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Zychlinski: Gewerbe besser als Mais-Acker

Bissendorf Zychlinski: Gewerbe besser als Mais-Acker

Die von Wedemarks Bürgermeister Helge Zychlinski geäußerten Gedankenspiele, in Bissendorf südlich der Schlager Chaussee ein neues Gewerbegebiet entwickeln zu wollen, haben unterschiedliche Reaktionen bei Politikern ausgelöst.

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Wenn es nach der Gemeindeverwaltung geht, soll auf dieser Fläche Gewerbe angesiedelt werden.

Quelle: Sven Warnecke

Wedemark. Die Reaktionen reichen vom Willen, die Gemeinde weiter als Arbeits- und Wohnstandort zu entwickeln, bis hin zur totalen Ablehnung. Zumal das ins Auge gefasste Areal aktuell als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist. Der Ortsverband der Grünen lehnt das vom Bürgermeister ins Spiel gebrachte mögliche Gewerbegebiet südlich der Schlager Chaussee schlichtweg ab. Als Gründe führt deren Sprecherin Ute Lucka den dort gültigen Status als Teil des Landschaftsschutzgebietes Wietzetal ins Feld. „Die Realisierung jeglicher Bebauung setzt also eine Teillöschung des Landschaftsschutzgebietes voraus. Dem können die Grünen hier nicht zustimmen, auch nicht im Tausch gegen eine Erweiterung des Landschaftsschutzgebietes an anderer Stelle“, betont Lucka mit Blick auf die „naturschutzfachlichen Tatsachen“. Denn die für das Gewerbegebiet vorgesehene Ackerfläche diene als wichtige Pufferzone. Zudem würden hochwertige Landschaftsräume unwiederbringlich preisgegeben.

Die Grünen-Fraktion im Rat sieht die Angelegenheit indes ein wenig differenzierter. „Der Standort südlich der Schlager Chaussee wurde dabei schon mehrfach ins Gespräch gebracht und ist auch als eine Option für weitere Gewerbeerweiterungen in der Wedemark Teil des Gemeindeentwicklungsplans“, betont Fraktionschef Ingemar Becker. Da es aber bislang dazu von der Verwaltung noch keine konkreten Pläne gebe, habe sich die Grünen-Fraktion noch keine abschließende Meinung bilden können. Allerdings: Seine Partei stehe „diesem Standort zur zukünftigen Erweiterung dennoch erst einmal kritisch gegenüber“, betont Becker auch wegen des Fehlens von Ausgleichsflächen, die in räumlicher Nähe im Süden den Verlust dort ausgleichen könnten. „Daher sind aus unserer Sicht anderen Alternativen zur Ausweisung möglicher Flächen im Korridor der Verkehrsachsen östlich L 190 und westlich der A 7 in der Wedemark Vorrang zu geben“, betont Becker.

Der Grünen-Fraktionschef und seine Kollegin Rebecca Schamber von der SPD betonen auf Anfrage aber auch, dass die Mehrheitsfraktionen von SPD und Grünen durchaus versuchen, gemeinsam mit dem Bürgermeister und der Verwaltung der steigenden Nachfrage nach Gewerbeflächen Rechnung zu tragen. „Die SPD-Fraktion hat hier ganz konkret die Sicherung von Arbeitsplätzen und die Entwicklungsmöglichkeit von Gewerbe im Blick. Dies jedoch auch immer unter Abwägung ökologischer Interessen“, betont SPD-Fraktionschefin Schamber auf Anfrage. Doch auch in ihrer Partei gebe es wegen der von der Verwaltung noch nicht konkret vorgestellten Pläne bislang keine abschließende Beurteilung des Standortes, sagt sie. „Ein Gewerbestandort in Bissendorf ist aufgrund der Infrastruktur sicherlich hochinteressant.“ Doch Voraussetzung dafür wäre eine „höherwertige Ausgleichsfläche“.

CDU-Fraktionschef Rudi Ringe macht es ganz knapp: Seine Partei lehnt ein Gewerbegebiet südlich der Schlager Chaussee grundsätzlich ab. „Nach unserer Auffassung sollte es in Bissendorf auch keine weiteren Flächen für Gewerbe und Industrie geben“, betont Ringe und fordert vielmehr verstärkte Bemühungen etwa an der L 190 in Hellendorf, östlich der Industriestraße in Mellendorf oder etwa in Meitze und Gailhof.

Bürgermeister Helge Zychlinski hebt auf Anfrage dieser Zeitung hervor, dass die Pläne in Bissendorf bislang eher Gedankenspiele gewesen seien, eine konkrete Planung gebe es indes noch nicht. Doch er sagt auch: „Der Standort ist für Neuansiedlungen von herausragender Bedeutung.“ Zychlinski erinnert auch daran, dass beinahe die gesamte Wedemark Landschaftsschutzgebiet sei.

„Eine Gewerbeentwicklung ohne Teilentlassungen, natürlich mit der Schaffung von Ausgleichsflächen, ist in der Gemeinde kaum mehr möglich und muss dort erfolgen, wo dies zugunsten von Arbeitsplätzen unausweichlich ist“, betont der Verwaltungschef. Deshalb soll es nun im nächsten Schritt Gespräche mit den Fraktionen geben, um eine „tragfähige Lösung“ zu finden. „Aber einige Teile der Kommunalpolitik müssen erkennen, dass man nicht nur Geld ausgeben kann, sondern auch etwas für Arbeitsplätze und Steuereinnahmen tun muss“, sagt Zychlinski. Und hierzu gehörten eben auch neue Gewerbegebiete in den bevorzugten Lagen. „Da muss dann auch mal ein Maisfeld weichen.“

Von Sven Warnecke

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