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Hauptstraße ist Erfolgsmodell

Wennigsen Hauptstraße ist Erfolgsmodell

55 Geschäfte, kein Leerstand – an der Hauptstraße sprechen die Zahlen für sich. Christian Mainka, Wirtschaftsförderer der Gemeinde, erläutert das Wennigser Erfolgsmodell.

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Immer was los an der Hauptstraße in Wennigsen: Die Einzelhändler profitieren davon, dass der Verkehr durch die Ortsmitte fließt.

Quelle: Stephan Hartung

Wennigsen. Ein wenig Stolz schwingt mit bei Christian Mainka. „Wir haben mit Rossmann nur einen Filialisten hier, alles andere sind inhabergeführte Geschäfte“, sagt der Gemeindemitarbeiter. Er gehört einem Arbeitskreis der Wirtschaftsförderer aus der Region Hannover an. „Wenn ich dort höre, welche Probleme es in anderen Städten und Kommunen gibt – dagegen sind wir sehr gut aufgestellt.“

Und manchmal muss sich Mainka vorkommen wie ein Konzertveranstalter, der immer noch Karten verkaufen könnte, dessen Konzertsaal aber längst ausverkauft ist. „Es gibt immer wieder Anfragen von Interessenten, aber die muss ich leider ablehnen. Wir haben keine freien Flächen.“

Was macht das Wennigser Erfolgsmodell aus? „Da gibt es zwei Faktoren“, sagt Mainka. Dazu zählt er den Verzicht auf die Fußgängerzone. „Zwar rollen jeden Tag 6000 Fahrzeuge über die Hauptstraße. Aber die Kunden können mit dem Auto auch direkt am Geschäft halten, was für eine hohe Kundenfrequenz sorgt, und damit für größere Umsätze bei den Händlern als in einer Fußgängerzone.“ Faktor Nummer zwei ist der Supermarkt als Zugpferd im Zentrum. „Auch wenn die großen Lebensmittelketten auf die grüne Wiese wollen – das bedeutet den Tod für den Einzelhandel im Ort. Vielmehr müssen die kleinen Geschäfte von der Sogwirkung profitieren können.“

Entsprechend wichtig sei es gewesen, Edeka an der Hauptstraße zu halten. Sonst würde die gewerbliche Ortsmitte heute sicherlich anders aussehen. „Das war damals vor rund sieben Jahren ein harter Kampf mit vielen Widerständen und unterschiedlichen Meinungen“, erinnert sich der Wirtschaftsförderer. Der Supermarkt wollte seine Ladenfläche von 1200 auf 2500 Quadratmeter erweitern. „Dafür musste der Bebauungsplan geändert werden“, sagt Mainka.

Schließlich hatten die Anstrengungen Erfolg, und die Inhaberfamilie Ladage investierte kräftig in ihren Standort an der Hauptstraße. Die positiven Auswirkungen für den Einzelhandel sind dort jeden Tag zu beobachten.

Geld für Sanierung ab 2018

So erfolgreich das Geschäftsmodell Hauptstraße auch ist: Weil es in Wennigsen keine Fußgängerzone gibt, rollt natürlich auch der Schwerlastverkehr über die Einkaufsstraße – vorbei an den zahlreichen Geschäften und Kunden. Das bedeutet nicht nur eine Belastung für die Ohren, sondern auch für den Straßenbelag. Bald könnte es Abhilfe geben und die Straße und die Umgebung insgesamt schöner gemacht werden. Die Hauptstraße ist in das städtebauliche Sanierungsprogramm für aktuve Stadt- und Ortsteilzentren aufgenommen worden. Die Gemeinde Wennigsen erhielt bereits den Zuwendungsbescheid von Bund und Land über 700 000 Euro. Voraussichtlich im Jahr 2018 können die Baumaßnahmen beginnen, aufgeteilt in 35 Einzelmaßnahmen über einen Zeitraum von acht Jahren.

In Degersen klappt es auch

Zwar besitzt Degersen vom Einzelhandel her nicht ein vergleichbares Angebot wie das größere Wennigsen – im kleineren Gemeindeteil funktioniert das Modell aber nach dem gleichen Prinzip. „Wie in Wennigsen befinden sich auch in Degersen die großen Supermärkte nicht auf der grünen Wiese, sondern direkt im Ortszentrum“, sagt Wirtschaftsförderer Christian Mainka. Daher könnten im Sog der Vollversorger die kleineren Anbieter mitschwimmen. Rund um die Degerser Straße zwischen Bahnhof und Bönnigser Straße gibt es einen ansehnlichen Branchenmix unter anderem mit Friseur, Partyservice und Physiotherapie. Und dass es in Degersen gut läuft, weiß Christian Mainka aus erster Hand: Manchmal nutzt er als Kunde das Physiotherapiezentrum.

Heitmüller ist schon immer da

Er ist so alt wie das Geschäft selbst: Seit 83 Jahren gibt es das Kaufhaus Heitmüller, der Standort an der Hauptstraße hat sich nie verändert. Der Familienbetrieb wird in dritter Generation geführt. „Und die vierte Generation steht schon in den Startlöchern“, sagt Senior-Chef Udo Heitmüller. Nicht nur der Betrieb fühlt sich hier wohl, offenbar auch die Kundschaft. „Es kommen auch viele Leute aus Hannover zu uns.“ Das Kaufhaus führt rund 60.000 Artikel, „von der Zigarette bis zum Gartenwerkzeug“. Außerdem gibt es eine betriebseigene Werkstatt – beispielsweise für die Frühjahrsinspektion von Rasenmähern.

Mode gehört zur Hauptstraße

Das Modehaus Müller gehört zur Hauptstraße wie das Kaufhaus Heitmüller. Zurzeit feiert es das 30-jährige Bestehen feiert. „Wir sind ja auch schon ewig hier“, sagt Inhaberin Constanze Müller und lacht. Anfangs war das Geschäft gegenüber dem Rathaus angesiedelt, 2004 sind Müllers in den Norden der Hauptstraße gezogen. Mit Erfolg: „Die Kunden wollen vor Ort einkaufen und schätzen die persönliche Beratung“, sagt die Müller. Sie beschäftigt insgesamt 15 Mitarbeiter, ein Teil davon ist in Nordstemmen tätig. Dort befindet sich eine weitere Filiale, das Kaufhaus in Wennigsen ist jedoch das Hauptgeschäft.

Zentral wohnen kann man auch

An der Hauptstraße ist nicht nur bezüglich Einzelhandel viel los – hier entsteht auch neuer Wohnraum. Zentraler kann die Lage kaum sein. Der Wennigser Rüdiger Paulmann lässt elf barrierefreie Mietwohnungen errichten. Wo derzeit die Außenanlagen des Wohnparks hergerichtet werden, befand sich früher ein altes Fachwerkhaus. Auch in beidseitiger Nachbarschaft des Neubaus stehen alte Häuser. Während in anderen Kommunen jahrelange Diskussion geführt werden, ob und wie das historische Ortsbild erhalten bleiben sollte, wird in Wennigsen gehandelt. Alt neben neu – das passt doch.

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Von Stephan Hartung

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