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Ortlepps haben drei Schweine im Haus

Abbensen Ortlepps haben drei Schweine im Haus

Von jetzt auf gleich hat Immo Ortlepp drei kleine Wildschweine im Haus. Es ruckelt und quiekt in ihrem Käfig. Der Abbenser Jäger hat die Aufzucht der Waisen übernommen.

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Immo Ortlepp nimmt einen Frischling aus dem Käfig heraus.

Quelle: Ursula Kallenbach

Wedemark. Negenborner Jäger hatten eine schwer verletzte Bache direkt am Straßenrand an der Landesstraße 380 entdeckt, als sie Silvester in der Gemarkung zwischen der Siedlung Brelingen (bei Resse) und Negenborn unterwegs waren. Der Autofahrer, der das Wildschwein offensichtlich angefahren hatte, hatte sich entfernt, ohne die Polizei zu rufen, die den zuständigen Jagdpächter verständigt hätte. Die Jäger erlösten das Tier. Da sie aber dicke Zitzen bei dem Wildschwein bemerkten, machten sie sich auf die Suche nach den Frischlingen und wurden fündig. „Die drei wären binnen kürzester Zeit erfroren, oder der Fuchs hätte sie erwischt“, sagt Immo Ortlepp. Der Leiter des Jagd- und Hegekonvents, Berufsjäger und Jagdausbilder ist jetzt wieder Ziehvater und teilt fünf- bis sechsmal täglich warme Säuglingsmilch aus. Jagdhündin Birdy hat den Zuwachs adoptiert; sie bewacht die Behausung und leckt die Frischlinge sauber.

Sie sind heute zwölf Tage alt, jeder wiegt circa 800 bis 1000 Gramm. Mit sieben Tagen übernahm Ortlepp die gestressten und unterkühlten Minis. Der Versuch, sie am Leben zu erhalten, scheint geglückt. Dabei klappte die Fütterung mit dem Saugfläschchen zunächst nicht. Wenn der Ziehvater einen Frischling aus dem Käfig herausnahm, kam Panik bei den anderen beiden auf. „Man muss aber schnell Milch in die Frischlinge hineinbekommen“, erklärt Ortlepp. „Sonst werden sie zu schwach.“ So stellte er schließlich Milch im Napf mitten zwischen die Gruppe und stupste die Wildschweine mit dem Rüssel hinein - es funktionierte.

Die Nummern 15, 16 und 17 in der langjährigen Wildschweinaufzucht des Berufsjägers wachsen nun heran, erst noch im warmen Haus, später draußen in einem überdachten Zwinger mit Hütte. „Zu Beginn 1997 hatte ich gleich fünf Exemplare“, erzählt Ortlepp. Angenehm für ihn: Zwischen 22 Uhr und dem frühen Morgen schläft der Wildschweinnachwuchs wie auch in der Natur, denn Wildschweinmütter sind nachts unterwegs.

„Ein einzelner Frischling ist einfacher“, weiß Ortlepp, denn der erkenne den Menschen an. „Aber drei prägen sich in der Gruppe aufeinander. Ich bin nur Futtergeber. Da habe ich in ein paar Monaten keine Chance mehr dazwischenzukommen.“ Somit werde eine Einzelausbildung zur Fährtensau nicht möglich sein.

Lisbeth zum Beispiel war eine gut ausgebildete und bekannte Fährtensau. Sie hörte auf das „orchorch“ von Ortlepp und folgte. Auf den Menschen geprägt, lief sie an der Leine. „Eine Fährtensau kann in der Ausbildung mit mir vorausgehen. Sie legt eine Fährte, und Jagdhunde werden dann auf ihre Spur gesetzt“, erklärt der erfahrene Jäger und Ausbilder.

Die drei Frischlinge werden vielleicht mit drei bis vier Monaten aus Abbensen in einen Tierpark wechseln. Plan B: Sie werden mit einem halben bis einem dreiviertel Jahr zu Braten. Im Hinblick auch auf diesen realistischen Fall nennt Ortlepp das kleine Trio nun Kotelett, Filet und Frikadelle. „Das wird daraus. Die werden eben nicht so zahm werden wie einzelne Schweine.“

Von Ursula Kallenbach

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