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Kein Elektro-Schrott zum Üben von Entsorger aha

Wedemark Kein Elektro-Schrott zum Üben von Entsorger aha

Wahre Designerstücke sind die modernen Kaffeemaschinen heute: Es gibt viele Formen und Bauarten, und jedes Gehäuse ist anders zu öffnen. Wer welche sucht, um das Reparieren zu üben, läuft bei Abfallentsorger aha allerdings gegen eine Wand. Einen Deal zwischen Helfern des Repair Cafés Wedemark und dem Wertstoffhof Bissendorf zu Lernzwecken lehnte das Unternehmen ab.

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Wie Bernd Wilts greifen die meisten ehrenamtlichen "Schrauber" im Repair Café auf berufliches Fachwissen zurück.

Quelle: Kallenbach

Wedemark. Die Geräte um die es geht, sind Kaffeevollautomaten und Espressomaschinen der üblichen Hersteller, die vor allem kapselbestückt seit einiger Zeit einen Hype erleben. Gleichzeitig nimmt die Zahl der defekten Kaffeevollautomaten stark zu, wie das Repair Café bei seinen Reparaturtreffs in den Dörfern feststellt.

Doch die erfahrenen technischen Helfer stehen vor den Geräten oft wie vor dem berühmten Buch mit sieben Siegeln. „Das Öffnen der Gehäuse dieser Maschinen ist oft, wie bei vielen anderen Geräten, Küchenmaschinen, Staubsaugern, Nähmaschinen, nur möglich, wenn man die versteckten Schrauben und Laschen nach langer Suche endlich gefunden hat und weiß, wo gehebelt, geschoben und gezogen werden muss“, erläutert Initiator Bernd Wilts. „Beachtet man diese Tricks nicht, können schon vor der eigentlichen Reparatur weitere Schäden an den Geräten entstehen.“

An „toten Patienten" würden die Helfer daher gern üben, verdeutlicht der erfinderische Bissendorfer. „Der aha-Zweckverband ist neben den Herstellern selbst nach dem Elektrogesetz zur Abnahme dieser Geräte verpflichtet und wäre somit der ideale Partner für unsere "Pathologie": Wir bekommen eine große Auswahl an Geräten, wir lernen und üben ohne Haftungsrisiko bei zusätzlichen Schäden, und anschließend tragen wir alles wieder zurück zu aha zur Entsorgung.“ Der erwünschte Effekt für die Repair-Treffen: Die Helfer müssen weit weniger Zeit aufwenden, um die Gerätegehäuse überhaupt erst zu öffnen.

Gleichwohl: Von einem ebensolchen Ansinnen mit Smartphones hatte sich das Repair Café bei aha bereits nach ersten Überlegungen selbst verabschiedet. „Das unwiderrufliche Löschen der internen Speicher ist tatsächlich nicht trivial. Da sind Belange des Datenschutzes betroffen“, bestätigt Wilts, was Aha-Unternehmenssprecherin Helene Herich später ebenfalls als Ausschlussgrund anführt.

Aber die auf dem Bissendorfer Wertstoffhof weggeworfenen Kaffeemaschinen will die Abfallentsorgungsgesellschaft aha den ehrenamtlichen Schraubern des Repair Cafés zum Üben eben auch nicht überlassen. Die Entscheidung und Verkündung dieses Falles durchlief mehrere Stellen im Unternehmen.

Für die Weitergabe der Schrott-Kaffeemaschinen vom Wertstoffhof erweist sich das Elektro-Gesetz insgesamt als Hemmnis und darin besonders die Vorschrift, dass Geräte „erstbehandelt“ – von Schad- und Betriebsstoffen jeder Art befreit werden müssen, etwa von Kühlmitteln oder Altölen, und sie müssen zur Separierung von Wertstoffen vorbereitet werden, hat Wilts in mehreren Gesprächen mit aha-Fachleuten erfahren.

Es diene den Verbrauchern, dass die Schadstoffe nicht unkontrolliert „beseitigt" werden dürfen, stimmt Wilts zu. Nur in zertifizierten Anlagen dürfe diese Erstbehandlung erfolgen, unabhängig von tatsächlichen Belastungen, schreibt das Gesetz vor. „Also gilt diese Vorschrift auch für Kaffeeautomaten, deren einzige Betriebsstoffe Trinkwasser und Kaffee sind“, verdeutlicht der Repair-Experte mit einem Augenzwinkern - aber auch ratlos. Natürlich verfügt das Repair Café nicht über eine solche zertifizierte Anlage und kommt als legaler Partner insoweit für aha nicht infrage.

