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Pläne für Dorftreff geraten ins Wanken

Wennigsen/Bredenbeck Pläne für Dorftreff geraten ins Wanken

Unerwartete Hürde für das geplante Dorfgemeinschaftsthaus (DGH) in Bredenbeck: Der Sozialausschuss hält einen Mietvertrag der Gemeinde für Quartiersarbeit im künftigen DGH aus Kostengründen nicht unbedingt für notwendig. Dann fließen aber auch keine Fördergelder. Das Projekt droht zu scheitern.

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Der Dorfverein will eine denkmalgeschützte Scheune im Ortskern von Bredenbeck zu einem Gemeinschaftsthaus umbauen. Im ersten Stock sollen laut Entwurfsplanung (Bild unten) Räume an die Gemeinde für kommunale Quartiersarbeit vermietet werden.

Quelle: Ingo Rodriguez

Wennigsen/Bredenbeck. Kein Mietvertrag, keine Sicherheit für ein Darlehen, keine Quartiersarbeit, keine Fördergelder für Integrative ländliche Entwicklung - kein DGH, drei Jahre Arbeit umsonst: So lässt sich das Horrorszenario des Dorfgemeinschaftsvereins nach der Sitzung im Schnelldurchlauf zusammenfassen.

Der Sozialausschuss verweigerte wegen Beratungsbedarfes seine Zustimmung für einen langfristigen Mietvertrag über 20 Jahre. Stattdessen soll erst in der Ratssitzung am 16. Juni endgültig entschieden werden, ob es für die Gemeinde angesichts des Schuldenstandes zwingend notwendig ist, zusätzliche Räume für sozial-integrative Ortsteilarbeit anzumieten. Insgesamt mehr als 300.000 Euro Miet- und Nebenkosten, das sei selbst auf 20 Jahre verteilt als freiwillige Leistung und nicht als Pflichtaufgabe eine große Summe - so lautete fraktionsübergreifend die Begründung.

Die Mitglieder aus dem Vorstand des Dorfvereins waren nach der etwa dreistündigen Sitzung im Bürgersaal fassungslos. "Ich bin enttäuscht, diese Einwände hätte ich vom Finanzausschuss erwartet, aber nicht vom Sozialausschuss", sagte der Vorsitzende Thomas Behr niedergeschlagen. Kurz zuvor hatten die Kommunalpolitiker in nur wenigen Minuten das gesamte Projekt ins Wanken gebracht. Fast drei Jahre nach der Vereinsgründung droht den mühevoll und ehrenamtlich ausgearbeiteten Plänen für ein Gemeinschaftshaus nun auf der Zielgeraden das Aus. Der Umbau einer denkmalgeschützten Scheune im Dorfkern könnte noch vor dem Kauf der Immobilie scheitern.

Wenn die Gemeinde im geplanten DGH keine Räume für Quartiersarbeit anmiete, fehle dem Verein nicht nur eine Sicherheit für einen Kredit. "Dann bricht auch eine tragende Säule im integrativen Konzept weg", betonte der stellvertretende Vorsitzende Rainer Hahne. Die Folge: keine Fördergelder - trotz bereits erteilten Zusage über eine Summe von rund 254 000 Euro. "Es wäre beschämend, wenn ich am 22. Juni bei der Übergabe des Fördergeldbescheides sagen müsste, dass die Politik nicht hinter unseren Plänen steht", sagte Behr zum Abschluss der Beratungen.

Zuvor waren sich die Kommunalpolitiker der Tragweite ihrer Aussagen offenbar gar nicht bewusst. "Die gesamten Mietkosten sind angesichts eines Schuldenstandes von rund 60 Millionen Euro kein Pappenstiel. Und was soll die Gemeinde im neuen DGH als Pflichtaufgabe leisten, was sie nicht schon bisher tut?", fragte FDP-Ratsherr Hans-Jürgen Herr. Mann könne auf die Idee kommen, es sei ein auf 20 Jahre verteilter Zuschuss von rund 300.000 Euro.

Auch Eike Werner (CDU) räumte ein: "Es wirkt wie ein Kredit zur Förderung der zweitgrößten Ortschaft. Einwände der Kommunalaufsicht sind zwar nur theoretisch möglich, aber die Größenordnung der Summe macht Bauchschmerzen." Die Sache sei förderungswürdig, aber es sei unehrlich eine Notwendigkeit für Quartiersarbeit vorzugeben, sagte Werner. Auch in anderen Orten sei in der Vergangenheit kein Geld für Gemeinschaftshäuser geflossen. Im Corvinus-Zentrum in der Wennigser Mark sei es ein Kindergarten und damit eine Pflichtaufgabe gewesen, so der CDU-Ratsherr.

Zuvor war es auch Fachbereichleiterin Barbara Zunker nicht gelungen, die geplante Quartiersarbeit als Pflichtaufgabe zu beschreiben. Senioren, Kinder- und Jugendarbeit, Vorträge, Flüchtlingshilfe: "Diese Aufgaben werden bislang auch schon von der Gemeinde gelöst, ohne Pflichten zu vernachlässigen", fasste Herr zusammen. Gleichwohl: Angesichts eines fehlenden Treffpunkts in Bredenbeck und wegen des großen bürgerlichen Engagements im zweitgrößten Wennigser Ort wollen die Politiker fraktionsübergreifend noch einmal genau abwägen.

Das Konzept

Vor gut einem Monat haben die Mitglieder des Dorfgmeinschaftsvereins Bredenbeck den Vorstand beauftragt, für rund 1,1 Millionen Euro eine 1893 errichtete denkmalgeschützte Scheune zu kaufen und zum Dorftreff umzubauen – auf zwei Etagen, mit Fahrstuhl, Mehrzweckraum, Quartiersarbeit, Gastronomie, Toiletten, Umkleiden, Clubraum, Küche sowie Außenbewirtschaftung. Die Gesamtkosten werden über Fördermittel und Spenden in Höhe von bis zu 515.000 Euro finanziert. Ein Kredit soll mit Mieteinnahmen und Nutzungsentgelten getilgt werden.

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Der Dorfverein Bredenbeck will eine denkmalgeschützte Scheune im Ortskern kaufen und zum Gemeinschaftshaus umbauen. Weil die Gemeinde Wennigsen im geplanten Gebäude für 20 Jahre Räume anmietet, ist das integrative Nutzungskonzept (siehe Grafiken in der Bilderstrecke) gerettet, und die eingeplanten Fördergelder können fließen.

Quelle: Ingo Rodriguez
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