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Affenhalter droht Verbot

Resse Affenhalter droht Verbot

Ein Wedemärker hält Schimpansen seit Jahrzehnten in einem neun Quadratmeter großen Verschlag. Nun will das Veterinäramt der Region einschreiten - nachdem Tierschützer im Internet gegen dem Mann vorgegangen waren. Der 80-Jährige sieht sich dagegen als Tierretter.

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Georg Marwitz aus Resse will seine Schimpansen Mimi und Dolly behalten. Er sagt, sie seien mittlerweile alt und deshalb "schon ruhiger" geworden.

Quelle: Rose

Wedemark. „Affenschande in der Wedemark“ – unter dieser Überschrift hatte am Mittwoch die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland eine Mail verbreitet, in der sie die Haltungsbedingungen der Tiere Mimi und Dolly anprangert. Sie würden seit Jahrzehnten in einem etwa neun Quadratmeter großen Verschlag gehalten und könnten noch einen etwa 18 Quadratmeter großen Außenkäfig nutzen.

Bis Mai 2014 habe die Mindestgröße für Schimpansenhaltung 50 Quadratmeter betragen, mittlerweile seien es sogar 400, heißt es weiter. Um Druck zu machen, ruft PETA im Internet auf, sich an einer Petition zu beteiligen und zeigt Bilder der Tiere. Am Donnerstagnachmittag wies die PETA-Statistik als Erfolg aus, dass schon mehr als 7000 Protestmails von Privatleuten verschickt worden seien.

Jahrelang hätten die Amtsveterinäre beide Augen zugedrückt, werfen PETA und der Tier- und Artenschutzverein animal public dem Veterinäramt der Region vor. Die Organisationen fordern, dass die Tiere in die Auffangstation AAP in den Niederlanden gegeben werden. Die Region weist den Vorwurf der Untätigkeit oder Duldung zurück. Ziel sei immer gewesen, die Haltungsbedingungen zu verbessern, sagte Nils Meyer, Pressesprecher der Region. Bereits 1989 habe das Veterinäramt dies tun wollen, sei aber seinerzeit vor Gericht gescheitert. Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg habe dem Halter damals Bestandsschutz gewährt. Nachdem PETA 2012 erneut auf Missstände hinwies, habe man sich über das Urteil hinweggesetzt und im Januar 2013 eine Verfügung erlassen, unter anderem das Gehege auf 50 Quadratmeter zu vergrößern. Dies sei nicht geschehen, der Halter habe mittlerweile auch einen rechtskräftigen Bußgeldbescheid über 1000 Euro erhalten.

Meyer nannte eine Panne bei der Erneuerung des Tierschutzgesetzes im vergangenen Jahr als Ursache, dass die Region die Tiere nicht schon längst entzog. Diese Möglichkeit sei im neuen Gesetzestext nicht mehr enthalten gewesen, der Fehler erst jüngst erkannt worden. Als Konsequenz habe das Veterinäramt umgehend ein Verwaltungsverfahren in Gang gebracht, um dem Wedemärker die Affenhaltung zu verbieten. Die Anhörungsfrist laufe, noch im September sei mit einer Entscheidung zu rechnen. Geprüft werde, was dem Wohl der Tiere am besten diene. Angesichts der langen Zeit, die die Schimpansen schon bei ihrem Halter seien, spiele aber auch die soziale Bindung eine Rolle. Der Wedemärker ist nach den Worten von Meyer der einzige im Umland von Hannover, der Affen hält.

Affen in der Wedemark

Affenhalter: "Sie sind anhänglich wie Kinder"

Georg Marwitz (80) ist aufgebracht: „40 Jahre lang war alles ok und seit drei Jahren ist Theater!“ Er vermutet Rache, weil die Region ein Verfahren gegen ihn verlor. Dass PETA im Internet schreibt, er habe „Deutschlands schlimmste Schimpansenhaltung“, macht ihn fassungslos.

Die Schimpansen Mimi und Dolly hat er nach eigenen Worten vor mehr als 40 Jahren in schlechtem Zustand von einem Zirkus geholt. Der wollte sie loswerden, weil sie in der Pubertät nicht mehr zum Herumkommandieren taugten. Der Tierarzt wollte sie einschläfern, er rettete ihnen das Leben, päppelte sie hoch. Sie bekommen frisches Obst, Gemüse, Vitaminpillen, Brötchen, täglich wird ihr Gehege gereinigt, sagt er. „Sie sind anhänglich wie Kinder.“ Ein Veterinär habe ihnen Bestzustand bescheinigt.

Die Strafe wegen des zu kleinen Geheges stottert er nach eigenen Worten von einer kleinen Rente ab. Die Tiere will er nicht hergeben. „Die haben es nirgends besser als hier“, sagt er. Über die Jahre hatte er sogar drei Affen, 24 Aras, einen Geparden, Löwen, Python, Füchse, teils von Zoos, die keinen Platz hatten. Er lebt seinen Traum – eigentlich wollte er vor 60 Jahren mal nach Afrika auswandern.

Von Roman Rose

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47 Jahre lang hielt Georg Marwitz in seiner Wedemärker Gärtnerei zwei Schimpansen. Jetzt muss er sie abgeben, weil er ihnen kein Gehege bieten kann, das vorschriftsgemäß wäre. Wie Mimi und Dolly das finden? Leider kann niemand sie fragen.

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