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Kaum eine Chronik ohne Hahn

Zum Tod des Ortshistorikers Kaum eine Chronik ohne Hahn

Er war in allen Wedemärker Ortsteilen bekannt, und er wiederum kannte die Dörfer und alten Höfe: Im Alter von 88 Jahren ist jetzt der gebürtige Bissendorfer und unermüdlich genaue Ortshistoriker Dr. Hellmuth Hahn gestorben.

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So kannte man ihn: Hellmuth Hahn (von links), hier zusammen mit Friedrich Thümler und Friedrich Lüddecke, hat zahlreiche Chroniken und weitere historische Werke über die Wedemark geschrieben oder daran mitgearbeitet.

Quelle: Roman Rose

Bissendorf. Wenn er aus seinem Elternhaus am Kummerberg hinaussah, lagen die Michaeliskirche mit ihren historischen Grabmalen und das jahrhundertealte Amtshaus-Ensemble Am Markt gegenüber. „Amtsmannshaus“, pflegte der Hobbyhistoriker stets zu korrigieren, weil er das alte Amt Bissendorf akribisch erforscht hatte.

Wenn Hahn in seinem Arbeitszimmer aufblickte, hatte er an der Wand die Kurhannoversche Landesaufnahme von 1781 vor Augen, eine historische Karte. Der Alt-Bissendorfer sah auch die alte Bissendorfer Dorfschule noch vor seinem inneren Auge und prangerte über Jahrzehnte den voranschreitenden Abriss dieses Gebäudes wie so vieler anderer Fachwerkhäuser aus dem Dorfbestand an. Den verschwundenen und den erhaltenen widmete er viele Jahre seines Lebens, indem er die Höfegeschichte niederlegte. Die Schilder an den Häusern geben sie heute Besuchern des Dorfkerns kurz wieder. Hahn ließ in Büchern und Vorträgen so kenntnisreich wie kein anderer die Geschichte Bissendorfs und anderer Ortsteile lebendig werden - immer interessant, auch für die Neubürger.

Hellmuth Hahn recherchierte in den wichtigsten Archiven und Kirchenbüchern vor Ort und in Hannover. „Er sichtete etwa 80 000 Seiten in den alten Schriften, die kaum ein anderer lesen konnte“, berichtet Friedrich Lüddecke, der in Evensen das gefundene und aufgearbeitete Material layoutete und druckfertig machte. „Sehr oft kam Hahn aus dem 23 Kilometer entfernten Bissendorf mit dem Fahrrad zu mir, um fit zu bleiben“, erzählt Lüddecke. Immer wieder war der leidenschaftliche Ortshistoriker auf dem Rad in der Wedemark unterwegs, fotografierte Veränderungen, Abriss oder Neubauten. „Ihm war es wichtig, das Alte für die nachfolgenden Generationen zu erhalten.“

Die Trauerfeier in der Friedhofskapelle Bissendorf findet am Sonnabend ab 11 Uhr statt. Spenden - statt Blumen und Kränzen - sollen der Renovierung des Amtsmannshauses zugutekommen.

Von Ursula Kallenbach

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