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Steine aus Gailhof für ein Weltkulturerbe

Gailhof Steine aus Gailhof für ein Weltkulturerbe

Eine Ladung Raseneisenstein aus der Wedemark hilft, ein Bauwerk des Unesco-Weltkulturerbes im Wörlitzer Park zu rekonstruieren.

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Helge Zychlinski (von links), Ursula Schwertmann, Lars Schellhase und Jörg Lehmann buddeln Raseneisensteine aus einem dick überwucherten Haufen an einem Feldrand in Gailhof aus.

Quelle: Roman Rose

Wedemark. Für Wedemärker Landwirte ist es lästiges Beiwerk, dass sie gelegentlich hochpflügen und dann aus dem Acker schaffen müssen, für die anderen ist es ein wertvoller Baustoff für die Restauration eines Weltkulturerbes: Etwa zwei bis drei Kubikmeter Raseneisenstein aus der Gailhofer Feldmark werden helfen, eine historische Brücke im Wörlitzer Park zu sanieren.

Dass dieser früher auch in der Wedemark häufiger verwendete Baustoff – zum Beispiel im Fundament der Bissendorfer Kirche – nun zu diesen neuen Ehren kommt, ist einem Zufall zu verdanken. Annette Scholtka, Chefin für die Baudenkmalpflege bei der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, spazierte privat durch die Feldmark in Gailhof, als sie am Wegesrand Haufen mit Raseneisensteinen entdeckte. Sie braucht den Stein für die Rekonstruktion der Hohen Brücke im Wörlitzer Park, der zum Weltkulturerbe zählt. Das Bauwerk aus dem Jahr 1786 war während des Hochwassers 2013 stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Dank des von der Bundesrepublik und den Ländern aufgelegten Hochwasserhilfsfonds kann es nun restauriert werden. Vor allem die Verkleidung und so genannte Hornzacken auf der Brüstung sind aus Raseneisenstein gebaut.

Über die Wedemärker Umweltschutzbeauftragte Ursula Schwertmann bekam Scholtka Kontakt zu den Flächeneigentümern und man wurde sich einig. Die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz darf sich die benötigte Menge Raseneisenstein abholen. Dazu waren am Dienstag der von der Stiftung beauftragte freie Restaurator Lars Schellhase und Transportunternehmer Jörg Lehmann in Gailhof, um die Fundstellen in Augenschein zu nehmen.

„Früher wurde Raseneisenstein häufig verwendet, doch heute ist er rar geworden, deshalb sind wir froh, hier in der Wedemark für die Restaurierung der Brücke im Wörlitzer Park fündig geworden zu sein“, sagte Schellhase. Auch Bürgermeister Helge Zychlinski zeigte sich hochzufrieden. „Es ist schön, dass ein typischer Rohstoff der Wedemark Einzug in ein Weltkulturerbe hält.“

Die Wörlitzer Anlagen stellen den ersten englischen Landschaftsgarten auf dem europäischen Festland dar. Fürst Franz von Anhalt-Dessau ließ sie ab 1765 anlegen. Seit dem Jahr 2000 zählt der Landschaftsgarten zum Weltkulturerbe der Unesco. In ihm spielen die Wasserquerungen eine besondere Rolle. Immerhin 21 davon aus unterschiedlichen Materialien finden sich in den Wörlitzer Anlagen.

Eine besonders dominante Konstruktion ist die so genannte Hohe Brücke. Diese aus Felssteinen gewölbte Bogenbrücke wurde 1786 errichtet. Neben weiteren Arbeiten zur Stabilisierung sollen nun die Verkleidung des Bauwerks und die weithin sichtbaren Hornzacken auf dem Bogen restauriert werden. Für deren Rekonstruktion ist Raseneisenstein in großen Mengen erforderlich. Natürliche Lagerstätten sind in ganz Deutschland nicht mehr vorhanden, da die früheren Vorkommen oft erschöpft oder nicht mehr zugänglich sind.

Raseneisenstein entstand nach der letzten Eiszeit vor allem in Fluss-Auen, die von eisenhaltigem Grundwasser durchströmt wurden. Außer als Baustoff wurde er auch zur Eisengewinnung genutzt.

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Fotostrecke Wedemark: Steine aus Gailhof für ein Weltkulturerbe

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