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Erst beleidigt, dann vertragen

Wedemark/Burgwedel Erst beleidigt, dann vertragen

Weil er einen Busfahrer im Streit als "Arschloch" tituliert haben soll, musste ein Wedemärker jetzt auf der Anklagebank im Amtsgericht Burgwedel Platz nehmen. Gegen Zahlung einer Geldauflage kam er ohne Verurteilung davon - und einen versöhnlichen Handschlag seines Kontrahenten gab es obendrein.

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Angeklagt wegen Beleidigung eines Busfahrers, konnte der Wedemärker das Gericht ohne Verurteilung gegen Zahlung einer Geldauflage verlassen.

Quelle: Symbolbild

Wedemark/Burgwedel. Die Nerven des 45 Jahren alten Mannes hatten an jenem Morgen im November offenbar blank gelegen - ob auch wegen einer Herzerkrankung, wie sein Strafverteidiger anführte, oder nur, weil er sich über seinen Kontrahenten im Straßenverkehr aufgeregt hatte, das blieb unbeantwortet.

Aneinander geraten waren der 45-jährige Autofahrer und der zehn Jahre jüngere Busfahrer zwischen Brelingen und Mellendorf. Nach Meinung des Angeklagten war der Busfahrer dicht aufgefahren und hatte ihn so genötigt. Auf seinen Anruf bei der Polizei hätten ihn die Beamten aufgefordert, sich für die spätere Identifizierung den Fahrer zu merken. An der nächsten Haltestelle sei er deshalb ausgestiegen und an den Bus getreten, ein Wort habe das andere gegeben. Was er selbst gesagt habe, daran könne er sich nicht mehr erinnern.

Dem als Zeugen geladenen Busfahrer war der Wortlaut hingegen noch sehr präsent: "Arschloch, was willst Du denn?", habe ihn der andere beleidigt und gegen sein Fenster geschlagen. Kurz vorher habe er ihn überholt , bestätigte der 35-Jährige. Sein Kontrahent sei statt der am Ende der Baustelle erlaubten 100 Kilometer pro Stunde weiter mit weniger als Tempo 30 gefahren. "Hinter uns stauten sich die Autos, alle haben gehupt. Ich dachte, er hätte einen Motorschaden", gab der Zeuge zu Protokoll. Als er den langsamen Wagen schließlich habe überholt können, habe er gesehen, dass der Mann telefonierte.

Den Hinweis des Autofahrers, dass dieser ihn anzeigen werde, habe er zuerst nicht ernst genommen, sagte der Busfahrer aus. Doch dann habe sein Fahrdienstleiter ihm vom Anruf der Polizei erzählt, und er habe ein Verwarngeld zahlen müssen. "Sie wollten mir wehtun! Wenn mein Führerschein weg ist, verliere ich meine Arbeit. Ich habe ein Haus, eine Familie", macht der Busfahrer seinem Kontrahenten die Tragweite deutlich.

Dass der mehrfach vorbestrafte Autofahrer letztlich um eine Verurteilung herumkam, war der Tatsache geschuldet, dass er im Gerichtssaal dann doch Reue zeigte: "Wenn ich etwas gesagt habe, was Sie in Ihrer Ehre verletzt hat, dann möchte ich mich entschuldigen." Amtsrichter Michael Siebrecht stellte das Verfahren daraufhin gegen die Zahlung von 300 Euro an eine Hilfsorganisation ein - "das ist ein vernünftiger Ausgleich". Und mit einem Handschlag begruben der Auto- und der Busfahrer ihren Streit, der sie von der Landstraße in der Wedemark bis ins Amtsgericht Burgwedel gebracht hatte.

Von Frank Walter

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