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Forstverwaltung hat Naturschutz im Blick

Wennigsen Forstverwaltung hat Naturschutz im Blick

Die Freiherr Knigge´sche Forstverwaltung sorgt sich um ihr öffentliches Ansehen. Sie will mit dem Vorurteil aufräumen, aus wirtschaftlichen Interessen den Naturschutz im Deister zu vernachlässigen. Dazu beitragen soll die unabhängige Waldschutzorganisation PEFC, die den Betrieb regelmäßig kontrolliert.

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Der PEFC-Regionalassistent Nord, Sebastian Schlag (von links), Revierleiter Thomas Seel-Schwarze, Hubertus Freiherr Knigge und Revierleiter Ralf Schickhaus zeigen einen geschützten Baum. Er beherbergt Insekten, Vögel und Gewächse wie den falschen Zunderschwamm.

Quelle: Nils Oehlschläger

Bredenbeck. Die öffentliche Wahrnehmung sei fehlgeleitet, sagt Revierleiter Ralf Schickhaus von der Freiherr Knigge´schen Forstverwaltung. "Es entsteht der Eindruck, dass der Wirtschaftswald nichts für den Naturschutz tut", sagt der Förster. Und das sei nicht zutreffend.

Aus diesem Grund hat der Bredenbecker Betrieb jüngst Studenten der Forstwirtschaft damit beauftragt, die Knigge'schen Waldflächen stichprobenartig nach "naturschutzrelevanten Ereignissen" abzusuchen. Der Umfang der daraus entstandenen Auflistung von schützenswerten Pflanzen und Tieren hat auch Schickhaus' Kollegen Thomas Seel-Schwarze überrascht. "Wir wussten zwar, dass es viel sein würde, aber waren erstaunt, wie viele es gibt", sagt Revierleiter Schwarze. Dazu habe die Untersuchung gezeigt: Die Forstwirtschaft gebrauche den Wald zwar für wirtschaftliche Zwecke, nutze ihn jedoch nicht über ein gesundes Maß hinaus, berichtet der Förster.

Dass die Forstverwaltung die seltenen Pflanzen und Tiere nicht öffentlich einsehbar machten, diene ebenso einem schützenden Zweck, sagt Schickhaus. So habe seine Erfahrung gezeigt, dass seltene Pflanzen ausgerupft oder nistende Tiere zur sensiblen Brutzeit von Fotografen gestört würden, sofern bekannt sei, wo sich diese befänden.

Um zu zeigen, dass die Freiherr Knigge'sche Forstverwaltung sich um nachhaltige Waldwirtschaft bemüht, unterzieht sie sich freiwillig der regelmäßigen Kontrolle der weltweit agierenden Waldschutzorganistion PEFC. Die Anforderungen seien strenger als die Rechtsgrundlage im niedersächsischen Waldgesetz, sagt der zuständige PEFC-Regionalassistent Sebastian Schlag. Werden die geforderten Standards erfüllt, kann der Betrieb seine geschützten Bäume durch eine Plakette öffentlich kennzeichnen oder entsprechende Schilder an Wegen platzieren.

Die Kontrollen werden jährlich durchgeführt, wobei die vom PEFC betreuten Waldwirtschaften nach Losverfahren untersucht werden. Dass in der Forstwirtschaft auf Nachhaltigkeit geachtet wird, gehe inzwischen etwa 300 Jahre zurück, erzählt Schlag. "Man hat gesehen, dass man für jeden geschlagenen Baum auch einen neuen pflanzen muss", sagt er.

Nach diesem Gedanken will auch die Knigge'sche Forstwirtschaft arbeiten - und darüber hinaus. "Wir versuchen den Wald ganzheitlich zu betrachten", sagt Revierleiter Seel-Schwarze. Dabei würden drei tragende Säulen zu gleichen Teilen berücksichtigt, nämlich der Nutzen, der Schutz sowie die Erholungsfunktion des Waldes. Neben der im Gesetz verankerten öffentlichen Zugänglichkeit der Forstgebiete und dem Schutz der dort heimischen Pflanzen und Tieren dürfe die Wirtschaftlichkeit nicht aus den Augen gelassen werden, sagt Schickhaus. "Wir leben schließlich davon, dass wir etwas produzieren und verkaufen", sagt der Förster.

Diese Sicht teilt auch Hubertus Freiherr Knigge, der seit Februar der Miteigentümergemeinschaft vorsitzt. "Natürlich habe ich auch naturschützerische Interessen", sagt er. "Aber es gibt eine Diskrepanz zwischen der romantischen Vorstellung des Waldes in der Bevölkerung und dem wirtschaftlichen Nutzen."

Waldschutzorganisation: Das ist freiwillige "Wald-TÜV" PEFC

Die Lettern PEFC stehen für "Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes", zu deutsch "Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldbewirtschaftung". Die weltweit vertretene Waldschutzorganisation stellt Betrieben Zertifikate aus, die deren nachhaltiges Engagement dokumentieren. Darum bemühen können sich alle Unternehmen, die in der Holz- und Papierproduktion ansässig sind sowie Waldbesitzer. Diese zahlen dem PEFC Geld, um das Prüfsiegel zu erhalten. Je nach Umsatzstärke des Betriebs variiert der zu zahlende Betrag. Ein kleines Unternehmen mit weniger als 1.000.000 Euro Umsatz muss demnach 60 Euro im Jahr zahlen, für ein großes Unternehmen mit mehr als 50.000.000 Euro Umsatz werden 1.500 Euro veranschlagt. Sind Produkte wie Taschentücher in einer Kette von zertifizierten Unternehmen entstanden, findet sich das PEFC-Siegel auch auf der Verpackung. Nach eigenen Angaben hat das Waldschutzprogramm bereits 70 Prozent der Waldflächen in Niedersachsen auf deren Nachhaltigkeit untersucht und zertifiziert. Das entspreche einer Gesamtfläche von 821.074 Hektar Wald. Weiter Informationen gibt es im Internet auf pefc.de.

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Da die Knigge'sche Forstwirtschaft freiwillig den Auflagen der Waldschutzorganisation PEFC folgt, kann sich diese als nachhaltig agierende Waldwirtschaft brüsten - und zeigt das mit einem Schild am Wegesrand.

Quelle: Nils Oehlschläger

Von Nils Oehlschläger

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