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Dach für Klärschlamm wird nicht gebraucht

Evestorf Dach für Klärschlamm wird nicht gebraucht

Überraschende Kehrtwende: Weil der Gesetzgeber künftig doch wieder die langfristige Verwendung von Klärschlamm in der Landwirtschaft erlaubt, muss die Gemeinde Wennigsen kein Dach über dem Schlammlagerplatz an der Kläranlage Evestorf bauen. Dadurch können knapp 500 000 Euro eingespart werden.

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Nach heftigen Regenfällen wurden Strohballen genutzt, damit der wässrige Klärschlamm nicht aus dem Lagerplatz herausfließt.

Quelle: privat

Evestorf. "Für ihre Kommune gibt es eine sehr gute Nachricht", erklärte Marcus Fussel den Mitgliedern des Bauausschusses am Donnerstagabend. Der Kläranlagenexperte des hannoverschen Planungsbüros PFI hatte der Gemeinde bislang zum Bau einer Überdachung des Lagerplatzes geraten. Durch sie sollte verhindert werden, dass der Schlamm bei starkem Regen aus dem Becken fließt, nachdem die automatische Zumischung von Kalk beim Einbau einer neuen Zentrifuge entfernt worden war. Zuletzt war dies durch Strohballen am Rande des Lagerplatzes und durch das manuelle Aufbringen von Kalk verhindert worden.

Notwendig war die Überdachung vor allem deshalb geworden, weil der Gesetzgeber eine Nutzung des Klärschlamms als Dünger in der Landwirtschaft nur noch bis zum Jahr 2025 erlaubt hatte. Danach hätte der Schlamm, der bei der Abwasserreinigung übrig bleibt, verbrannt werden müssen. "Wir hatten daher den Auftrag, eine langfristige wirtschaftliche Lösung für Lagerung und Entsorgung zu finden und uns für die Überdachung ausgesprochen", erklärte Fachbereichsleiter Martin Waßermann. Die Kosten für das Dach hatte Fussel auf rund 570 000 Euro geschätzt. "Gegenüber dieser Lösung sparen sie jetzt deutlich", sagte der Experte jetzt.

Denn laut eines neuen Gesetzentwurfes, der im Sommer dieses Jahres in Kraft treten soll, dürfen Kommunen den Klärschlamm aus kleineren Kläranlagen wie der in Evestorf künftig nun doch wieder unbefristet für die Landwirtschaft nutzen. Waßermann sprach von einer "kompletten Kehrtwende des Gesetzgebers". Und Fussel rät der Gemeinde angesichts dieser Entwicklung nun nicht mehr zu einem Dachneubau, sondern dazu, die automatische Nachkalkung wieder zu reaktivieren. "Bei einer Nutzung des vorhandenen Kalksilos würden nur noch Kosten in Höhe von etwa 100 000 Euro für neue Maschinentechnik entstehen", rechnete Fussel vor. 

Der Ausschussvorsitzende Wilhelm Subke (SPD) sprach sich im Anschluss an den Bericht des Experten für diese Lösung aus. "Ich halte es für sinnvoll, PFI mit der entsprechenden Planung zu beauftragen, anstatt die vierfachen Kosten durch den Dachbau zu verursachen", sagte er. Kritischer äußerte sich Grünen-Politiker Norbert Bohnenstengel. "Durch das regelmäßige Ausbringen des Klärschlamms wird auch der Phosphatwert auf den Böden steigen", sagte er.

Zudem warnte er vor einer möglichen erneuten Verschärfung der Düngemittel-Vorschriften zu einem späteren Zeitpunkt. "Dann könnten wir doch ganz schnell wieder in die Bredouille kommen können und den Klärschlamm doch noch verbrennen müssen", sagte Bohnenstengel.

Das ist Klärschlamm:

Klärschlämme stammen aus kommunalen Kläranlagen, in denen Abwässer insbesondere aus privaten Haushalte gereinigt werden. Die Mischung aus Fest- und Flüssigstoffen, die sich bei der Reinigung des Abwassers ablagert, kann insbesondere wegen ihres relativ hohen Stickstoff- und Phosphatgehaltes auf landwirtschaftlichen Flächen als Dünger ausgebracht werden, sofern sie nur geringe Schadstoffbelastungen aufweist. Derzeit wird nach Angaben des Bundes-Umweltminiteriums nur noch rund ein Drittel der insgesamt etwa 1,8 Millionen Tonnen kommunalen Klärschlämme in der Landwirtschaft und im Landschaftsbau zu Düngezwecken eingesetzt. Die verbleibende Restmenge wird unter anderem als Sekundärbrennstoff in Kraftwerken und Zementwerken verwendet oder auf Deponien gelagert.

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