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Soll KGS zu einer IGS werden?

Wennigsen Soll KGS zu einer IGS werden?

Neuer Auftakt zu einer bekannten Grundsatzdiskussion: Soll die Kooperative Gesamtschule (KGS) in eine Integrative Gesamtschule (IGS) umgewandelt werden? Welche Schulform bietet Kindern mehr Vorteile? Beeinflusst ein Wechsel die Anmeldezahlen? Darüber haben jetzt Politiker, Lehrer und Eltern diskutiert.

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Diskussion über das Schulsystem: In der KGS äußern Lehrer, Eltern und Politiker ihre Meinung zu einer möglichen Umwandlung zur IGS. Fachbereichsleiterin Barbara Zunker (Siehe Bildergalerie) verfolgt mit Tom Wedrins (Mitte) und Gert Ackermann die Wortbeiträge.

Quelle: Ingo Rodriguez

Wennigsen. Es ist kein Geheimnis: Die SPD-Fraktion im Rat der Gemeinde macht sich schon seit Jahren für eine IGS in Wennigsen stark. „Deshalb wollen wir die Diskussion neu in Gang bringen“, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Martin Ast im Forum der Sophie-Scholl-Gesamtschule und bat um Meinungsäußerungen – auch auf Wunsch der Gemeinde, die zu der Veranstaltung als Schulträger eingeladen hatte.

„KGS oder IGS? Dieses Thema begleitet die Ratspolitik schon seit Jahren“, hatte Bürgermeister Christoph Meineke in seiner Begrüßung gesagt. Er hob hervor: Mit der Einführung der Ganztagsschule, der Oberstufe und den Umbauten sei für Schulen zuletzt sehr viel erreicht worden.

Trotzdem: Um mögliche Vorteile einer IGS aufzuzeigen, hatte zu Beginn des Abends Tom Wedrins als Schulleiter der Geschwister-Scholl-Gesamtschule, einer IGS in Göttingen, grundlegende Merkmale vorgetragen: keine starre Aufteilung in Hauptschul-, Realschul- und Gymnasialzweig, stattdessen integriertes Lernen aller Kinder im gemeinsamen Klassenverband bis zur zehnten Klasse, um erst dann mit besseren Entwicklungschancen eine Entscheidung über den jeweils geeignetsten Schulabschluss und die weitere Schullaufbahn zu treffen.

Die Umwandlung von einer KGS in eine IGS sei zwar ein langer, steiniger Weg, aber es lohne sich aufzubrechen. „Im Interesse der Kinder“, sagte Wedrins. Er betonte jedoch, dass eine Diskussion stets standortbezogen erfolgen müsse.

Das versuchten die Besucher anschließend auch – mit mehr oder weniger lokalem Bezug. So bezeichneten Vertreter der Grünen eine unzureichende Berufsorientierung im Gymnasialzweig sowie die frühzeitige Entscheidung für einen bestimmten Schulzweig nach der siebten Klasse als Nachteile einer KGS. „Keine Verlierer, dafür Vielfalt“, diese IGS-Merkmale hob Grünen-Fraktionssprecherin Angelika Schwarzer-Riemer hervor. „Wir müssen als Schulstandort attraktiv bleiben“, sagte die Lehrerin. Eine Umwandlung sei aber ein langwieriger Prozess, der erst in Gang gebracht werden solle.

Auffälligen Applaus gab es für die Stellungnahme der CDU-Ratsfrau Marianne Kügler: „Nach dem gerade einmal ersten Abiturjahrgang der KGS soll doch erst einmal Ruhe einkehren, damit an dem weiter gearbeitet werden kann, was gerade zu tun ist.“ Diese Ansicht vertrat auch eine Lehrerin aus dem KGS-Kollegium: „Die SPD soll uns einfach vertrauen. Die Einführung der Oberstufe war viel Arbeit. Wir wollen zur Ruhe kommen und als KGS gucken, was integrativ noch für Möglichkeiten bestehen“, sagte die Pädagogin.

Das hatte nach seinem Einführungsvortrag zum bestehenden KGS-System auch der didaktische Leiter Gert Ackermann vorgeschlagen. „Wir wünschen uns Zeit und Vertrauen, um zu gucken, was als KGS noch mehr an Integration geleistet werden kann“, sagte er. Daran knüpfte der FDP-Fraktionsvorsitzende Hans-Jürgen Herr an: Er hoffe, dass die SPD sich an ihr Versprechen erinnere, nicht gegen den Willen des KGS-Lehrerkollegiums eine Umwandlung zu beschließen.

Herr brachte noch einen anderen Aspekt ins Spiel: Ein Großteil von Schülern aus Wennigsen gehe in anderen Kommunen auf klassische Gymnasien. „Gelingt es uns, dies mit einer IGS aufzufangen?“, fragte er gegen Ende der Diskussion. Notiz am Rande: Die KGS-Leiterin Birgit Schlesinger berichtete nach der Veranstaltung auf Nachfrage von einer Stimmungsabfrage im Lehrerkollegium. Demnach sprachen sich im vergangenen Frühjahr von 62 anwesenden Pädagogen 45 gegen eine Umwandlung zur IGS aus.

Umwandlung bedarf vieler Voraussetzungen

Um möglicherweise im Schuljahr 2018/2019 mit zunächst einem ersten IGS-Jahrgang an der Sophie-Scholl-Gesamtschule zu starten, muss die Gemeinde als Schulträger laut Fachbereichsleiterin Barbara Zunker bis spätestens Oktober einen entsprechenden behördlichen Antrag gestellt haben. Noch davor muss eine Befragung der Eltern aus den Grundschulen und Kindergärten in Wennigsen einen deutlichen IGS-Bedarf ergeben. Eine Prognose muss einer neuen IGS für zehn Jahre mindestens eine Vierzügigkeit gewährleisten. Das sind laut Zunker etwa 96 Kinder pro Jahrgang.

Deutliche Unterschiede

An Kooperativen Gesamtschulen (KGS) besuchen die Kinder vom fünften bis siebten Jahrgang sogenannte Integrationsklassen mit verschiedenen Kursen, je nach Leistungsstand, in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch. Ab der achten Klasse werden die Schüler klassenweise in Hauptschul-, Realschul- und Gymnasialzweige eingeteilt, wobei Wechsel weiterhin möglich sind.

An einer Integrativen Gesamtschule (IGS) wird dagegen bis zum Ende der zehnten Klasse auf einen gemeinsamen Klassenverband gesetzt und auf das klassische dreigliedrige System mit Schulzweigklassen verzichtet. Die Kinder sollen stattdessen von einander lernen. Innere Differenzierung ist demnach das Grundprinzip.

Bessere Entwicklungschancen versprechen sich Befürworter der IGS, weil eine Konferenz erst nach der zehnten Klasse über den jeweiligen Schulabschluss und die weitere Laufbahn entscheidet. Weitere Besonderheiten: individuelle Lernentwicklungsberichte anstatt Ziffernnoten bis zur siebten Klasse und Sitzenbleiben ist nur auf Wunsch der Eltern möglich.

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Diskussion über das Schulsystem: In der KGS äußern Lehrer, Eltern und Politiker ihre Meinung zu einer möglichen Umwandlung zur IGS. Fachbereichsleiterin Barbara Zunker (Siehe Bildergalerie) verfolgt mit Tom Wedrins (Mitte) und Gert Ackermann die Wortbeiträge.

Quelle: Ingo Rodriguez
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