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Sägeblätter sind extra für sie gefertigt

Wedemark Sägeblätter sind extra für sie gefertigt

Heike und Wolfgang Lorentz aus Wennebostel sind Spezialisten: Sie bauen beleuchtete Schwibbögen aus Sperrholz. Welche Kleinkunstwerke über das Jahr entstehen, erlebt das Publikum mit Staunen meist erst zur Weihnachtszeit. Die nächste Ausstellung beginnt am Sonntag, 27. November in Springe.

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Den ältesten bekannten Bogen von 1740 durften Heike und Wolfgang Lorentz mit Sondergenehmigung nachbauen. Darin sind Werkzeuge der Bergleute und christliche Symbole dargestellt. 

Quelle: Kallenbach

Wennebostel/Springe. Ihr Haus sehe zu Weihnachten wie ein Museum aus, mussten sich Heike und Wolfgang Lorentz schließlich von ihren Kindern sagen lassen. Denn etwa seit Expo-Zeiten im Jahr 2000 bauen sie Schwibbögen aus Sperrholz, genauer: aus russischer Birke. „Die Dekupiersäge aus dem Baumarkt kostete damals 50 Mark“, erinnert sich der Hobby-Bogenbauer. Mit ihrer Bogenherstellung trieb es ihn und seine Frau also bei fortschreitender Produktivität aus dem Wohnzimmer hinaus auf Ausstellungen und Märkte. Momentan sägt der Bogenbauerspezialist mit 0,48 Millimeter dünnen Rundsäge-Blättern – „extra für uns gefertigt. Sie sind somit derzeit die kleinsten Rundsäge-Blätter für Holz in Europa“.

Auch die Ausstellung, die das Paar aus Wennebostel zurzeit im Museum auf dem Burghof in Springe bestückt, ist nur mit Superlativen anzukündigen. Sie ist Norddeutschlands größte Lichterbögen-Schau und seit drei Jahren auch die größte in Deutschland. Seit Tagen fährt Familie Lorentz mit dem Transporter, um Bögen und die kleine Werkstatt für Reparaturnotfälle nach Springe zu befördern und die Schau dort einzurichten. In der Wedemark haben Besucher die Lichterbögen, Nussknacker und Schwebeengel in den herrlichsten Farben zuletzt über Weihnachten und den Jahreswechsel 2014 im Richardt-Brandt-Heimatmuseum in Bissendorf erlebt.

85 Exponate der Wennebosteler Hobbywerker sind in Springe zu sehen. Die Ausstellung läuft vom 27. November bis zum 8. Januar im Museum, Auf dem Burghof 1A. „Springe ist unsere achte Ausstellung“, berichtet das Paar, das Anregungen und weitere Fertigkeiten regelmäßig auf Reisen im Erzgebirge einholt – viele Freundschaften sind mit dem Hobby entstanden. „Dort ist es eine alte Volkskunst, wie sie so konzentriert auf der Welt einmalig ist“, verdeutlicht Lorentz.

Um einen ganz besonderen Schwibbogen bauen zu dürfen – im Original aus dem Jahr 1740 –, hat das Paar die Erlaubnis für künstlerische Kopien vom Museum für sächsische Volkskunst der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden erhalten. Der nachgebaute Bogen wird ebenfalls in Springe gezeigt.

Etwa drei Kleinkunstwerke entstehen übers Jahr im Hause Lorentz. Die ersten Bögen wurden akribisch nach Vorlagen gearbeitet. Längst entwirft Heike Lorentz selbst und bringt die Entwürfe auf das drei bis vier Millimeter dicke Sperrholz; sie ist außerdem der Beleuchtungsmeister für die Schwibbögen in 3D-Technik. Wolfgang Lorentz‘ Part ist das Sägen. Bis ein selbst entworfener Bogen auf Holz gezeichnet ist, können bis zu 50 Stunden vergehen. Je nach Aufwand kann das Sägen bis zu 150 Stunden in Anspruch nehmen. „Höhepunkt ist“, berichten die beiden, „wenn ein Bogen das erste Mal leuchtet. Dann sagen wir immer: Jetzt lebt er.“ Erstmals stellt Heike Lorentz in Springe auch einen geklöppelten Bogen aus.

Die Ausstellung von Heike und Wolfgang Lorentz wächst von Jahr zu Jahr, denn sie haben noch keine Bögen verkauft und möchten es auch in Zukunft nicht tun. Für sie ist klar: „Die Menschen sollen das Licht unserer Bögen im Herzen mit nach Hause nehmen – und nicht in einer Einkaufstüte“.

Das Ehepaar ist während der gesamten Ausstellungsdauer in Springe sonntags anwesend, und Besucher können Fragen stellen. Am Wochenende vom 3. und 4. Dezember sind die Wennebosteler an beiden Tagen vor Ort. An diesem Wochenende öffnet der Weihnachtsmarkt in Springe erstmalig direkt am Museum. Die Bogen-Ausstellung im Museum auf dem Burghof in Springe ist mittwochs und donnerstags sowie sonntags von 10.30 bis 16 Uhr geöffnet, der Eintritt kostet einen Euro. Zur Einstimmung lohnt ein Blick auf die Homepage schwibbogen-wedemark.de im Internet.

Schmiede fertigten die ersten Bögen

Wann genau der erste bergmännische Schwibbogen erstrahlte, lässt sich nicht sagen. Auch hatten sie nur wenig mit den heute bekannten Exemplaren gemein. Hersteller waren Schmiede, ohne die es kein funktionierendes Werkzeug im Bergbau gegeben hätte. Der älteste nachweisbare Schwibbogen stammt aus dem Jahr 1740 und kombiniert die Geschichte von Sündenfall und Vertreibung aus dem Paradies mit einer Wappenkartusche, die von zwei Bergmännern gehalten wird. Bis zum Jahr 1900 sind nur sechs Bögen belegbar, noch bis in die 1930er Jahre soll es nur 30 bis 40 Stück insgesamt gegeben haben. Das änderte sich erst 1937 mit einer Weihnachtsausstellung erzgebirgischer Volkskunst in Schwarzenberg. Das Logo hatte die Illustratorin Paula Jordan entworfen: das Schwarzenberger Motiv für den ersten Großschwibbogen. Die Darstellung zeigt zwei Bergleute, die ein Schild mit dem sächsischen Kurschwert halten, darunter die Bergmannstruhe verziert mit Schlägel und Bergeisen. An den Seiten sitzen eine Klöpplerin und ein Schnitzer. 

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Fotostrecke Wedemark: Sägeblätter sind extra für sie gefertigt

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