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Bauern protestieren gegen Schleuderpreise

Wedemark Bauern protestieren gegen Schleuderpreise

„Bauern machen mobil gegen Schleuderpreise“: Anlässlich dieses bundesweiten Aktionstags des Deutschen Bauernverbands haben gestern Mittag auch rund zwei Dutzend Wedemärker Landwirte demonstriert. Sie suchten vor dem Aldi-Markt in Mellendorf das Gespräch mit Kunden und Marktmitarbeitern.

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Rund zwei Dutzend Wedemärker Landwirte protestieren vor dem Mellendorfer Aldi-Markt gegen Dumpingpreise.

Quelle: Roman Rose

Mellendorf. Am Anfang stand ein Rückzug: Zunächst sollte die Aktion vor einem anderen Mellendorfer Supermarkt stattfinden. Der dortige Marktleiter war jedoch völlig überrascht von der nicht angekündigten Aktion, die er nicht ohne das Ok seiner Zentrale zulassen wollte. Als sich das etwas hinzog und um böses Blut zu vermeiden, verlegten die Wedemärker Bauern ihren Auftritt spontan vor den Mellendorfer Aldi-Markt. Auf ihrem Protest-Banner standen jedoch auch viele andere Namen und Logos namhafter Lebensmittelketten.

„Es gibt bald nur noch ein paar Monopolgesellschaften, die die Preise diktieren. Die Landwirte verdienen immer weniger, während die Margen für den Handel weiter steigen“, fasste Jörg Hemme aus Abbensen den Frust seiner Kollegen zusammen. Er ist stellvertretender Bezirkslandwirt der Wedemark.

Von einem Glas Milch beispielsweise gehen gerade einmal fünf Cent an den Landwirt, vom Verkauf eines Brötchens mit Bratwurst fließen lediglich 20 Cent an die landwirtschaftlichen Erzeuger. Ein reich gedeckter Frühstückstisch mit zwei Brötchen, einem Croissant, Butter, Marmelade, Käse, Wurst, Ei, Müsli und Milchkaffee kostet zu Erzeugerpreisen gerade einmal 1,07 Euro. „Zu den derzeitigen Preisen können unsere Landwirte nicht überleben“, sagt Hemme. Das Landvolk fordert ein Plus bei den anstehenden Preisverhandlungen mit dem Lebensmitteleinzelhandel.

„Der Milchpreis liegt derzeit bei 24 Cent pro Liter, die Prognose zeigt auf 20 Cent“, gab Peter Stöver aus Ibsingen ein Beispiel. Er hält 100 Kühe, plant schon lange einen neuen Stall. Wegen der schlechten Perspektive will er zwar die Baugenehmigung noch in der Tasche haben, bauen will er aber vorerst nicht.

Auch mit Verbrauchern kamen die Landwirte ins Gespräch. So legte Louisa Backhaus Rainer Gerth dar, warum deutsche Bauern bei höheren Standards und mehr Tierwohl gegenüber ausländischer Konkurrenz schnell ins Hintertreffen geraten. „Aber Neuseeländer Fleisch ist viel zarter als deutsches“, gab Gerth zu bedenken. „Das sind andere Rassen, die zudem das ganze Jahr über draußen sein können“, parierte die junge Bäuerin.

In der Wedemark gibt es nach Auskunft des Landvolkkreisverbandes rund 130 Bauernhöfe. Die Zahl stammt allerdings aus der Landwirtschaftszählung von 2010. Es seien alles Familienbetriebe, die durchschnittlich 60 bis 70 Hektar Fläche bewirtschafteten, erläuterte Jörg Hemme. In den meisten Wedemärker Betrieben werde Milch und Fleisch erzeugt.

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Jung-Landwirtin Louisa Backhaus erläutert Rainer Gerth, mit welchen Problemen deutsche Landwirte kämpfen.

Quelle: Roman Rose
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