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Schachtelpuppen sind hölzerne Botschafter

Wennigsen Schachtelpuppen sind hölzerne Botschafter

Sie sind ein Urlaubssouvenir, eignen sich als Kinderspielzeug, aber sie transportieren auch Botschaften, skizzieren Schicksale und historische Entwicklungen. Babuschkas - unter diesem Namen sind die russischen Schachtelpuppen weltweit bekannt geworden. Monika Mainka stellt zurzeit im Heimatmuseum rund 1000 Exemplare aus.

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In vielen Formen, Größen und Variationen: Monika Mainka und Museumsleiter Harro Lange zeigen im Heimatmuseum Wennigsen eine umfangreiche Sammlung von russischen Schachtelpuppen - darunter auch Figurfolgen von Politikern, Staatschefs und anderen historischen Personen.

Quelle: Ingo Rodriguez

Wennigsen. Es ist die erste Sonderausstellung des Jahres, und es ist weit mehr als eine herkömmliche Puppensammlung einer Frau aus Wennigsen. Monika Mainka verbindet mit ihren rund 1000 Schachtelpuppen mehr als eine ausgeprägte Sammelleidenschaft. Für die Beamtin symbolisieren viele ihrer Exemplare individuelle Schicksale. Auch deshalb freut sie sich über die Chance, ihre Sammlung im Heimatmuseum zu präsentieren. "Die Figuren haben sehr viel mit Heimat zu tun", sagt sie.

Eine ihrer ersten Figurenreihen hat Mainka berufsbedingt in den 90er Jahren von einem Russland-Deutschen geschenkt bekommen. Und als Mitarbeiterin des ehemaligen Amtes für Lastenausgleich in Hannover hat sich die 57-Jährige auch viel mit Vertriebenenschicksalen und historischen Hintergründen beschäftigt. Die bekannten russischen Schachtelpuppen gehören auch zur Geschichte Russlands. Dabei findet Mainka die Babuschkas nicht einmal besonders hübsch. "Die verschiedenen Funktionen und gesellschaftspolitischen Bedeutungen haben meine Leidenschaft entfacht", sagt sie.

Mainka ist schwer zu bremsen, wenn sie sich über die Schachtelpuppen äußert. Sie hat sich ein beachtliches Wissen angeeignet - von wegen einfach witzige Puppen. "Es gibt ja sogar verschiedene Bezeichnungen und Schreibweisen: Babuschkas, aber auch Matroschkas", zählt sie nur zwei Namen auf. Die Grundbedeutung: "Babuschka heißt auf Russisch Großmütterchen", sagt Mainka. Die Ursprungsbotschaft: "Es sind bei klassischen Figurfolgen fünf ineinander verpackte identische Frauen, die symbolisieren sollen, dass in einer russischen Familie zu Lebzeiten zeitgleich fünf Generationen von Frauen möglich sind."

Die Puppen haben sich im Laufe der Zeit aber nicht nur zu einem beliebten russischen Urlaubssouvenir, sondern auch zu hölzernen Botschaftern für Charaktereigenschaften einer Person und historische Entwicklungen entwickelt. "Deshalb transportieren die Figurenreihen oft auch Bildung und Kritik", weiß Mainka. Beispielhaft findet sie eine Schachtelreihe russischer Herrscher und Politiker - vom ersten russischen Zaren über Lenin, Stalin, Chruschtschow, Breschnew und Gorbatschow bis hin zu Boris Jelzin. "Alle individuell mit persönlichen Merkmalen dargestellt", sagt Mainka. Sie zeigt auch eine Figurenreihe deutscher Bundeskanzler.

Insgesamt präsentiert Mainka weit mehr als 1000 Einzelexemplare - frei stehend, in Vitrinen, zu Themen wie Weihnachten, Hochzeit, Politik, Krankheiten und Volkskunst. Ausgestellt sind auch Babuschka-Bücher sowie Gedichte, Kinderspiele, Kommentare aus Internetforen, geschichtliche Texte und Zeitungsausschnitte. Woher sie die ganzen Figuren habe? "Zu Beginn der Sammlung von Flohmärkten, später fast immer im Internet ersteigert", sagt Mainka. Die aus Lindenholz gedrechselten Figurenfolgen werden fast ausnahmslos in russischen Werkstätten angefertigt. "Die größte bekannte misst im Umfang einen Meter und enthält 72 Puppen", weiß Mainka. Die Preise reichen von einem bis zu mehreren Hundert Euro.

Am Schluss ihrer Führung glänzt Mainka mit einem pikanten historischen Streit: "Bis heute hält sich Japan für das Ursprungsland der Schachtelpuppen", sagt sie. Die Behauptung: Eine russische Frau soll Ende des 18. Jahrhunderts von einem japanischen Mönch eine ineinander verpackte Figurenfolge von Glücksgöttern als Reiseandenken erstanden und ihr Ehemann erst später in einer russische Werkstatt die ersten Schachtelpuppen produziert haben", erzählt Mainka.

Die Ausstellung ist im Heimatmuseum bis zum 12. Juni an jedem Sonntag von 10 bis 12.30 Uhr zu sehen. An jedem ersten Sonntag im Monat (1. Mai, 5. Juni, 3. Juli) öffnet das Museum aber nicht morgens, sondern von 14.30 bis 17 Uhr.

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