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Flüchtlinge bieten Hilfe an: Hemmschwellen sinken

Wennigsen Flüchtlinge bieten Hilfe an: Hemmschwellen sinken

Mit Freundlichkeit und Offenheit Vorurteile abbauen: Am bundesweiten Aktionstag gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit haben in Wennigsen Asylbewerber und Flüchtlingsbetreuer Supermarktkunden ihre Hilfe beim Einkauf angeboten und das Gespräch mit Bürgern gesucht - eine Aktion mit wenig Aufwand und großer Wirkung.

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Deutliches Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit: Der syrische Chefkoch Kawa Hassan (links) und  Liwana El Mokdad (Zweite von rechts) von der Willkommensgruppe servieren  Supermarktkunden kostenlos landestypische Spezialitäten und suchen das Gespräch.

Quelle: Ingo Rodriguez

Wennigsen. Ein gemischter Salat nach dem Einkauf? Und das auch noch kostenlos und freundlich serviert? Da mochten nur wenige Supermarktkunden Nein sagen. Der syrische Chefkoch Kawa Hassan hatte viel zu tun bei der gemeinsamen Aktion der Willkommensgruppe Wennigsen mit Asylbewerbern, Integrationslotsen und Flüchtlingsbetreuern. Sie waren am Sonnabend in den Edeka-Markt von Stefan Ladage gekommen, um sich als Einkaufshilfe zur Verfügung zu stellen und in den Dialog mit der Bevölkerung zu treten – Kaffee und Kekse sowie ein landestypischer Imbiss inbegriffen.

Die Wirkung der Aktion war gegen Mittag deutlich zu beobachten. Das Reaktionsschema vieler Kunden war ähnlich: Anfängliche Scheu und misstrauische Distanziertheit wurden im Gespräch langsam abgebaut. Der freundliche Dialog weckte Wort für Wort Neugier und Offenheit. „Ich finde es toll, dass sich die Asylbewerber einbringen“, sagte der 65-jährige Jürgen Winkler. Er habe wenig Verständnis für fremdenfeindliche Tendenzen. Ohnehin sei bislang für ihn trotz des Flüchtlingszustroms keine Veränderung im Alltag zu spüren, sagte der Wennigser.

Etwas verhaltener reagierten Helga und Christian Gundelfinger auf das Angebot des 53-jährigen Syrers Hamo, ihnen beim Einkauf zu helfen. „Danke, das schaffen wir zu zweit noch ganz gut“, sagte der 84-jährige Senior. Generell finde er das Angebot aber freundlich. „Es wird für uns Senioren immer schwerer mit zunehmendem Alter.“ Die Pläne der Willkommensgruppe, auch langfristig und individuell bei Bedarf Einkaufshilfen anzubieten, sei nur zu begrüßen.

Obwohl auch nur wenige andere Kunden diesen Service nutzten, war Integrationslotsin Christina Müller-Matysiak von den Reaktionen der meisten Menschen begeistert. „Viele bleiben stehen und probieren die landestypischen Speisen, man kommt toll ins Gespräch. Die Hemmschwellen sinken“, sagte die Mitinitiatorin der Aktion. Um die Kontaktaufnahme zu erleichtern, hatte Marktinhaber Ladage die Zutaten für syrische Gerichte und eine mobile Küche für zur Verfügung gestellt sowie Bänke und Tische aufbauen lassen. Viele Kunden nutzten das Angebot, um nach dem Einkauf einen Moment zu verweilen und sich im Gespräch oder an Infotafeln über die Arbeit und Integrationsbemühungen der Willkommensgruppe zu informieren.

„Es sollen Kontakte auf Augenhöhe sein, es darf nicht der Eindruck entstehen, dass die Flüchtlinge entmündigt oder bemuttert werden“, betonte Müller-Matysiak. Sie habe den Eindruck, dass Aktionen wie diese das Miteinander stärkten. „Auch viele der Integrationshelfer profitieren von den Begegnungen und Kontakten.“ Die Atmosphäre im hinteren Eingangsbereich des Marktes fasste eine ältere Frau treffend zusammen. „Der Umgang ist total herzlich. Ich habe einen Salat angeboten bekommen und wurde freundlich angesprochen.“

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Die Integrationslotsin Christina Müller-Matysiak (Zweite von rechts) und der 53-jährige Syrer Hamo (rechts) bieten den Supermarktkunden Christian und Helga Gundelfinger aus Wennigsen Hilfe beim Einkauf an und kommen miteinander ins Gespräch.

Quelle: Ingo Rodriguez
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