild, also dem Straßenverkehr zum Opfer gefallen. Über mehrere Jahre hatte die Polizei Wedemark eine Karte über Häufungen der Wildunfälle geführt; diese werde es so nicht mehr geben, sagte Goeldel.

Mehr als 100 Hasen und Kaninchen sowie 309 Füchse wurden erlegt. Der Fuchsbestand erholt sich, der Dachs ist mit 23 Stück in der Jagdstrecke zu sehen. Nur zwei Waschbären liefen vor die Flinte, aber die Anzahl gestreckter Marder geht nach oben. Speziell bei den Marderhunden finden die Jäger aktuell häufig Räude. 1129 Stück Federwild wurden erlegt. Dazu zählen etwa Ringeltauben, Stockenten, Krähen. Bei der Rabenkrähe sei deutlich Luft nach oben, hieß es im Streckenbericht. „Wir haben mehr Füchse geschossen als Krähen.“

Der neue Leiter des Hegerings, Henrik Bardeck, lenkte die Aufmerksamkeit in seinem Bericht vor allem auf jagdpolitische Themen im Niedersächsischen Jagdgesetz. Wann diese Änderungen kommen werden, wisse jedoch niemand.

Von Einsätzen im Moor mit Schulklassen berichtete der Obmann für Naturschutz, Folke Hein – ehrlicherweise auch von missglückten. So hätten Jugendliche einmal ohne Gummistiefel dagestanden. Auch in diesem Jahr plant Hein wieder eine Ferienpassaktion des Hegerings für Ende Juni, diesmal im Bereich Schadehop.

„Unter Horn“ habe er aktuell 18 Jagdbläser, gab Klaus Breitkopf an. Der Obmann für die Bläser berichtete von 15 Auftritten im vergangenen Jahr und 40 Übungstreffen. „Es ist selbstverständlich, dass wir alle Veranstaltungen des Hegerings begleiten“, versicherte er. Bei privaten Veranstaltungen sollte aber durchaus so manches Mal auch ein Obolus entrichtet werden, mahnte er für seine in Anspruch genommenen Bläser.

Einen Dank hörten die Wedemärker Revierinhaber in dieser Versammlung in der Gaststätte Zum Alten Zöllnerhaus auch noch: Mit derzeit 14  Hunden in der Jagdhundegruppe kann die neue Hundeobfrau, Katja Walters aus Berkhof, die Natur in den Revieren nutzen, die ihr für die Ausbildung zur Verfügung gestellt werden.

Editha Lorberg: Auf den Wolf anders reagieren

Grußworte haben es oft in aller Kürze in sich. Die Wedemärker CDU-Landtagsabgeordnete Editha Lorberg sprach explizit auch als Jägerin mit Jagdschein aus vollem Herzen. „Wir Jäger sind die am besten ausgebildeten Naturschützer, die es gibt“, betonte sie stolz. Die neuerliche Verschärfung des EU-Waffenrechts – für sie eine Gängelei, die Jäger und Sportschützen nicht verdient hätten. Der Waschbär, der neuerdings in Verdacht steht, sich über vom Nabu gerettete Erdkröten herzumachen – er dürfe keinesfalls ganzjährig bejagt werden, wie der Nabu fordere. Der Schutz in der Mutterzeit müsse aus Sicht der Jäger erhalten bleiben. Schließlich – der Wolf. Und da gewinnt die Landtagsabgeordnete die Oberhand. „Der Wolf beschäftigt uns. Wir werden im Landtag darauf achten, dass das Wolfsproblem nicht auf dem Rücken der Jäger ausgetragen wird“, verspricht Lorberg. Und sie hat eine klare Meinung dazu: Dies sei ein schlaues Tier, und die von Wolfsrissen betroffenen Nutztierhalter fühlten sich alleingelassen. „Wie traurig, dass in Niedersachsen nicht anders reagiert wird“, bedauerte sie, ohne jedoch den Namen des in Wolfsfragen stark umstrittenen Grünen-Umweltministers Stefan Wenzel zu nennen.

„Wählen Sie, was Sie wollen, nur nicht Grün“, spitzte Kreisjägermeister Otto Thiele zu, was die Landtagsabgeordnete nach seinem Dafürhalten in ihrem Grußwort vorweggenommen hatte. In seiner kurzen Ansprache drückte der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Burgdorf zudem seine Enttäuschung darüber aus, dass die Wedemärker Jäger sich bei großen Veranstaltungen und Versammlungen der gemeinsamen Jägerschaft etwa in Burgdorf oder Fuhrberg kaum blicken ließen – „ein Unding“.

Der Kommentar

Jagd nicht politisieren

Mochte man über Jahrzehnte in Gesprächen und Versammlungen immer wieder klar heraushören, dass Jäger und Reviereigentümer traditionsbewusst konservativ wählen, so könnte doch die neue Generation Jäger vielfach anders gepolt sein. Immer mehr Frauen legen sehr gute Jagdprüfungen ab. Vielfach vom Gedanken beseelt, mit dem geschossenen Wild auch gesunde Lebensmittel zu gewinnen. Zudem legen die jungen Vorstandsmitglieder immer mehr Wert auf Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Darüber hinaus grätschen sie in den Natur- und Umweltschutz der alten Schule mit anderen Ideen hinein und fordern zu Diskussionen heraus.

Was die Jäger von heute – also die, die die Wildhege auch in der Tat ernst nehmen – aber auf gar keinen Fall brauchen, ist angesichts der in Niedersachsen im Januar anstehenden Landtagswahl, dass irgendeine Partei sie vor ihren Karren spannt. Auch die jagdlichen Zusammenschlüsse sollten sich hüten, irgendeine Wahlempfehlung zum Besten zu geben. Denn die öffentliche Meinung zum Thema Jagd ist sensibel genug.

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Nach einem Jahr gibt der neue Leiter des Hegerings Wedemark, Henrik Bardeck, seinen ersten Bericht.

Quelle: Kallenbach
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