Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Syrer möchten ihrem todkranken Kind nahe sein

Mellendorf Syrer möchten ihrem todkranken Kind nahe sein

Auf ungewöhnlichem Weg ist ein todkranker und schwerst pflegebedürftiger kleiner syrischer Flüchtling ins Kinderpflegeheim in Mellendorf gelangt. Seine Eltern und fünf Geschwister wohnen noch in Rotenburg/Wümme, möchten aber gern in der Nähe des Jungen sein.

Voriger Artikel
Ortsbrandmeister freut sich über zwei Quereinsteiger
Nächster Artikel
Standortgegner hoffen auf die Region

Pflegeleiter Christian Stellhorn (links) und Pfleger Peter Mertin-Schilling kümmern sich um den siebenjährigen Mohammad.

Quelle: Roman Rose

Wedemark. Abgesehen davon, dass die Flüchtlingsfamilie ohnehin schon ein Päckchen zu tragen hat, hat die Geschichte des Kindes den Pflegeleiter im Kinderpflegeheim, Christian Stellhorn, besonders berührt. Er berichtet, dass Mohammad bis vor einem Jahr ein gesunder Junge war, der zur Schule ging. Auf der Flucht aus Syrien fielen dem Vater, selbst Arzt, erste motorische Störungen auf. In Kuwait erhielt er die niederschmetternde Diagnose: Adrenoleukodystrophie - eine Erbkrankheit auf dem X-Chromosom, die dazu führt, dass Nervenimpulse nicht mehr weitergeleitet werden.

Eine Knochenmarkspende, wie der Vater zunächst dachte, kann dem Jungen nicht mehr helfen, die Krankheit ist schon zu weit fortgeschritten. Mohammad ist heute an den Rollstuhl gefesselt, kann nicht mehr sprechen, wird über eine Magensonde ernährt, leidet nach den Worten von Stellhorn häufig unter Spastiken sowie hohem Fieber, das von Fehlschaltungen im Gehirn ausgelöst wird. Wie viel er von seiner Umgebung mitbekommt, ist ungewiss. Eine Perspektive hat er nicht. Seine Krankheit ist nicht heilbar. So wird der Siebenjährige im Kinderpflegeheim palliativ betreut, bekommt Pflege, zum Teil starke Medikamente und Zuwendung rund um die Uhr, dazu Ergo- und Physiotherapie, mehrere Ärzte sehen nach ihm. „Wir wollen seinen Tagen Leben schenken“, sagt Stellhorn. Und das sagt er auch: „In Syrien wäre er schon tot.“

Der Vater ist durch die Flucht zum Sozialhilfeempfänger geworden, hier schon als asylberechtigt anerkannt. Er wollte den Jungen erst selbst zu Hause pflegen, doch der Umfang überforderte ihn.

Dass Mohammad nach Mellendorf kam, ist dem Sozialamt im Rotenburg/Wümme zu verdanken, das angesichts der dramatisch verlaufenden Krankheit eine passende Einrichtung suchte und den Kontakt herstellte. So reist der Vater bisher wöchentlich einmal von Rotenburg nach Mellendorf, um sein Kind zu besuchen.

„Es wäre für die Familie eine große Erleichterung, wenn sie in der Nähe von Mohammad sein könnte, deshalb wünschen sie sich eine Wohnung hier oder in der Umgebung“, sagt Stellhorn. Darüber hinaus würde er es dem Kind wünschen, wenn jemand ehrenamtlich ab und zu mit dem Jungen rausgehen würde in den Garten - ihm im Idealfall Geschichten auf Arabisch vorlesen könnte.

Bei aller Problematik um Mohammad weiß Stellhorn jetzt schon, dass der Siebenjährige vermutlich nicht der letzte Bewohner aus der syrischen Familie im Kinderpflegeheim sein wird. Auch Mohammads drei Jahre jüngerer Bruder hat die Krankheit Adrenoleukodystrophie in seinen Genen. Sie ist nur noch nicht ausgebrochen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6sp8vc1payv16zek4p
Juliano Rossi rockt das Bürgerhaus

Fotostrecke Wedemark: Juliano Rossi rockt das Bürgerhaus