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Kleines Lutterfeld: Bauland oder Gräber?

Wennigsen Kleines Lutterfeld: Bauland oder Gräber?

Auf einer etwa 15 000 Quadratmeter großen Fläche neben dem Friedhof sollen nach dem Willen des Rates mehrgeschossige Bauten mit Mietwohnungen entstehen. Möglicherweise scheitern die Baupläne aber, weil es sonst keine Möglichkeit mehr gibt, den Friedhof zu erweitern.

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Im Ortskern sollen 110 Mietwohnungen entstehen - aber nur wenn eine Studie ergibt, dass langfristig kein Bedarf besteht, den Friedhof zu erweitern.

Quelle: Ingo Rodriguez/Grafik

Wennigsen. Kleines Lutterfeld – so lautet die Flurbezeichnung der Fläche neben dem Friedhof, mitten im Wennigser Ortskern. "Aufgrund ihrer Zentralität eignet sie sich besonders für eine mehrgeschossige Bebauung" - so lautet eine Einschätzung der Gemeinde in einer Beschlussvorlage, der inzwischen auch  der Rat mehrheitlich zugestimmt hat.

Demnach soll für das Flurstück ein Bebauungsplan aufgestellt werden, um die innerörtliche Entwicklung und Verdichtung voranzutreiben. Auch die Klosterkammer hat als Eigentümerin des Grundstücks bereits signalisiert, über ihre Tochtergesellschaft Liemak dort ein Bauprojekt umzusetzen – von 110 Mietwohnungen ist die Rede.

Laut Ratsbeschluss soll im weiteren Verfahren zunächst der Flächennutzungsplan angepasst werden. Bislang ist das Areal als Erweiterungsfläche für den benachbarten kirchlichen Friedhof vorgemerkt. Aufgrund der sich ändernden Bestattungskultur mit steigenden Zahlen bei Urnen- und Ruheforstbestattungen sei aber nicht mehr von einem zunehmenden Bedarf als Begräbnisstätte auszugehen, lautet die Einschätzung der Gemeinde.

Doch möglicherweise wird nun doch nichts aus den Bauplänen. Vertreter der Kirchengemeinde haben den Rat überzeugt und das Projekt vorerst auf Eis gelegt. "Bis 2040 wird für Deutschland ein 30-prozentiger Anstieg der Sterbefälle prognostiziert", sagt Michael Albrecht aus dem Friedhofsausschuss der Kirchengemeinde. Das gelte auch für Wennigsen. "In Wennigsen werden ja auch Verstorbene aus den Ortsteilen beigesetzt", sagt Albrecht. Die Fläche jetzt vorschnell als Bauland zu verplanen, würde bedeuten, den Friedhof einzumauern. "Dann gibt es keine Möglichkeit mehr, irgendwann einmal zu erweitern."

Auch der Kirchenvorstandsvorsitzende Peter Armbrust mahnt zur Vorsicht. "Der Ruheforst ist kein vollständiger Ersatz. Der Bedarf an zentral erreichbaren Ruhestätten muss auch gedeckt werden." Den Rat haben diese Argumente überzeugt. Deshalb soll jetzt eine professionell erstellte Studie abgewartet werden. Und sollte die sogenannte Friedhofsbedarfsplanung eine Erweiterungsfläche für erforderlich halten? "Dann muss der neue Rat nach den Kommunalwahlen entscheiden, wie es weiter geht. Ob ein zweiter Friedhof gebaut wird, um das Bauprojekt zu realisieren, oder ob die Ruhestätte erweitert wird", nennt Armbrust, der auch Vorsitzende des Rates der Gemeinde ist, zwei Möglichkeiten.

Aufatmen werden jetzt wohl etliche Anwohner. Sie haben den Rat schriftlich aufgefordert, die Friedhofssituation zu prüfen und frühzeitig die Öffentlichkeit am Planverfahren für ein mögliches Baugebiet zu beteiligen. Eine Anwohnerin bringt die Sorgen auf den Punkt. "Es geht vielen garnicht um den Friedhof, sondern um die Aussicht", sagt sie. Die Wennigserin sieht die Wohnbaupläne gelassen. Sie fragt sich nur: "Wie soll das neue Wohngebiet erreichbar sein, wo doch schon der Feldweg am Friedhof nicht befahren werden darf?" Bei 110 Wohnung sei auch mit 220 zusätzlichen Autos zu rechnen, spekuliert sie.

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Im Ortskern sollen 110 Mietwohnungen entstehen - aber nur wenn eine Studie ergibt, dass langfristig kein Bedarf besteht, den Friedhof zu erweitern.

Quelle: Ingo Rodriguez/Grafik
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