Als alternative Quellen für den Bedarf des Repair Cafés sieht Wilts nun gewöhnliche Schrottsammler, „möglicherweise auch Einzelhändler als zur Rücknahme verpflichtete Inverkehrbringer“, überlegt er, wiewohl mit Bedauern. „Die Vielfalt der Auswahl, die örtliche Konzentration und die leichte Zugänglichkeit auf dem Wertstoffhof ohne großen Organisationsaufwand wären für unsere Zwecke ideal“.

Entsorgung ist an Gesetze gebunden

Aus vielen Gründen ist die Sache nicht so einfach, wie sie erscheint. Helene Herich, Leiterin Unternehmenskommunikation beim Zweckverband Abfallwirtschaft Region Hannover (aha) begründet es von ihrer Warte aus nach einer Anfrage dieser Zeitung.

„Wir haben Verständnis für den Wunsch vieler Engagierter, Altgeräte oder beschädigte Geräte zu reparieren und somit wieder in den Kreislauf zu bringen. Leider kann diesem Wunsch nicht einfach entsprochen werden. Aha kann die gewünschten Elektrogeräte zur Reparatur für das Repair Café den Betreibern nicht überlassen. Denn dies ist gesetzlich nicht erlaubt. Aha ist letztendlich nur Betreiber und setzt die gesetzlichen Grundlagen um. Hierbei stützt sich aha nicht nur auf das Kreislaufwirtschaftsgesetz, sondern berücksichtigt insbesondere die rechtlichen Vorgaben der Erstbehandlung."

Der Hintergrund liegein einer deutlichen sowie sehr umfangreichen gesetzlichen Reglementierung der E-Schrott-Erfassung und Verwertung, argumentiert Herich weiter. Aha sei gemäß Elektro-Gesetz verpflichtet, haushaltübliche Geräte aus Privathaushaltungen anzunehmen. Paragraf 10 ff des Elektro-Gesetzes besage, dass die Erfassung der Altgeräte so zu erfolgen habe, dass eine spätere Demontage und das Recycling nicht behindert werden dürfe. Das wäre bei einem nachträglich auseinandergeschraubten Gerät der Fall, betont sie. Die "Erstbehandlung" dürfe ausdrücklich nur ein hierfür zertifiziertes Unternehmen durchführen. Aha würde bei einer Weitergabe von Elektrogeräten einer unerlaubten Erstbehandlung Vorschub leisten.

"Auch werden uns die Geräte von den Bürgern mit dem Hintergrund übergeben, dass sie anschließend einer ordnungsgemäßen Entsorgung zugeführt werden", sagt Herich weiter. Gerade im Hinblick auf Geräte mit einem möglichen datenschutz-sensiblen Hintergrund wie zum Beispiel Smartphones  verbiete sich eine Weitergabe an Dritte. "Das heißt, Bürger überlassen uns ihre Altgeräte und somit die Altgeräte als Abfall. Diese Überlassung garantiert dem Bürger, dass die Altgeräte einer vertrauenswürdigen und rechtskonformen Verwertung zugeführt werden. Auch dürfen wir generell die uns als Abfall übergebenen Dinge grundsätzlich nicht an unautorisierte Dritte abgeben, unabhängig davon, um was für einen Abfall es sich handelt, und für welchen Zweck er eventuell benötigt wird. Und dann stellt sich darüber hinaus noch die Haftungsfrage. Aha hat eine Garantenpflicht. Sollte etwas passieren, würde der Gesetzgeber prüfen, wer die Obliegenheitspflicht verletzt hat.“

Abschließend kommt die aha-Sprecherin zu einem Schluss, der die Repair-Helfer dann doch verwirrt. „Es gibt jedoch eine Lösung. Bürger können ihre Geräte direkt karitativen Einrichtungen zukommen lassen. Dagegen spricht nichts“, sagt sie.

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Im Repair Café Wedemark kommen mehr und mehr Nähmaschinen zur Reparatur an.

Quelle: Kallenbach
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