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Zu Besuch bei der Wedemärker Gartentherapie

Mellendorf Zu Besuch bei der Wedemärker Gartentherapie

Das Origanum rollt seine kleinen Blättchen schon wegen der Hitze ein, aber die betagten Besucher im Therapiegarten Wedemark holen mit leichtem Reiben den frischen Duft aus dem Kraut. Eine Therapiestunde im Grünen am Nachmittag.

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Marie-Luise Schmidtke (rechts) hat sich gemeinsam
mit der Garten-
therapeutin und Gärtnerin Corinna Cieslik-Bischof einen Strauß
Origanum geschnitten.

Quelle: Ursula Kallenbach

Wedemark. Marie-Luise Schmidtke hat sich gemeinsam mit der Wedemärker Gartentherapeutin und Gärtnerin Corinna Cieslik-Bischof ein Büschelchen Oregano geschnitten; sie liebt das Gewürz- und Heilkraut ganz besonders. Therapiestunde ist auch wohltuende Erinnerung: Es gab da, damals, im eigenen Garten eben auch ein Kräuterbeet.

In zwei Bussen sind die Besucher aus Hannover zur Gartentherapie am Grabenweg 6 in Mellendorf gefahren worden. Den Weg vom Tor zu den Beeten schafften die betagten Teilnehmer teils gestützt auf Rollatoren. „Das Erlebnis hier wiegt die Anstrengungen auf“, sagt Heide Grunenberg. Die Mitarbeiterin im sozial begleitenden Dienst im anthroposophisch geprägten Friedrich-Rittelmeyer-Seniorenheim an der Ellernstraße hat den Ausflug der Senioren organisiert.

Im Therapiegarten in Mellendorf bewegt sie sich mit der Gruppe Heimbewohner zum ersten Mal. Aber Cieslik-Bischof hat vor zwei Jahren schon Spuren in der Senioreneinrichtung hinterlassen. „Sie hat unsere Dachterrasse geplant und mit Hochbeeten gestaltet“, berichtet die Betreuerin. Und noch mehr: Die Wedemärker Initiatorin des gemeinnützigen Vereins Grüne Stunde und des Therapiegartens hat in der hannoverschen Einrichtung etwa 30 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter in Gartentherapie geschult.

„In der Gartentherapie wird angeknüpft an die Biografie“, verdeutlicht die Betreuerin. „Fast alle alten Menschen haben einen Garten am Haus oder einen Schrebergarten gehabt.“

Zitronenmelisse, Wermut und Lavendel - wie riecht das Kraut, herb oder frisch, nach sauren Gurken? Lavendel lasse sich in kleine Duftkissen einnähen, auch Origanum, erzählt Cieslik-Bischof bei einer kleinen Pause unter dem Pavillondach, das im Therapiegarten vor Sonne wie Regen schützt. Die Melisse habe beruhigende Wirkung. „Sie schmeckt aber auch im Kräuterquark oder einfach in Wasser.“ Die Besucher haben nun Schuhkartondeckel vor sich und können Kräuter ihrer Wahl hineinzupfen. Ob es nur mit der einen oder auch mit der anderen Hand geht, auch diese Frage wird fürsorglich gestellt.

Dabei muss die Gartentherapeutin umgekehrt auch Fragen nach dem Gartenkonzept und dem Verein beantworten, der ohne die vielen Aktiven und Sponsoren nicht auskäme, wie sie sagt. Den Dank einer Teilnehmerin „für diese offene Initiative“ anzunehmen, fällt der Therapeutin sichtlich schwer - er bringt sie zu Tränen. „Wenn ich sehe, dass das, wofür ich mir Mühe gebe, solchen Erfolg hat“, erklärt sie dies später, dann rühre es sie so. Auch kämen immer wieder Geschichten von den alten Menschen, die ihr nahegehen.

Therapiestunden sind möglich

Der Therapiegarten in Mellendorf ist an jedem ersten und dritten Sonnabend im Monat zum kostenfreien Anschauen von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Für angemeldete Gruppen und Gartentherapiestunden richtet die Gartentherapeutin und Gärtnerin Corinna Cieslik-Bischof Termine nach Bedarf an allen Wochentagen ein. Anmeldungen nimmt sie unter Telefon (0173) 6063708 und per E-Mail an corinna@bischofs.com entgegen. In den nächsten Wochen sind noch einige Veranstaltungen geplant, die angekündigt werden. Der Therapiegarten am Grabenweg (Hof Gudehus) schließt Ende Oktober.

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