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Pinus silvestris ist Tischlers Freund

Elze-Bennemühlen Pinus silvestris ist Tischlers Freund

Auf drei Lastzügen mit Anhängern haben 80 Festmeter Kiefernstämme den Weg aus der Landesforst im Wietzenbruch in die Wedemark genommen. Das Sägewerk schneidet die Stämme zu Bohlen, die Tischlerei trocknet sie, stellt Kanthölzer her, baut Fenster und Türen: Nachhaltigkeit fasst sich gut an und riecht wunderbar.

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Das fertige Fenster, hochwertig von Hand gefertigt: Jürgen Bombeck braucht für Qualität bestes Holz aus der Region.

Quelle: Ursula Kallenbach

Wedemark. Alle zwei Stunden muss Thomas Depke das Sägeblatt erneuern, während er die Kiefernstämme durch die Maschine laufen lässt. Ein Kran hatte die Stämme abgeladen und das mächtige Holz auf dem Außengelände des Sägewerks und Holzhandels in Elze gelagert. Wie viel Holz im Jahr ankommt, verarbeitet und gehandelt wird, hat der junge Chef noch nie gezählt. Der 37-Jährige hat das familiengeführte Unternehmen als Geschäftsführer übernommen und kennt alle anderen Inhaber der ebenfalls familiengeführten Betriebe in der Holzbranche vor Ort mit Vornamen. Das Holzgeschäft und Handwerk darin haben Tradition, die Mitarbeiter sind meist Einheimische. „Die Strukturen sind über Jahrhunderte gewachsen“, stellt Depke fest. Und: „Schon Jesus war Zimmermann.“

Deshalb funktioniert, was funktionieren muss: die Kette vom Forstamt Fuhrberg bis zur Tischlerei Bombeck nebenan. Es ist auch eine Energiesparkette, denn in dieser Produktion mit Holz bleibt Energie übrig.

Am laufenden Band wie bei den ganz großen Sägewerken schiebt die Maschine gar nichts durch. Am Steuerpult wacht Thomas Depke: „Man muss jeden einzelnen Baum lesen, was davon am besten passt für die Tischlerei.“ Für Spezialprodukte müsse der einheimische Rohstoff zusammengebracht werden mit der Produktion.

Die Rinde der Kiefer wird rundum abgeschält, zuerst schneidet die Säge mittig durch, weitere Schnitte werden für jeden Stamm einzeln zubemessen. Bohlen von 70 bis 90 Millimetern Stärke kommen heraus, je nach Stamm teilweise dünnere. Rinde und Späne fallen und duften.

Pinus silvestris ist Jürgen Bombecks Lieblingsholz: Für die Bautischlerei, also vor allem Fenster und Türen, verwendet der Tischlermeister in Bennemühlen die Nordische Kiefer. Seit 30 Jahren schon macht er einen großen Bogen um Tropenhölzer. „Die sind leichter zu bearbeiten, und Bauherren wollen sie gern nehmen. Aber die langsam gewachsene Nordische Kiefer bleibt formstabil“, weiß er. Im Auge des Tischlers ist Pinus silvestris Freund, dagegen die schneller wachsende Pinus radiata, die gern für den Möbelbau im Skandinavien-Look genommen wird, Feind des Fensterbaus. Für „Heimatfenster“, so nennt Bombeck sie liebevoll, verwendet er das zertifizierte härtere heimische Holz.

Handauflegen bei 70 Grad Hitze? Die Holzbohlen der letzten Lastzugfuhre haben gerade in der größten Trockenkammer des Wedemärker Betriebs ihre Feuchtigkeit abgedampft. Sie lassen sich sogar bei so hoher Temperatur gut anfassen. 40 Tage haben die Anlieferungen ab März jeweils in den Trockenräumen verbracht; die späteren sind schon auf dem Außengelände vorgetrocknet und benötigten zum Schluss nur noch zehn Tage in der Hitzekammer. Beheizt werden die Trockenkammern mit dem Rindenschnitt aus dem Sägewerk und den Bearbeitungsspänen aus der Tischlerei - nichts wird weggeworfen.

Der Betrieb verwendet außerdem nur Ökostrom. Ökologisch nachhaltig verhalten sich aber auch Bauherren und Renovierer, die sich für solche Bauelemente aus heimischem Holz entscheiden. „Ein PVC-Fenster braucht für die Herstellung die elffache Energie gegenüber einem Holzrahmenfenster, ein Metallfenster das 120-Fache der Herstellungsenergie“, verdeutlicht Bombeck.

Eine Tischlerei für die schwierigen Fälle sei Bombeck Bogentechnik mit neun Mitarbeitern, sagt der Eigentümer selbst. Wo Baudenkmalen Türen und Fenster auf den Leib geschnitten werden müssen, wo Halbrundes und Rundes den Spezialisten erfordern, fragen Architekten und Bauherren bei ihm nach. Schon vor 30 Jahren hat Bombeck die historisch angepassten Fenster im Amtshaus in Bissendorf eingebaut; mit der nun geplanten Sanierung wird er sie wieder überarbeiten.

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