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Spielstraße bleibt geschützter Bereich

Bissendorf-West Spielstraße bleibt geschützter Bereich

Mit einem Kompromiss zur Verkehrsführung im Bissendorfer Westen ist der Ortsrat Bissendorf auf protestierende Eltern eingegangen. Diese hatten im Vorfeld der Sitzung vor dem Bürgerhaus eine eindrucksvolle Demonstration organisiert.

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Per Mikrofon dürfen die Kinder selbst sagen, dass sie ihre Spielstraße, den Dieter Mysagades-Weg in Bissendorf-West, nicht als Durchgangsstraße wollen.

Quelle: Roman Rose

Wedemark. Im Zentrum der Diskussion stand ursprünglich die Planung des neuen Baugebietes Diersrahe am Westrand von Bissendorf. Mit diesen Plänen war allerdings bisher die Absicht verbunden, dass die Spielstraße Dieter-Mysegades-Weg im benachbarten Ex-Neubaugebiet Bissendorf-West zu einer Durchgangsstraße wird. Das hatte zahlreiche Eltern auf die Barrikaden gebracht in den vergangenen Wochen und zu Protesten und vielen Gesprächen mit Politikern und nicht zuletzt mit Ortsbürgermeisterin Susanne Brakelmann geführt. Die Eltern wollen, dass die Spielstraße keine Durchgangsstraße wird, Brakelmann will, dass beide Baugebiete zusammenwachsen und nicht verkehrstechnisch isoliert werden.

Der Kompromiss, den der Ortsrat schließlich als Empfehlung in den Fachausschuss und an den Rat gibt, sieht nun einen Zwei-Stufen-Plan vor: Während der Bauzeit im Gebiet Diersrahe wird Bissendorf-West vor Baustellenverkehr geschützt, indem der Ursula-Greve-Weg etwa in Höhe der Kurve gesperrt wird. Das kann einige Jahre lang der Fall sein - nach Angaben der Verwaltung etwa so lange, bis etwa 90 bis 95 Prozent der Neubauten stehen. Wenn diese Sperrung dann im Zuge des Straßenausbaus wieder geöffnet wird, wird stattdessen der Dieter-Mysegades-Weg in Höhe des Penny-Marktes gesperrt.

Damit wird die Spielstraße von Norden wie Süden zur Sackgasse. Es hat allerdings auch zur Folge, dass dann Bissendorf-West von der Scherenbosteler Straße aus in weiten Teilen nicht mehr über den Dieter-Mysegades-Weg erreicht werden kann, sondern nur über die Nord-Süd-Haupterschließungsstraße des neuen Baugebietes Diersrahe. Brakelmann betonte, dass diese Lösung sowohl den rund 70 Kindern in Bissendorf-West nutze, als auch die von ihr dringend gewünschte Verbindung zwischen den Gebieten sicherstelle. „Meine Frage war immer: Wie bekomme ich das neue Baugebiet Diersrahe ins Dorf?“

Die neue Nord-Süd-Achse durch das Gebiet Diersrahe, die bis zum Gewerbegebiet Langer Acker durchgeht, müsse allerdings entsprechend leistungsfähig ausgestattet werden, betonte sie: beidseitige Fuß- und Radwege mit ausreichend Abstand zur Straße seien Pflicht. Dass die Neubürger dann auch mit dem Verkehr aus Bissendorf-West belastet würden, müsse jeder bei einer Kaufentscheidung berücksichtigen. "Wer dort hinzieht, kennt die Situation", sagte sie im Ortsrat. Gleichwohl werde es im Umfeld der zahlreichen Mehrfamilienhäuser in Diersrahe genügend geschützte Flächen auch für Kinder geben.

SPD-Ortsratsherr Reiner Fischer stellte in einer persönlichen Erklärung fest, dass er seine bisherige, eineinhalb Jahre lang vertretene Haltung aufgebe und dem Kompromiss zustimme, weil er nicht gegen die Bürger handeln wolle. Die SPD hatte bisher gegen eine Verbindung der Baugebiete über den Ursula-Greve-Weg votiert.

