Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Kuh Emma hat Haakon schnell adoptiert

Wedemark Kuh Emma hat Haakon schnell adoptiert

Haakon ist neu auf der Wiese in Negenborn: ein kleiner Ochse der Rasse Herford Rind und schon ein großartiger Begleiter. Kinder und Jugendliche können ihn bürsten und führen - oder mit ihm schmusen. Viele Nutztiere sind im Wedemärker Institut für soziales Lernen mit Tieren als Helfer im Einsatz.

Voriger Artikel
Von Einem denkt strategisch
Nächster Artikel
Land unter im Norden Hannovers

Der junge Ochse Haakon ist der Neuzugang bei Ingrid Stephan.

Quelle: Ursula Kallenbach

Negenborn. Esel, Ziegen und Ponys hat Haakon auf den Wiesen des Instituts in Negenborn schon kennengelernt. Die erfahrene Jersey-Kuh Emma kümmert sich um den Youngster, der gerade mal 14 Monate alt ist – „nicht mehr ganz Kind, noch nicht ganz Lederjacke und Motorrad“, beschreibt ihn Ingrid Stephan ein wenig scherzhaft. Die Tierpädagogin hat das Institut mit Standorten in der Wedemark und in Lindwedel vor 20 Jahren gegründet, seit 15 Jahren bietet sie die Weiterbildung zur zertifizierten Fachkraft für tiergestützte Intervention an. Zehn Mitarbeiter – vier in Vollzeit angestellt – sind täglich dabei, Tiere, Wiesen und Ställe zu pflegen, die Vierbeiner auszubilden, zu trainieren und im Pferdehänger zu sonderpädagogischen Einrichtungen zu transportieren. Zur Arbeit eben.

Die 13 Jahre alte Emma, schottisches Hochlandrind, ist der mütterliche Typ. Sie strahlt Wärme, aber auch Mut und Wehrhaftigkeit aus. Man mag gern glauben, dass sich viele Klienten zu ihr hingezogen fühlen, wie Stephan berichtet. Dreimal in der Woche kommen vier- bis 16-jährige Kinder und Jugendliche aus einer Jugendhilfeeinrichtung im Heidekreis zu Besuch. Sie und viele andere Klienten spricht an, was die Tiere ausstrahlen, aber auch, was sie aus dem Lebenslauf ihres vierbeinigen Gegenübers erfahren. Dabei erzählen Kinder auch von sich.

Biografie-Arbeit nennt die Tierpädagogin diesen Schwerpunkt. Hündin Linda zum Beispiel hatte sieben Jahre Zwinger hinter sich, „und ist nun ein toller Hund“. Jugendliche wiederum haben oft Heimerfahrung; die Vergangenheit von Tier und Mensch liegt nicht weit voneinander. „Deshalb sind die Jugendlichen unheimlich einfühlend mit den Tieren, sie stellen Regeln auf und werden sehr fürsorglich“, verdeutlicht die Pädagogin die Rückkopplung. Die Kinder und Jugendlichen erfahren damit auch, dass ein Leben sich verändern und es wieder aufwärts gehen kann. „Unter den Tierschutztieren gibt es absolute Schätze“, weiß Stephan, die schon seit 25 Jahren Tiere als Helfer heranzieht. Die Artenvielfalt ist für Außenstehende ein Kuriosum in der Therapie, aber auch dieses Konzept hat sich bei der tiergestützten Intervention bewährt. „Es ist nicht so zufällig, dass ein Kind und ein Tier sich finden“, sagt Stephan. „Der Unterschied zwischen Tier und Mensch ist nur graduell.“

Die Tiere des Instituts sind seit kurzem vor allem im Bereich der Jugendhilfe in Kooperation mit dem Jugendhilfeträger JAZZ aus Soltau im Heidekreis tätig. Weitere Einsatzgebiete sind sonderpädagogische Einrichtungen wie das Landesbildungszentrum für Blinde, das Taubblindenzentrum, Cochlear Implant Centrum, Kinderheim Mellendorf sowie die Kinder- und Jugendpsychiatrie und das Aegidiushaus (Kinderklinik Hannover Auf der Bult).

Ein neues Berufsfeld etabliert sich international

Der Kongress im September, den das Wedemärker Institut für soziales Lernen mit Tieren, in Hannover veranstaltet, wird den Scheinwerfer auf ein innovatives Berufsfeld richten. Tiergestützte Interventionen mit Haus- und Nutztieren etablieren sich international als Praxisfeld von Pädagogik und Therapie. Auch Wissenschaftler untersuchen die Bedeutung tiergestützter Arbeit etwa für die Inklusion, Rehabilitation oder bei posttraumatischen Belastungsstörungen. Hunde, Kleintiere, Hühner, Rinder, Ponys und Pferde, Esel, Ziegen und Schafe sind im pädagogisch-therapeutischen Einsatz zu finden. In Wohngemeinschaften von auffällig gewordenen Jugendlichen haben „Präsenzhunde“ bereits – wissenschaftlich dokumentiert – gute Erfolge erzielt. Wie solche Arbeit finanziert wird, welche europäischen Standards einzuhalten oder erst noch zu formulieren sind, was das Tierschutzgesetz sagt, und welche rechtlichen Regelungen es beispielsweise zum Einsatz von Hunden gibt, sind weitere Themen, die in Vorträgen und Diskussionen erörtert werden.

Interessierte können sich zu dem Kongress im Kulturzentrum Raschplatzpavillon, Lister Meile 4, am Freitag, 16. September, und Sonnabend, 17. September, ab sofort anmelden. Kontakt und Informationen per E-Mail an info@lernen-mit-tieren.de, Telefon (05073) 923282.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6sn9k2dfml0goc42dfd
Auf dem Wertstoffhof landet nicht nur Müll

Fotostrecke Wedemark: Auf dem Wertstoffhof landet nicht nur Müll