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Zettel für die Wackelkandidaten

Elze Zettel für die Wackelkandidaten

Rund 1900 Grabsteine auf den kommunalen Friedhöfen lässt die Gemeinde derzeit von einer Fachfirma auf Standsicherheit überprüfen. Wo es wackelt, erhalten die Pächter der Grabstellen gegen Ende August Post und müssen nachbessern.

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Test bestanden: An der Oberkante dieses Stein drückt Markus Butzke mit 30 Kilopond - und nichts bewegt sich.

Quelle: Roman Rose

Elze. Langsam baut Markus Butzke mit Körperkraft Druck auf, bis das rund 2000 Euro teure Gerät, das er an die Oberkante eines Grabsteins gesetzt hat, 30 Kilopond anzeigt. Diesen Wert müssen alle Grabsteine überstehen, ohne zu wackeln - in der Folgeprüfung. Bei einer Erstprüfung sind es 50 Kilopond. In diesem Fall ist an der Grabstelle in Elze alles in Ordnung. Etwa zwei bis drei Tage braucht Butzke, bis er alle Steine auf den kommunalen Friedhöfen geprüft hat. Diese Tour gibt die Gemeinde jährlich in Auftrag.

Rechtlicher Hintergrund sind nach Auskunft von Verwaltungsmitarbeiterin Nadine Kutzner die allgemeine Verkehrssicherungspflicht und Vorgaben der Berufsgenossenschaft. Die Prüfung soll verhindern, dass Hinterbliebene oder professionelle Grabpfleger sich wegen wackeliger Steine verletzen. Manche stützten sich beim Aufstehen von der Grabpflege auf den Steinen ab, das müssten diese aushalten, sagt Kutzner. Den Steinen in der Wedemark bescheinigt Butzke allgemein ein gutes Stehvermögen, in anderen Gegenden werde weniger sauber gearbeitet.

Etwa 10 Prozent der geprüften Steine fallen im Schnitt durch, sagt er. Besondere Kosten für die Prüfung entstehen den Nutzern nicht, sie sind in den Gebühren enthalten. In die Tasche greifen müssen die Hinterbliebenen allerdings, falls Butzke einen Wackelkandidaten ausmacht. Dann bringt er einen weißen Aufkleber an der Vorderseite an, der zum Handeln auffordert. Grundsätzlich dürfen die Nutzer ihre Steine auch selbst wieder befestigen, angesichts des oft erheblichen Gewichts der Steine, die für diese Prozedur vom Sockel genommen werden müssen, dürfte dies für die meisten allerdings eine erhebliche technische Hürde sein. „Und meist fallen die selbst reparierten Steine im nächsten Jahr wieder durch“, sagt Kutzner. „Einfach nur Fliesen- kleber zwischen Stein und Sockel schmieren, hilft nichts, das muss fachgerecht ausgeführt werden“, betont Butzke.

Dass manche die Hinweisschilder von den eigenen monierten Grabmalen abziehen und einfach auf den Nachbarstein pappen, hilft auch nichts. „Ich fotografiere jeden beanstandeten Stein und leite alle Unterlagen an die Gemeinde weiter“, sagt Butzke.

Die Prüfungen seien letztlich im Interesse des Grabstellennutzers, sagt Kutzner. Denn im Falle eines Falles haften sie für Schäden oder Ansprüche Dritter, nicht die Gemeinde.

Neue Steine: Firma ist in der Pflicht

Wer die Kosten nicht aufbringen kann oder will, einen wackeligen Grabstein wieder befestigen zu lassen, kann den Stein auch dauerhaft niederlegen lassen. Diesen Tipp gibt Nadine Kutzner den Pächtern, die mit ihrem Geld knapp kalkulieren müssen, oder wenn die Nutzungszeit bald endet. Außerdem habe jeder Käufer eine fünfjährige Gewährleistung, nachdem ein Grabstein erstmals aufgestellt wurde, sagt Prüfer Markus Butzke. Sollte innerhalb dieser Zeit die Standfestigkeit leiden, hätten die Kunden Anspruch auf kostenlose Nachbesserung bei ihrem Lieferanten oder Steinmetz.

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