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Vögel füttern auch im Sommer?

Wedemark Vögel füttern auch im Sommer?

Von Amsel bis Zilpzalp - etwa 40 Gartenvogelarten sind in heimischen Gärten am häufigsten zu sehen. Aber soll man ihnen auch über das ganze Jahr Körner streuen? Die Expertenmeinung stößt vielleicht liebgewordene Praxis um - oder bestätigt sie.

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Im Großburgwedeler Raiffeisenmarkt rückt Leiter Dennis Krüger das Angebot an Vogelfutter zurecht. Auch im Sommer kaufen Kunden regelmäßig Meisenknödel und Streufutter - „nicht so viel wie im Winter, aber es läuft“, sagt Krüger.

Quelle: Frank Walter

Wedemark. Im Agrar- und Heimtierhandel liegen auch jetzt im Juni Beutel mit Körnern für Vögel in den Regalen. Angeboten werden Sommer- und Ganzjahresfutter. Was im Winter den Vögeln die Nahrungssuche und das Überleben erleichtert, machen viele Vogelfreunde gern zur Dauereinrichtung. Aber die Frage der Vogelfütterung wird selbst unter Naturschützern kontrovers diskutiert, stellt Heinz Linne vom Nabu Wedemark fest. Der erste Haken nach Expertenmeinung: „Es profitieren selbst im Winter nur wenige Vogelarten davon. Die seltenen und gefährdeten Arten brauchen keine Meisenknödel, sondern spezielle Pflanzen und Gehölze.“

Und im Sommer? Linne ärgert sich, wenn eine durchgehende Fütterung propagiert wird. „Von Artenschutz kann hier nicht die Rede sein“, argumentiert er. Die Reinigung der Futterplätze und Tränken sei schon im Winter absolut notwendig; die Gefahr, dass Infektionen übertragen würden, sei aber bei den höheren Temperaturen im Sommer noch erheblich größer. „Die an Trichomoniasis erkrankten Vögel werden meist gar nicht bemerkt, oder sie sondern sich ab. So kann es örtlich zu hohen Dunkelziffern von verendeten Vögeln kommen.“ Bei einer Trichomoniasis besiedeln sogenannte Trichomonaden-Erreger die Kropfschleimhaut und verursachen massive Reizungen. Vögel erbrechen daraufhin ihr Futter, niesen oder würgen.

Im Sommer bräuchten Vögel für die Jungenaufzucht zudem vor allem Eiweiß, also Insekten und Kleintiere, keine Körner, ergänzt der Nabu-Biologe Willi Schulz. Gartenbesitzer sollten sich darauf besinnen, dass Vögel durchaus selbst für ihren Nachwuchs sorgen können. „Wir müssen nur der Natur ihren Lauf lassen“, fordern die Nabu-Experten und meinen damit auch, dass die Gärten weitgehend natürlich und damit vogel- und insektenfreundlich gestaltet werden sollten. Auf Insektizide und Pestizide müsste der Gartenbesitzer dazu verzichten, ebenso auf flächenhaft über Folie verlegte Steine. „Da findet kein Vogel mehr eine Raupe für seinen Nachwuchs.“

Ein Argument der aktiven Sommerfütterer: Die Vögel bleiben am Futterplatz standorttreu. Ein weiteres Plädoyer hält die Heinz-Sielmann-Stiftung im Internet bereit. In der durch intensive Landwirtschaft vereinheitlichten Landschaft fänden die Vögel auch im Sommer immer weniger Nahrung, Wildkräuter würden auf fast allen Feldfluren mit Herbiziden bekämpft, Wiesenpflanzen bildeten infolge häufiger Mahd kaum noch Samen aus. Und die Insekten gingen durch Biozideinsatz oder Tod an Beleuchtungskörpern im Bestand drastisch zurück - und damit das Sommerfutter für viele Vogelarten.

Von Ursula Kallenbach

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