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Neue Heimat nur auf Zeit?

Wedemark Neue Heimat nur auf Zeit?

Ein junger Asylbewerber aus Afghanistan hat nach fünf Monaten Flucht mit seiner Familie eine Heimat in Abbensen gefunden - allerdings nur vorläufig. Sein Termin für die Abschiebung im August steht. Der Interkulturelle Treff Wedemark setzt sich für ihn ein und bittet Wedemärker um Unterschriften.

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Dorothea Diekmann setzt vieles in Bewegung, damit der betreute Flüchtling bleiben kann.

Quelle: Ursula Kallenbach

Wedemark. Über eine Petition an den Petitionsausschuss des Niedersächsischen Landtags will der Interkulturelle Treff (IKT) quasi in letzter Minute noch erreichen, dass der 25-jährige Mohammad S. (Name geändert) nicht abgeschoben wird. Die Familie wohnt mit acht Angehörigen in einem von der Gemeinde bereitgestellten Einfamilienhaus in Abbensen. Sie wird von den Ehrenamtlichen des Treffs betreut, auch Ortsbewohner kümmern sich.

Die von der Region Hannover verfügte Rücküberstellung sei rechtlich nicht zu beanstanden, räumen die Sprecher des IKT ein. Der Asylbewerber müsse nach einem Beschluss des Verwaltungsgerichts Hannover nach Ungarn abgeschoben werden, das Land seines ersten Asylgesuchs. Als Termin ist der 24. August vorgesehen. Der IKT führt dagegen humanitäre Gründe an und setzt sich für ein Bleiberecht des Flüchtlings in Deutschland ein. Seine Abschiebung solle aufgehoben werden. Von seiner Familie würde der junge Mann bei einer Rückführung getrennt. Unterschiedliche Wege der Flucht haben zu unterschiedlichen Asyl- und Bleiberechtsregelungen in der Familie geführt.

In Mellendorf, Bissendorf und Elze haben die Ehrenamtlichen des IKT in mehreren Geschäften die Petition und Unterschriftenlisten dazu ausgelegt; Wedemärker können bis zum 15. Juli ihre Unterschrift hinzusetzen. In Abbensen liegt die Liste im Kindergarten und im Sportverein aus. Noch vor der politischen Sommerpause soll die Petition eingereicht werden.

„Diese Familie hat schon viele Freunde hier, die Dorfgemeinschaft hat sie gern aufgenommen“, betont Dorothea Diekmann. Sie ist Ansprechpartnerin für Flüchtlingsprobleme im Interkulturellen Treff. Dort hat der betreute Asylbewerber ein Jahr lang den Deutschkurs besucht, in Helstorf ist er aktiv im Sportverein. Während des Gesprächs Dienstagmorgen musste Mohammad eigentlich schon auf der Fahrt zu einem der beiden Integrationskurse bei der VHS in Hannover sein, die er im Anschluss an die ersten Deutschstunden in der Wedemark seit drei Monaten belegt. Bei den VHS-Kursen, die öffentlich gefördert werden, bereitet er sich auf Büro- und Dienstleistungstätigkeiten vor.

Der Interkulturelle Treff hat in den vergangenen Jahren fast 100 Flüchtlingen bei der Integration in der Wedemark geholfen. „Doch höchst selten haben wir so eine Bereitschaft zur Eingliederung bei einem Flüchtling angetroffen“, bescheinigt Ernst Pobloth, der Deutschunterricht gibt.

Für die Familie hatte bereits Anfang Dezember auch eine Anwältin in Hannover Asyl und Aufenthaltserlaubnis beantragt.

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