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Störche lassen sich an den Beinen "lesen"

Wedemark Störche lassen sich an den Beinen "lesen"

Was ist los in den Storchennestern? Das berichtet der Weißstorchbeauftragte der Region, Reinhard Löhmer, im zeitigen Frühjahr allen, die in den Wedemärker Dörfern darauf warten. Wie er das erkennen kann, hat er dieser Zeitung gesagt.

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Wedemark. Der Naturschützer weiß, welche Störche sich da hoch oben auf Schornsteinen und Dächern einfinden in Meitze, Brelingen und Negenborn. Sein Spektiv (Ein-Augen-Fernglas) vergrößert 40-fach. Also kann er Aufschriften der Beringung aus der Ferne ablesen. Allerdings: Er muss regelmäßig viele Stunden die Nester und die Wiesen in der Region Hannover abfahren, um die Störche in geeigneter Position zu erwischen. Entweder sie bereiten ihre Nester auf den Nachwuchs vor, oder sie sind auf Futtersuche unterwegs – und der Storchenbeauftragte klappert hinterher.

Auch Kämpfe um die Nester gibt es wie zuletzt in Brelingen auf dem Schornstein der historischen Kornbrennerei – und Löhmer kann zuverlässig Auskunft geben: Sind die beteiligten Adebars beringt oder nicht, und um welchen Zugvogel von der Westroute von Spanien oder der Ostroute über die Türkei handelt es sich? Alle Dorfbewohner warten hungrig auf Details zu „ihren“ Störchen.

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Fotostrecke Wedemark: Störche lassen sich an den Beinen "lesen"

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Der technische Fortschritt hat auch die Adebars aus der Vergangenheit auf den Stand der Moderne gebracht. „Der neue ELSA-Ring ist aus Plastik mit einer Teflon-Beschichtung, schwarzer Grund mit weißem Gravur“, beschreibt Löhmer. „Die Ringe sind so groß und so geprägt, dass man sie über Jahre ablesen kann.“

Wie schlecht die Lösung vorher aussah, will man kaum noch wissen. „Früher waren es Metallringe mit großer Prägung. Aber seit den 1980-er Jahren erkannte man große Probleme damit“, berichtet Löhmer. Die Störche koten auf ihre Unterschenkel mit einem Harn-Kot-Gemisch, das an dem Metall kristallisierte. „So entstanden zwischen Haut und Ring Verkrustungen und Ödeme.“

Der Alu-Ring wurde in Niedersachsen bis 1985 verwendet, mit dem schwarzen Plastikring (ELSA) wird in Niedersachsen seit 2003 beringt; die Vogelwarte verwenden ihn europaweit. Er gibt, vertikal weiß zweimal geprägt, den Code der jeweiligen Vogelwarte an, etwa NLA = Niederlande + Vogelwarte Arnheim. Die Vogelwarte Helgoland mit Sitz in Wilhelmshaven hat den Code:  DEW (DE = Deutschland, W = WHV). Die Vogelwarte Hiddensee hat den Code DEH, die Vogelwarte Radolfzell den Code DER. Die eigentliche Ringnummer des Einzelstorchs ist viermal vertikal geprägt. „Die Mehrfachprägungen unterstützen die Ablesung“, verdeutlicht der Storchenexperte. „Denn nicht immer sind alle diese Leisten unbekotet und gut lesbar.“  

Wie kommt der Ring an das Storchenbein?

Normalerweise werden die Jungen im Nest im Alter von etwa vier Wochen beringt. „Die Extremitäten müssen so weit entwickelt sein, dass die Ringe nicht über die Ferse zum Mittelfuß rutschen können“, erläutert Reinhard Löhmer. Andererseits dürften die Jungen nicht viel älter sein; sonst bestehe die Gefahr, dass sie bei Annäherung an das Nest abspringen. Jüngere Störche dagegen fallen in Schreckstarre und liegen flach im Nest. Ansonsten werden nach Unfällen auch erwachsene Störche in den Betreuungsstationen beringt, bevor sie in die Freiheit entlassen werden.

Der Weißstorchbeauftragte für die Region Hannover beringt nicht selbst, sondern liest in seinem Bearbeitungsgebiet (auch Kreis Nienburg) nur ab, das aber zu nahezu 100 Prozent. „Seine“ Brutstörche tragen in etwa zu
30 Prozent Ringe. Die Mehrzahl der Ringe tragenden Störche ist ortstreu, das heißt, sie sind im Umfeld von 50 Kilometern geboren. Es gibt aber auch Fernansiedler etwa aus Baden-Württemberg, dem Elsass, aus Tschechien, den Niederlanden oder Polen. In Niedersachsen werden nur etwa 50 Prozent der Jungstörche eines Jahrgangs beringt. Als wissenschaftliche Aufgabe übernehmen dies die Vogelwarte.

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