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Biolandwirtschaft muss aufholen
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Calenberger Land Biolandwirtschaft muss aufholen

Die Zahl der ökologisch arbeitenden landwirtschaftlichen Betriebe steigt: Das Calenberger Land hinkt jedoch hinter der bundesweiten Entwicklung hinterher.

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Harmen Gehrke prüft seinen Weizen. Die Flächen des elterlichen Hofs werden vom ihm auf Ökolandbau umgestellt.

Quelle: Michael Hemme

Wennigsen. Die Nachfrage nach Biolebensmitteln steigt – die Anzahl der Ökolandwirte zwischen Deister und Hannover lässt sich dagegen an einer Hand abzählen. „Es werden aber mehr werden“, ist Friedrich Maage überzeugt. Der Benther ist einer der Pioniere des Biolandbaus in Niedersachsen. 1985 hat er den Betrieb umgestellt. „Die Methode ist die richtige“, sagt der überzeugte Biobauer, der Schweine züchtet und seltene Kartoffelsorten erntet. Am Vörier Berg baut Harmen Gehrke nun im zweiten Sommer Biogetreide an.

Die bereits verpachteten Flächen des elterlichen Hofs in Holtensen hat der 29-Jährige wieder aktiviert. Der studierte Landwirt befindet sich mit den Flächen noch in der Umstellungsphase. Die Äcker in Holtensen bewirtschaftet der Jungbauer im Nebenerwerb. Hauptberuflich leitetet er einen Biogroßbetrieb in Sachsen-Anhalt. Die geringeren Erlöse während der zweijährigen Umstellungsphase kann der idealistische Holtenser also dank des Haupteinkommens verkraften. Im Nachbarort Evestorf hat Ernst Herbst vor zehn Jahren „mit vollem Herzen“ die Hälfte seiner Ackerflächen auf Bio umgestellt.

So kann er das Wachstum beim Getreide vergleichen. Konventionell fährt er auf gutem Calenberger Boden bis zu 90 Doppelzentner Weizen pro Hektar ein – im Ökolandbau sind es 45 Doppelzentner. Während die konventionellen Landwirte in den vergangenen Jahren steigende Erlöse aus dem Getreideanbau erzielten, würden diese Preise im Bioanbau stagnieren, sagt Herbst. „Ich hatte mir mehr versprochen“, sagt er. Nicht ausgeschlossen sei, dass er wieder ganz zum konventionellen Anbau zurückkehrt.

Für Friedrich Maage ist dieser Schritt ausgeschlossen. „Wir haben zuletzt 39 Euro pro Doppelzentner Bioweizen bekommen“, sagte er. Die konventionellen Landwirte hätten rund 22 Euro erzielt: „Ich habe zwar nur die Hälfte des Ertrages, aber auch keine Kosten für Dünge- und Spritzmittel.“ Maage spricht nicht nur vom Geld: Die Zerfallsprodukte der sogenannten chemischen Pflanzenschutzmittel seien eine Gefahr für den Boden und somit auch für den Menschen. „Dieses Risiko gehe ich nicht ein.

Holtenser stellt seine Betriebsflächen um

Der Weizen von Harmen Gehrke ist für das geübte Auge schnell zu erkennen. In dem Feld am Vörier Berg stehen nicht nur die noch grünen Ähren dicht an dicht. Dazwischen recken sich auch immer wieder Wildgräser über den Weizen hinaus.

Aber noch etwas fällt auf der Fläche auf, die der Junglandwirt seit 2012 auf Ökolandbau umstellt. Die typischen Fahrspuren der Trecker im Feld fehlen: Sie nutzt ein Landwirt, wenn er mit dem Traktor seine Spritzmittel ausfährt. Diese als Pflanzenschutzmittel bezeichneten Chemikalien, die oft als Paket zusammen mit dem Saatgut verkauft werden, stehen in Verdacht, das Grundwasser zu verunreinigen und die Artenvielfalt zu beeinträchtigen. Gehrke verzichtet darauf.

Gehrke hat Landwirtschaft studiert und seine Diplomarbeit über die Umstellung eines großen landwirtschaftlichen Betriebs auf Ökolandbau geschrieben. „Eine spannende Wirtschaftsweise, das Studium hat mich sehr geprägt“, sagt er. Nach der Uni brauchte er nicht lange zu überlegen und nahm das Angebot aus dem Osten an: Gehrke ist heute der Betriebsleiter eines 300 Hektar großen Betriebs bei Halle/Saale.

Den seit mehr als 150 Jahren bestehenden Hof in Holtensen bewirtschaftet Gehrke meist am Wochenende. Nachdem die Flächen mehr als zehn Jahre lang verpachtet waren, müssen sie nun in der Umstellungsphase auf die schonendere Bewirtschaftung vorbereitet werden. Erst im nächsten Jahr kann er zertifiziertes Biogetreide verkaufen.

Biobauer Gehrke weiß, dass es um ganzheitliche Konzepte geht. Die Bodenvorbereitung spiele daher eine große Rolle im Ökolandbau. Eine ausgeklügelte Fruchtfolge soll die Bodenfruchtbarkeit verbessern und auch die Wildkräuter im Schach halten.

Minister lockt mit Prämien

Etwa 30 bis 40 Prozent der Deutschen kaufen regelmäßig Bioprodukte, ermittelte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Die Nachfrage wächst jedes Jahr. Die deutschen Bauern können die wachsenden Kundenwünsche nach Bioprodukten bei Weitem nicht decken. In Niedersachsen werden nur 2,8 Prozent der Agrarflächen ökologisch bebaut. Seit 2009 ist ihr Anteil sogar um 1300 Hektar auf 73.307 Hektar (Ende 2011) geschrumpft.

Wegen der wachsenen Maisanbauflächen wird es für Biobauern schwerer, bezahlbares Pachtland zu bekommen. Niedersachsen rangiert im Biolandbau nur auf Platz sechs. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer lockt im Einklang mit der neuen EU-Landwirtschaftspolitik mit deutlich höheren Flächenprämien für Ökobauern.

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HAZ-Redakteur/in Michael Hemme

So schön ist Wennigsen

Wennigsen mit seinen etwa 14.000 Einwohnern liegt beschaulich am Deisterrand. Die Anhöhe prägt die Gemeinde und bietet zahlreiche Freizeitmöglichkeiten. Im Zentrum des Ortes zeugt das Kloster von einer reichen Geschichte. Kommen Sie mit!

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