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Supermarkt wird behindertengerechter

Wedemark/Mellendorf Supermarkt wird behindertengerechter

Leisere oder gar keine Musikberieselung, breite Gänge, Plätze zum Ausruhen, größere Preisschilder oder Lupen zum Ausleihen - diese und einige weitere Wünsche an barrierefreie Warenhäuser hat Renate Löhr, die Vorsitzende des Behindertenbeirats der Wedemark. Beim Mellendorfer Famila-Marktleiter Jens Luxat fand sie jetzt offene Ohren. Er will im Zuge einer geplanten Modernisierung vieles umsetzen.

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Die Preisschilder sind meist zu klein für Sehbehinderte, moniert Renate Löhr, Vorsitzende des Behindertenbeirats.

Quelle: Roman Rose

Wedemark. Bei einem Ortstermin im Markt erkundete Löhr als Ertaubte mit implantierter Hörhilfe gemeinsam mit dem fast blinden Uwe Nautscher, wo sich für Menschen mit Handicap Hindernisse auftun. Ein Verkaufsständer für Brillen aus einem Gang verbannt - manchmal kann es so einfach sein, stellte Löhr fest. Dass es im Markt schon rollstuhlgerechte Einkaufswagen gibt, registrierte sie mit Freude, aber es war ihr neu - und ist anderen vielleicht auch nicht bekannt, mutmaßte sie.

Manche Anregung werde er zügig umsetzen, versprach Luxat. So werde er umgehend Lupen anschaffen, die an der Info bereitliegen, und einige Sitzgelegenheiten aufstellen. Die Musik sei schon leiser gedreht.

Luxat war es auch, der diesen Ortstermin angeregt hatte. Auslöser war ein Bericht in unserer Zeitung gewesen, in dem Löhr von einem schlechten Erlebnis in einem Supermarkt berichtet und Verbesserungen vorgeschlagen hatte. Diesen Artikel hatte eine Mitarbeiterin dem Marktleiter hingelegt, dieser rief dann kurzerhand bei Löhr an und lud sie ein. „Ich hab mich riesig gefreut“, sagte die Beiratsvorsitzende.

Bei der Breite der Gänge müsse er allerdings einen Spagat bewältigen, gab Luxat zu bedenken: Die Bewegungsfreiheit konkurriere mit der nutzbaren Fläche, um Umsatz zu machen. Auf Durchsagen werde er auch weiterhin verzichten - Löhr hatte darauf aufmerksam gemacht, dass Menschen mit Hörschädigung diese ohnehin nicht verstehen. Deshalb sollten auch Brandmelder nicht nur Lärm machen, sondern zusätzlich Lichtsignale geben, schlug sie vor.

Ihr Wunsch nach einer Induktionsschleife für Hörgeschädigte wie neuerdings im hannoverschen Kuppelsaal könnte sich in Mellendorf möglicherweise erfüllen. Da das Unternehmen die Modernisierung des 3000 Quadratmeter großen Marktes plane, könnte dies eventuell berücksichtigt werden, sagte Luxat. Größere Preisschilder seien ohnehin geplant. Sie wachsen von 2,5 auf vier Zentimeter Höhe. Auch der Infotresen werde niedriger.

Löhrs Liste mit Verbesserungsvorschlägen war indes noch länger: Für Rollstuhlfahrer müsse das Förderband an der Kasse niedriger sein, Kleinwüchsige könnten Waren ganz oben in Regalen nicht erreichen, viele Senioren auch die ganz unten nicht. Türen zu Behindertentoiletten sollten außen angeschlagen sein. Und wenn Behindertenparkplätze zusätzlich überdacht würden, müssten Behinderte beim Aus- und Einräumen ihres Rollstuhles nicht länger als nötig im Regen oder Schneeschauer zubringen - und die Hinweisschilder würden nicht zuschneien.

Ganz wichtig sei der Blickkontakt mit Verkäuferinnen an den Theken. Hörgeschädigte lesen vieles auch von den Lippen ab, gab sie zu bedenken. Besonders laut auf Menschen mit Hörschäden einzureden sei dagegen wenig sinnvoll. „Dann verstehe ich zum Beispiel gar nichts mehr. Ein Hörschaden ist etwas anderes als Schwerhörigkeit“, betonte sie.

Von Roman Rose

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