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Erste-Hilfe-Kurs für Flüchtlinge

Wennigsen Erste-Hilfe-Kurs für Flüchtlinge

Für Wennigsen ist es ein Pilotprojekt: Die Gemeinde hat den ersten Erste-Hilfe-Kurs speziell für Flüchtlinge angeboten - mit Erfolg. Das Seminar ist ausgebucht. Integrationsbeauftragte Hacer Kirli denkt deswegen schon über eine Wiederholung nach.

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Erste-Hilfe-Kurs für Flüchtlinge: Oliver Knolle von den Johannitern legt einen Teilnehmer in die stabile Seitenlage.

Quelle: Jennifer Krebs

Wennigsen. Von Ausbilder Oliver Knolle von den Johannitern gibt es durchweg Lob: „Alle machen engagiert mit und sind interessiert.“ Einige schreiben mit. Nebenbei wird leise untereinander in die Muttersprache übersetzt und sich geholfen.

Während Knolle die stabile Seitenlage und die Druckmassage zur Wiederbelebung erklärt, wechselt er zwischen Deutsch und Englisch hin und her. 30-mal drücken, zweimal Mund-zu-Mund-Beatmung - und das alles solange, bis der Notarzt eintrifft. Wichtig, schärft Knolle ein: Der Brustkorb muss frei sein. Sonst funktioniert die Druckmassage nicht. Knolle wird deutlich, gerade weil er es überwiegend mit Muslimen zu tun hat: Frauen muss auch der BH ausgezogen werden. Die Erhaltung und der Schutz des Lebens seien auch im Koran der elementarste Wert des Grundgesetzes, sagt Knolle. Als es darum ging, einen Erste-Hilfe-Kurs speziell für Flüchtlinge durchzuführen, hat er sich solche Inhalte angelesen.

Die Teilnehmer leben erst seit wenigen Monaten in Wennigsen. Zwei Schwestern, die mitmachen, kommen aus Afghanistan. Ein Vater mit seinem Sohn aus Syrien, eine andere Familie aus Persien. Deutsch oder zumindest Englisch waren Voraussetzung, um sich für den Erste-Hilfe-Kurs anmelden zu können, sagt Gleichstellungs- und Integrationsbeauftragte Kirli. Das hat von vornherein schon viele Flüchtlinge ausgegrenzt, anders ging es aber nicht. Und eine Warteliste gab es auch so.

Bei anderen Aktionen hatte die Gemeinde mitunter schon mehrsprachige Plakate drucken lassen, um dafür zu werben. Diesen Kurs hatte Kirli über die Integrationslotsen und die Ehrenamtlichen kommuniziert, die die Flüchtlinge betreuen. Zehn ausgebildete Integrationslotsen und 20 Ehrenamtliche, die genauso stark engagiert sind, nur keine Lotsen-Ausbildung absolviert haben, unterstützen zurzeit die Gemeinde.

Ortsrat organisiert Picknickausflug nach Herrenhausen

Derzeit leben 116 Flüchtlinge in Wennigsen, 64 sind schon anerkannt und besitzen einen Aufenthaltstitel. 58 weitere Flüchtlinge werden bis Ende des Jahres noch erwartet. Für Menschen, die als Flüchtlinge hierher kommen, ist vieles neu und unbekannt. Der Ortsrat will bei der Integration unterstützen. Deshalb hat er vor einem Jahr das Willkommenscafé eingerichtet, das er seitdem in unregelmäßigen Abständen anbietet. Das Willkommenscafé soll den Flüchtlingen nicht nur zeigen, dass sie willkommen sind, sondern ihnen auch helfen, miteinander ins Gespräch zu kommen und Kontakte zu knüpfen. Die Veranstaltungen sind gut besucht. Im November feierten 100 Personen auf dem Kleingartengelände, im Juli wurde gegrillt. Am Sonnabend, 22. August, gibt es einen Picknickausflug nach Herrenhausen. Treffpunkt ist um 17.45 Uhr am Bahnhof. Gepicknickt wird auf den Wiesen auf dem Wall vor dem Großen Garten, von wo man auch den Feuerwerkswettbewerb sieht. Bitte etwas zu Essen und eine Decke mitbringen.

Interview mit Wennigsens Integrationsbeauftragter Hacer Kirli

Wennigsens Integrationsbeauftragte Hacer Kirli (35) will Menschen verschiedener Kulturen einander näherbringen. Die Flüchtlingsarbeit wird ein immer größer werdender Aufgabenbereich.

Warum ein Erste-Hilfe-Kurs für Flüchtlinge? 

Die Idee bestand schon länger. Das Seminar bietet Hilfe zur Selbsthilfe. Erste Hilfe zu leisten macht vor niemanden halt und fragt nicht nach Aufenthaltsstatus. In so einer Situation ist es ein menschliches Bedürfnis zu helfen.

Unterstützung ist also wichtig?

 Ja, weil die Flüchtlinge einen Deutschkurs besuchen, im Sportverein trainieren, einer Beschäftigung nachgehen, sich selbstständig versorgen müssen und auch selbständig werden können. Jede Flüchtlingsfamilie sollte zumindest ein Fahrrad haben. Mithilfe der Ehrenamtlichen wollen wir eine Fahrradwerkstatt einrichten, um gebrauchte Räder für Flüchtlinge zu reparieren. 

Apropos Deutschkurs: Wird dieses Angebot angenommen? 

Wir haben vor einem Jahr mit sechs Teilnehmern angefangen, inzwischen sind es 19. Von Analphabeten bis hin zu Hochschulabsolventen sind alle Bildungsniveaus vertreten. Der Deutschkurs ist so konzipiert, dass alle „mitgenommen“ werden. Ab September kann sich die Gruppe dank einer erneuten Spende des Johanniter-Vereins sogar zweimal pro Woche treffen.

von Jennifer Krebs

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