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Moorgeest: Landwirte unzufrieden mit Wertermittlung

Moorgeest: Landwirte unzufrieden mit Wertermittlung

Mehr als 100 Grundeigentümer sind zur Anhörung im Flurbereinigungsverfahren Hannoversche Moorgeest erschienen. Sie erhielten eine komplizierte Wertermittlung ihrer Grundstücke im Behördendeutsch. Die Landwirte protestierten.

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Das Moorgeest-Projekt wird von Bund, Land und Region gefördert. Derzeit läuft das komplizierte Flurbereinigungsverfahren, mit dem die Renaturierung vorbereitet werden soll.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Wedemark. Aus Protest über das Vorgehen der Behörden hat der Vorstandsvorsitzende der Teilnehmergemeinschaft, Heinrich Nädler, sein Amt niedergelegt. „Wir können doch kein Chinesisch“, wehrte Nädler beim Anhörungstermin in Resse das ab, was er und andere landwirtschaftliche Flächeneigentümer in diesem Flurbereinigungsverfahren als Zumutung empfanden. Es bereitet die Renaturierung der vier Moore vor, indem Flächen dafür angekauft sowie im Tausch- oder sogenannten Gestattungsverfahren gesichert werden sollen. Nädler kritisierte die fehlende Transparenz. Bei den jetzt öffentlich vorgelegten Fachgutachten der Ämter, so Nädler, könne kein Besitzer von Waldboden und Holzbestand in den Mooren erkennen, wie die Preise entstanden seien. Der Kritik des Vorsitzenden schlossen sich weitere Landwirte in der Versammlung an. Am Ende standen sie in nicht unerheblicher Anzahl auf und ließen ihre Namen notieren, weil sie Einwände erheben.

Nicht zum ersten Mal im Laufe des Verfahrens um die geplante Renaturierung der Hannoverschen Moorgeest hatten die Landwirte zuvor die Worte „Enteignung“, „Geheimniskrämerei“ und „Raubrittertum“ böse in den Raum geworfen. Sie seien überfahren worden, schimpften sie.

Ebenso heftig verwahrte sich der Leiter des öffentlichen Flurbereinigungsverfahrens, Karl-Ludwig Schulz, gegen die Anwürfe. Der Vorstand der Teilnehmergemeinschaft - sie vertritt insgesamt etwa 900 Eigentümer von Flächen in den vier Hochmooren - sei vielfach einbezogen worden, habe intensiven Kontakt zu den Fachleuten gehabt. Das gutachterliche Verfahren sei immer wieder vorgestellt und Einwände seien schon eingearbeitet worden. „Die Eigentümer hätten sich jederzeit auch selbst kümmern können. Es gab Termine, wo die Fachleute in der Landwirtschaftskammer erreichbar waren“, hielt Schulz dagegen. Und vor allem: Niemand werde gezwungen zu verkaufen.

Die nun vorgebrachten Einwände der Betroffenen würden in den nächsten Tagen geprüft. „Wir wollen die Feststellung des Wertermittlungsverfahrens noch in diesem Jahr, spätestens im Januar 2016 herausgeben.“ Dann haben die Beteiligten einen Monat Zeit für einen Widerspruch in diesem Verwaltungsverfahren. Sprich, die Grundbesitzer können entscheiden, ob sie verkaufen wollen oder nicht.

Keine rechtsstaatliche Wertermittlung jedenfalls, so hielt es Nädler in seiner Funktion fest, sodass er keine Verantwortung für das Verfahren mehr übernehmen könne. Er legte den Vorsitz nieder.

von Ursula Kallenbach

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