Auch FDP für Sperrungen

Weil FDP-Ortsratsmitglied Andrea Giese aus beruflichen Gründen nicht an der Sitzung teilnehmen konnte, schickte sie vorab eine Pressemitteilung zur Haltung der FDP an die Redaktionen. Man sei nach intensiven Gesprächen zu dem Schluss gekommen, dass es im Hinblick auf die Sicherheit der dort aktuell wohnenden Kinder tatsächlich von hoher Bedeutung sei, dass die Verbindung zwischen „Diersrahe“ und „Bissendorf-West“ im Verlauf des Ursula-Greve-Weges durch Poller geschlossen werde. Zugelassen werden sollte dort Fuß- und Radverkehr. Die FDP plädiere dafür, das zu gegebener Zeit, wenn die aktuell dort wohnenden Kinder alt genug seien (etwa 15 Jahre), eine Öffnung – so wie sie im jetzigen städtebaulichen Entwurf vorgesehen ist – erneut geprüft wird – vor allem vor dem Hintergrund, dass der Verkehrsfluss in das Wohngebiet Bissendorf-West auch aus südlicher Richtung ohne Umwege ermöglicht wird.

Eltern ziehen alle Register

Für ihr Anliegen, die Spielstraße Dieter-Mysegades-Weg von starkem Verkehr freizuhalten, hat die Interessengemeinschaft kinderfreundliches Bissendorf-West am Montagabend vor dem Bürgerhaus alle Register gezogen: Unter dem Motto, die „Spielstraße zum Ortsrat“ zu bringen, hatte sie rund 50 Menschen auf die Beine gebracht, Rat und Ortsrat eingeladen, mit Straßenkreide zusammen mit ihren Kindern eine Spielstraße vor dem Bürgerhaus aufgemalt, Plakate und einen Flyer hergestellt, einen Stehtisch für die Moderatoren der Aktion aufgestellt, ein Mikrofon und Lautsprecher organisiert sowie einen Crêpes-Stand zur Stärkung.

Personell hatten sie sich der Unterstützung des Kinderhilfswerks Deutschland versichert, vertreten durch die Wedemärkerin Christiane Freude von Unicef, die eine Stellungnahme des Geschäftsführers Holger Hofmann verlas. Nachdem die Eltern schon vor einigen Tagen mit Editha Lorberg die Wedemärker CDU-Chefin, Ratsherrin und Landtagsabgeordnete für sich gewonnen hatten, gelang ihnen dies auch mit Caren Marks, die nicht nur die Wedemärker SPD führt, sondern ebenfalls im Rat und darüber hinaus im Bundestag sitzt. Sie ließ sich aus Termingründen von Ratskollegin Rebekka Schamber mit einer Stellungnahme im Sinne der Eltern vertreten.

Des Weiteren sprach Klaus Makowka von der Bürgerinitiative Westerfeldweg, die sich seit Langem für die Entlastung des Westerfeldwegs stark macht. Er kündigte an, dass sich die IG Bissendorf-West, die BI Pinkvosshof und die BI Westerfeldweg gemeinsam in die Beratungen zum Verkehrskonzept für die ganze Wedemark einbringen werden, die derzeit anstehen. Er betonte, er spreche auch als Mitglied des Behindertenbeirats.

Nicht zuletzt boten die Veranstalter mit Svantje Jensen und Jessica Lüttke zwei Jugendliche auf, die sich selbst Jugendbeirat nennen und künftig mit weiteren Altersgenossen in der Gemeinde mitsprechen wollen. Offiziell gehören sie keinem Gremium an, da alle bisherigen Versuche der Gemeinde, ein Jugendparlament zu installieren, scheiterten. Aber sie wollen die Stimmen der jungen Menschen bündeln und nutzten die Bühne für eine ihrer ersten Aktionen mit einigen Sätzen im Sinne der Veranstalter.

Diese zeigten sich zufrieden, aber auch erschöpft. Offenbar erst zwei Tage vor Kundgebung und Ortsratssitzung war der Kompromiss gefunden worden. Ansgar Seibt, der die Aktion am Montag zusammen mit Jens Döring moderierte, bekannte: „Die letzten vier bis fünf Wochen waren heftig. Wir standen unter Zugzwang.“

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