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Wedemärker Unternehmer wegen Korruption vor Gericht

Schmiergeld Wedemärker Unternehmer wegen Korruption vor Gericht

Für Vorteile bei Auftragsvergaben soll der Chef eines Wedemärker Landschaftsbaubetriebs zwei Mitarbeiter einer Autobahnmeisterei geschmiert haben. Der Verteidiger weist den Korruptionsvorwurf von der Hand: Sein Mandant sei einfach „unnatürlich großzügig“.

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Vor dem Landgericht Braunschweig muss sich der Wedemärker Unternehmer verantworten.

Quelle: dpa

Die Angelegenheit lief offenbar wie geschmiert. Hans-Gerhard G., Chef eines Landschaftsbaubetriebs aus der Wedemark, hat angeblich zwei Mitarbeitern der Autobahnmeisterei Braunschweig üppige Beträge und teure Dienstleistungen geschenkt. Im Gegenzug soll seine Firma Vorteile bei Auftragsvergaben erhalten haben. Seit Montag muss sich der 61-Jährige dafür vor dem Landgericht Braunschweig verantworten.

Ebenfalls angeklagt sind Jürgen T. (64), der frühere Leiter der Autobahnmeisterei und sein 35 Jahre alter ehemaliger Mitarbeiter Enrico B. Sie sollen die Nutznießer der Bestechungen gewesen sein. Die Liste der Vorwürfe gegen die drei Männer ist lang. Fast zwei Stunden benötigte Oberstaatsanwältin Hildegard Wolff, um die rund 50 Punkte der Anklage vorzulesen.

Demnach hatte der Bauunternehmer dem Chef der Autobahnmeisterei nicht nur seinen Mercedes-Geländewagen mit einem Preisnachlass von 20.000 Euro verkauft. Er zahlte auch jeweils 5000 Euro Urlaubsgeld, wenn der Beamte in seine Villa im südfranzösischen Antibes reiste. Ebenfalls nicht lumpen ließ sich der Unternehmer offenbar, wenn es um Bauarbeiten an dem am Steinhuder Meer gelegenen Ferienhaus von Jürgen T. ging. Selbst 100.000 Euro Zuschuss zum Kauf eines schnittigen Jaguar-Coupés soll der Beamte von dem Geschäftsmann angenommen haben.

Laut Verteidiger sind die Zuwendungen nicht aus Berechnung geflossen

Glaubt man Gregor Schneider, dem Verteidiger des 61-Jährigen, seien die Zuwendungen nicht aus Berechnung geflossen. „Mein Mandant möchte überall beliebt sein. Er ist geradezu unnatürlich großzügig“, erklärte er am Montag.

Auch der Beschuldigte versicherte, er sei „gern in Gesellschaft“ und deshalb spendabel. Als er gemerkt habe, dass sein jüngerer Mitangeklagter finanzielle Probleme hatte, habe er ihm „natürlich Geld gegeben“. So kam Enrico B. unter anderem zu einem neuen Auto und zum mietfreien Wohnen in einem geräumigen Energiesparhaus in Helmstedt.

„Er ist bis heute wie ein väterlicher Freund für mich“, beschrieb der 35-Jährige dann auch sein Verhältnis zu dem Unternehmer. Dass nicht alles korrekt in dieser Beziehung gelaufen sei, habe aber sein Gewissen so belastet, dass er schließlich bei der Autobahnmeisterei kündigte. Sein ehemaliger Vorgesetzter ging am Montag nicht näher auf die Tatvorwürfe ein. Stattdessen berichtete der 64-Jährige von seinen großen Leistungen in der bei seinem Amtsantritt „völlig planlosen“ Autobahnmeisterei und rügte Missstände innerhalb der zuständigen Behörden.

„Ich habe bis zu 700 Überstunden jährlich geleistet“, beschrieb er seinen Einsatz. Der Beamte des gehobenen Dienstes soll laut Anklage von zahlreichen Firmen Vorteile angenommen haben. So habe er unter anderem das Studium seines Sohnes in Österreich von Geschäftspartnern finanzieren lassen. Gegen mehrere Unternehmen laufen noch Ermittlungen.

Mit einem Urteil ist nicht vor August zu rechnen.

Jens Krone

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Bestechungsskandal

Auch am dritten Verhandlungstag im Bestechungsskandal bei der Landesbehörde für Straßenbau hat der angeklagte Hans-Gerhard G. aus der Region Hannover mehrere Tatvorwürfe gestanden. Er habe Enrico B., einem Mitarbeiter der Braunschweiger Autobahnmeisterei, zu Autos und mietfreiem Wohnen verholfen.

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