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Flüchtlinge: Kraftakt für die Gemeinde

Wennigsen Flüchtlinge: Kraftakt für die Gemeinde

Premiere im Rathaus: In einer Sitzung der acht Ortsräte hat Bürgermeister Christoph Meineke einen Nachtragshaushalt erläutert - weil weitere Flüchtlinge untergebracht werden müssen. Das macht einigen Bürgern große Angst.

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Einige Bewohner der Max-Planck-Straße sind nicht damit einverstanden, dass die Gemeinde Flüchtlinge in ein leer stehendes Gebäude (rechts) einquartieren will.

Quelle: Carsten Fricke

Wennigsen. Es ist der erste Nachtragshaushalt seit zehn Jahren, sagte Michael Beermann, Kämmerer in der Gemeindeverwaltung. Notwendig wird die Nachbesserung, weil Bund und Land der Gemeinde weit mehr Asylbewerber zuteilen als geplant.

Voraussichtlich über eine Million Euro muss die Kommune in weitere Flüchtlingsunterkünfte investieren, unter anderem an der Max-Planck-Straße in Degersen und an der Linderter Straße in Holtensen. Die Ankündigung des Landes, Wennigsen mit einem Investitionszuschuss in Höhe von fast 386 000 Euro unter die Arme zu greifen, kommt der Gemeinde gerade recht.

„Wir haben mit 40 bis 50 Asylbewerbern gerechnet. Bis Ende dieses Jahres werden es 160 bis 200 sein“, sagte Meineke. Derzeit leben 110 Flüchtlinge, 75 Erwachsene und 35 Kinder in Wennigsen. Laut Meineke sind 36 von ihnen in Wennigsen, 30 in Bredenbeck, elf in Degersen, 22 in der Wennigser Mark, sieben in Sorsum und jeweils eine Person in Evestorf und Holtensen untergebracht. „Es werden täglich mehr. Deshalb richte ich einen Appell an alle Eigentümer, uns Häuser und Wohnungen anzubieten“, sagte der Verwaltungschef. „Wir wollen keine Massenunterkünfte“, ergänzte er.

Diese Einschätzung brachten einige Anwohner der Max-Planck-Straße zur Sitzung in das Rathaus mit. 80 Asylbewerber, wie von der Verwaltung geplant, in einem leer stehenden Gebäude unterzubringen, sei „bedenklich viel“, sagte Ortsbürgermeister Walter Rasch aus Degersen. Seine Forderung, die Zahl auf 40 zu reduzieren, wurde von den Anwohnern der Max-Planck-Straße unterstützt.

Diese äußerten ihre Bedenken und Ängste sehr deutlich. Ein Anwohner berichtete, dass ihn ein Polizist aus Barsinghausen vor Asylbewerbern gewarnt habe, denn mit kriminellen Handlungen und Angriffen sei zu rechnen. Schnell könnte man ein Messer im Bauch haben.

Sieglinde Chuchull (SPD) versuchte die Wogen zu glätten. Man sollte die Situation ins Positive drehen und die Flüchtlinge willkommen heißen, sagte die Bredenbeckerin. Dass Politiker und Migrationshelfer bei ihren Bemühungen an Grenzen stoßen, gab Holger Dorl, Ortsbürgermeister in der Wennigser Mark, zu bedenken. „Die Flüchtlinge fallen in ein Loch, wenn sie ankommen. Wie wollen wir sie integrieren?“ Die Verwaltung will sich professionelle Hilfe für den Betrieb der Unterkünfte holen. 120 000 Euro sind im Haushalt eingeplant für die sozialpädagogische Betreuung der Flüchtlinge und die Hausmeisterdienste in den Wohnheimen. In das Haus an der Max-Planck-Straße sollen im Herbst 40 Asylbewerber einziehen. Vielleicht bleibt es bei dieser Zahl. „Wir prüfen derzeit noch ein anderes Objekt“, sagte Meineke.

Ein Kommentar von Kerstin Siegmund

Angst vor den Fremden

Von Ghettobildung ist die Rede. Und – viel schlimmer – von einem Messer im Bauch, das Anwohner zu erwarten haben, wenn in ihrer Nähe Flüchtlinge untergebracht werden. Die Ängste der Bürger aus der Max-Planck-Straße müssen ernst genommen werden. Einige ihrer Äußerungen lassen einen trotzdem fassungslos zurück. Warum fühlen sie sich bedroht von Menschen, die sie überhaupt noch nicht kennen? Auch wenn die Zahl der Asylbewerber auf 300 steigen sollte, macht das lediglich 2 Prozent der Bevölkerung aus. Das müssten die Wennigser doch verkraften können.

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Von Redakteur Kerstin Siegmund

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