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Ein Großteil des Essens kam aus dem Garten

Wedemark Ein Großteil des Essens kam aus dem Garten

Geburtstagstorte, ein Gläschen für Gäste und Mitarbeiter, Geburtstagslied und Rollstuhl-Tanz: Das Kinder-Pflegeheim Mellendorf feierte mit seinem Sommerfest am Sonnabend auch seinen runden 70. Geburtstag am Zedernweg.

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Die ganze „Familie“ im Kinderpflegeheim Mellendorf mit Bewohnern und Betreuern versammelt sich zur Geburtstagsfeier.

Quelle: Kallenbach

Mellendorf. Wer wissen wollte, was sich geändert hat in den 70 Jahren bis heute, musste bei der Eröffnung des Festes nur zuhören und auf Erinnerungsreise gehen mit den beiden Geschäftsführerinnen. Denn Gaby Schweer und Wiebke von Badewitz haben schon ihre Kindheit in und an diesem Heim verlebt – es ist ihr Zuhause. Als kleine Mädchen sahen sie den Kinderbetreuerinnen beim Wickeln und Fläschchen geben zu, sie spielten gern mit den Kindern und machten Ausflüge. „Vor 30 Jahren hieß mein erster Berufswunsch übrigens Kindertrockenlegerin“, berichtete von Badewitz, die 2013 mit in die Geschäftsführung einstieg. Seit 2011 ist Gaby Schweer, immer noch mit Unterstützung von Mutter Barbara Viehmeyer, in der Geschäftsleitung tätig. Auch sie ist mit vielen der Bewohner, die jetzt als Erwachsene in dem Pflegeheim leben, groß geworden.

Mutter Barbara war selbst eine adoptierte Tochter der ehemaligen Heimgründerin Helene Töhte. Aus Rinteln, wo diese beherzte Frau ab 1947 eine kleine Unterkunft für Waisenkinder führte, siedelte sie samt Mobiliar und 15 Schützlingen 1952 in die Villa „Parkhaus“ in Mellendorf um. Die alte Fabrikantenvilla, die zuvor als Altersheim genutzt wurde, bot für damalige Anforderungen genügend Platz. Doch von heutigen Verhältnissen war die Arbeit für die Pflegekinder in der „Villa“ damals weit entfernt, wie Gaby Schweer schilderte.

„Helenes Partner Wilhelm Thieme musste den Kindern warmes Wasser auf die Zimmer bringen, erst 1967 wurde eine Koksheizung eingebaut“, erzählte sie. „Das war nur möglich, weil Wilhelm seine Rente mit in die Finanzierung des Kinderheims einbrachte. Den Kohlenkeller gibt es übrigens noch.“ In den folgenden Jahren wuchs die Heim-„Familie“ auf bis zu 50 Kinder. „Ein Großteil des Essens für alle wurde bis 1965 im eigenen Gemüsegarten zur Selbstversorgung angebaut. Hinter dem Haus gab es sogar einen Schweinestall“, erinnerten sich die Schwestern bei der Feier. An der Stelle des jetzigen Wohnhauses habe der Kartoffelacker gelegen.

Eine entscheidende Weichenstellung in die Zukunft des Heims erfolgt 1971: Die Heimleiterin Helene Töhte entscheidet sich, Kinder mit geistigen und körperlichen Behinderungen zu betreuen. Die Nachfolge tritt 1980 die Mutter von Gaby Schweer und Wiebke von Badewitz an, Vater Hans-Georg Viehmeyer unterstützt sie; bei der gestellten Weiche bleibt es. Es folgen Jahre ständiger Modernisierungen bei geringen finanziellen Mitteln.

2003 steigt auch Hans-Georg Viehmeyer Vollzeit ins Kinder-Pflegeheim Mellendorf ein. Das letzte Projekt vor dem wohlverdienten Ruhestand des Ehepaars: der rund eine Million Euro teure Anbau mit Gründung des Erwachsenenbereichs und der eigenen Tagesförderstätte. Bevor der Bau 2014 fertiggestellt wird, verstirbt Viehmeyer. „Das letzte Projekt wurde so zu unserem Projekt“, betonten die Schwestern.

Heute erleichtern zahlreiche technische Hilfsgeräte den betreuten schwerst behinderten Kindern wie den Pflegekräften den Alltag. Für die 36 Bewohner vom Kind bis zum Erwachsenen sind aktuell etwa 50 hauptberufliche Mitarbeiter im Einsatz. Mehr als 20 ehrenamtliche Helfer – die „Zeitschenker“ – verbringen in der Einrichtung Zeit mit den Bewohnern und fahren sie auch spazieren im Ort. Dringend vonnöten sind im Heim, so die Geschäftsführerinnen, weitere ausgebildete Krankenschwestern.

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