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Videoprint überführt Serientäter

Burgwedel/Wedemark Videoprint überführt Serientäter

Zu zehn Monaten Haft ohne Bewährung hat das Amtsgericht Burgwedel einen auf Ladendiebstahl spezialisierten 31-Jährigen verurteilt. Die Videoüberwachung im Rossmann-Markt in Wennebostel lieferte den einzigen - aus Sicht der Verteidigung fragwürdigen - Sachbeweis.

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Das Amtsgericht hat einen Dieb zu zehn Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt.

Quelle: Symbolbild: Peter Steffen

Großburgwedel/Wennebostel. Seit April 2014 wartet der Georgier, nach eigener Aussage studierter Wirtschaftswissenschaftler, in Deutschland auf den Ausgang seines Asylverfahrens. Die Ehefrau und ein sechsjähriger Sohn sind in seiner Heimat geblieben. Laut Anklage soll der 31-Jährige seinen kargen Lebensunterhalt durch gewerbsmäßigen Diebstahl aufgebessert haben. Das Strafregister weist aus, dass er seit Februar 2015 siebenmal zwischen Hamburg und Goslar lange Finger gemacht haben soll: Vorwiegend bestand das Diebesgut aus größeren Mengen Zigaretten, die sich gut zu Geld machen lassen.

Aber zu der Dreiergruppe gehört zu haben, die am 24. Oktober 2015 im Drogeriemarkt in Wennebostel Maskara-Stifte, Aufsteckbürsten für Elektrozahnbürsten sowie teure Rasierklingen im Wert von mehreren Hundert Euro stahl, stritt der aus der JVA Celle in Handschellen vorgeführte Angeklagte rundheraus ab.

Eine Videokamera hielt die zunächst unbemerkten Diebstahlszenen fest, wie sie laut Zeugenaussage einer Verkäuferin immer häufiger vorkämen: Ein Kundschafter, ein Dieb und ein dritter Mann, der das Diebesgut in einem Rucksack verstaut, arbeiteten Hand in Hand. Die CD mit den Videoaufnahmen ist allerdings zerbrochen. Auf einem farbigen Videoausdruck war der Angeklagte im Nachhinein als Mittäter identifiziert worden.

Zu Unrecht, wie der Verteidiger befand: "Ähnlichkeit reicht für eine Verurteilung nicht aus", erinnerte er an das Prinzip: Im Zweifel für den Angeklagten. Zur Aufklärung, was das Bildmaterial wirklich taugt, forderte er die Hinzuziehung eines Gutachters. Aber dem Beweisantrag gab Amtsrichter Michael Siebrecht nicht statt. Auch den vom Verteidiger offerierten Namen des Mannes, den das Bild tatsächlich zeige, nahm er nicht zu Protokoll. Weder Richter noch Staatsanwalt hatten nach eigener Aussage Probleme damit, im Angeklagten den Mann auf dem Bild aus der Videokamera wiederzuerkennen.

Während der Verteidiger Freispruch forderte, blieb das Gericht mit der zehnmonatigen Haftstrafe ohne Bewährung für gemeinschaftlich begangenen gewerbsmäßigen Diebstahl zwei Monate unter dem Antrag des Staatsanwaltes. Dieser hatte sich in seinem Plädoyer seinen Frust von der Seele geredet: "Georgische Banden packen landauf landab in großem Stil ein", erklärte er. Polizei und Justiz seien damit einfach überfordert. Die Politik müsse dafür sorgen, dass straffällige Asylbewerber schneller abgeschoben werden. Siebrecht hielt dem Angeklagten vor, mit seinen Straftaten der Fremdenfeindlichkeit Vorschub zu leisten: "Das war das Schlimmste, was Sie ihren Landleuten antun konnten."

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