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Minister Meyer (Grüne) plädiert für Versöhnung

Wedemark Minister Meyer (Grüne) plädiert für Versöhnung

Für eine Versöhnung von Landwirtschaft und Verbrauchern, eine „weiche Landwirtschaftswende“ tritt der niedersächsische Grünen-Landwirtschaftsminister Christian Meyer ein. In der landwirtschaftlich geprägten Gemeinde Wedemark nagelten fachkundige Zuhörer ihn jetzt auf harte Fakten fest.

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Das Frage-und-Antwort-Spiel mit Christian Meyer (rechts) und Landwirt Dirk Grahn (links) moderiert Henning Krause, Vorsitzender des Grünen-Regionsverbandes Hannover und Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Landwirtschaft und Ländlicher Raum der Grünen.

Quelle: Kallenbach

Bissendorf. Gülleüberschuss, multiresistente Keime, Massentierhaltung, Reserveantibiotika, Nitrat im Grundwasser, Glyphosat und Monsanto, Ackerrandstreifen, Rückgang der Artenvielfalt – es fehlte in dieser öffentlichen Diskussion kein Stichwort, das nicht laufend Landwirten, Verbrauchern, Natur- Arten- und Klimaschützern den Puls hochtreibt. Die etwa 50 Besucher kamen auf Einladung der Wedemärker Grünen ins Bürgerhaus in Bissendorf, und sie kamen mit höchst sachkundigen Fragen.

Die wohl kleinsten Wesen in Ställen, Mist oder Hühnerfrischfleisch navigierten gewissermaßen thematisch durch den Abend: Was tun gegen zu viele resistente Keime, die mit industrieller Tierhaltung einhergehen und letztlich in einem Kreislauf dem Menschen hochgefährlich werden? 15.000 Tote bundesweit seien jährlich zu beklagen, bestätigte Meyer, weil selbst die Reserveantibiotika nichts mehr nützten. Diese sollten in der Therapie eigentlich der Humanmedizin vorbehalten sein, werden aber nachweislich in der Tierproduktion eingesetzt, abgegeben von Tierärzten.

Die genau nachfragenden Zuhörer nahmen mit, dass der niedersächsische Landwirtschaftsminister die nächste Bundesregierung auffordert, die Reserveantibiotika für Menschen aus dem Abgabeprogramm der Tierärzte herauszunehmen. Dieses so genannte Dispensierrecht stelle er deutlich infrage, „aber damit stehe ich ziemlich alleine.“ In Niedersachsen sei in zweieinhalb Jahren eine Halbierung des Antibiotikaeinsatzes erreicht worden. „21.000 tierhaltende Betriebe in Niedersachsen müssen die Behandlung von Tieren melden“, berichtete der Minister. Dazu seien ein Beratungsforum für Tierhalter sowie beim Landesamt für Verbraucherschutz neue Stellen geschaffen worden.

Die Stallbauten der großen Tierproduktion quasi hermetisch zu schließen, ist ein bislang weithin verfolgtes Konzept, wiewohl auch Hühnermobile inzwischen den Legehennen Auslauf und damit mehr Gesundheit bieten. Er sei nicht dafür, Ställe zu schließen, um Tiere möglichst keimfrei zu halten, stellte Meyer fest. Dagegen will sein Haus die Tierhaltung in der Landwirtschaft mit den Landwirten über Anreizsysteme weiter umbauen. „Viele Landwirte sind bereit, mehr für den Tierschutz zu tun, Tieren mehr Platz zu geben“, betonte er. Die große Mehrheit der Landwirte müsse mehr Geld erhalten, nicht die großen Konzerne. Erfolg habe eines der Anreizsysteme schon bei der Geflügelproduktion gezeigt: „19 Millionen Legehennen haben jetzt seit einem Jahr den Schnabel dran – es geht“.

Als grüner Minister plädiere er für mehr Zuwachs an ökologischen Flächen (2016: 20 Prozent). „Ich möchte, was wir heimisch erzeugen können, hier erzeugen“, betonte Meyer. Stattdessen komme noch viel Obst und Gemüse als Import herein, so ein Drittel der Bio-Kartoffeln aus Ägypten. Damit höhere Qualität aus besserer Tierhaltung auch ersichtlich ist für die Verbraucher, forderte der niedersächsische Minister eine verpflichtende Etikettierung wie bei Eiern auch für Milch und Fleisch sowie die entsprechende Kennzeichnung verwendeter Eier in verarbeiteten Produkten.

Dass Monsanto und die Gefahren von Unkrautvernichter Glyphosat nicht nur ein Thema im politischen Berlin sind, zeigten ebenfalls die Nachfragen der Zuhörer. Meyer musste dennoch auf Berlin zurückverweisen. „Ich bin dafür, über das Kartellrecht eine Fusion von Monsanto und Bayer zu verhindern. Aber die Bundesregierung tut nichts. Es kann doch nicht sein, dass ein Welt-Gigant entsteht, der die Landwirtschaft bestimmt.“

Wie Öko- und konventionelle Landwirtschaft in der Praxis funktionieren, steuerte im Podium Dirk Grahn bei, der sich als Landwirt mit 100 Hektar in Garbsen auswies, zur Hälfte biologisch, zur anderen konventionell, mit zweitem Standbein Energiewirt. „Einer muss es vormachen, dann kommen die anderen hinterher“, sagte er.

Mit dem Ackerrandstreifenprogramm des Ministers sei Niedersachsen Vorreiter. „Wir haben jetzt eine riesengroße Anzahl Rebhühner, die vorher nie zu sehen waren.“ Ihn mache es froh, „dass so viele Leute diese Fragen hier diskutieren“, bilanzierte der 52-Jährige, zudem Grünen-Orts- und Stadtratspolitiker in Garbsen. Im Wahlbezirk Garbsen-Wedemark bemüht er sich bei der Landtagswahl um ein Direktmandat.

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Knapp 50 Zuhörer stellen zahlreiche fachkundige Fragen.

Quelle: Kallenbach
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