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Tom konnte schon immer rückwärts sprechen

Wennigsen Tom konnte schon immer rückwärts sprechen

Tom Nowak aus Wennigser Mark hat ein besonderes Talent: Er kann rückwärts sprechen. Erstaunlich schnell gibt er komplexe Wörter und ganze Sätze verkehrt herum wieder - und muss dafür nicht einmal üben. „Ich musste das nie üben, ich konnte das sofort“, sagt Tom.

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Tom Nowak (15) aus Wennigser Mark liest gerne in Büchern - vor allem rückwärts.

Quelle: Nils Oehlschläger

Wenniger Mark. Fragt man Tom Nowak, welche Sprachen er spricht, lautet seine Antwort: „Deutsch, Englisch, Spanisch und Rückwärts.“ Denn was der 15-Jährige aus Wennigser Mark von sich gibt, klingt tatsächlich wie eine eigene Sprache – auch, wenn er deutsche Wörter ausspricht. Nur eben verkehrt herum. Tom tut dies aber nicht wie jedermann, er ist dabei ausgesprochen schnell und kann in kurzer Zeit bereits längere Sätze rückwärts aufsagen. „Ich musste das nie üben, ich konnte das sofort“, sagt er.

Angefangen habe das Ganze, als er begonnen habe, lesen zu lernen, sagt der 15-Jährige. Sechs oder sieben Jahre wäre er alt gewesen, als seine Mitschüler aus Spaß anfingen, ihren Namen umgekehrt auszusprechen. „Ich glaube das kann jeder und das macht jeder mal“, sagt Tom. „Ich habe das dann auch bei anderen Wörtern versucht und gemerkt, dass ich das ziemlich schnell kann.“ Als er seiner Mutter sein spezielles Talent demonstrierte, sei diese verblüfft gewesen. „Sie hat gesagt, dass das wirklich echt nicht jeder kann“, erinnert sich Tom.

Inzwischen liest er flüssig die Zeitung von hinten nach vorne oder schnappt sich bei Gelegenheit ein Lexikon mit medizinischen Fachbegriffen aus dem breit aufgestellten Bücherregal im Wohnzimmer. Dabei testet sich Tom an schwierigeren Begriffen. Er sagt Wörter wie Hirnmanteldicke, Vorderseitenstrangsystem, Lippenkiefergaumenspalte, Muskelkontraktion oder abdominale Elektrokardiographie einfach rückwärts auf. „Das ist auch nicht anstrengend oder so“, sagt Tom.

"Ich lese das wie ein Scanner"

Wie er das macht? „Ich stelle mir das Wort vor. Dann zoome ich an das Ende des Wortes ran und gehe wie ein Scanner von Ende des Wortes an den Anfang und lese es dabei vor“, sagt der 15-Jährige. Schwieriger würde es bei längeren Wörtern oder Sätzen. „Die Teile ich dann in Grüppchen auf, dann geht es viel leichter“, sagt er.

Begegnete er fremden Leuten und demonstriere dann seine Fähigkeit, reagierten diese meist ziemlich überrascht, sagt Tom. „Manche sagen, das ich die locker reinlege und wollen das am besten dreimal überprüfen.“ Seine Freunde vom Hannah-Arendt-Gymnasium in Barsinghausen hätten sich aber inzwischen daran gewöhnt. „Meine Freunde wissen das natürlich alle und erzählen das auch gerne mal weiter“, sagt der Rückwärtssprecher.

Als Geheimsprache mit seinen Schulfreunden tauge das Rückwärtssprechen auch nicht wirklich. „Man könnte es vielleicht aufnehmen, einem Freund schicken, und der spult es dann wieder andersrum ab, sodass es für ihn wieder richtigrum klingt“, überlegt Tom. „ Aber so in einem Dialog, das würde er dann nicht verstehen.“ Dazu könne er nicht einschätzen, ob diese Fähigkeit leicht erlernbar wäre. „Ich musste es ja nie machen. Aber ich glaube, das wäre dann zu schwer“, sagt Tom.

"Wikipedia sagt dazu nichts"

Begeistern würde ihn seine Fähigkeit nicht - eher die Funktion, die es mit sich bringe. „Es ist gut, wenn man neue Leute kennenlernt, um die Stimmung aufzulockern oder das Eis zu brechen“, sagt er. „Viel bringt mir das aber nicht.“ Nur, dass er relativ gut in Rechtschreibung sei, weil er sich viele Wörter vorstelle und eben viel lese, sei dazu noch ein positiver Effekt.

Zwar habe er gehört, dass es noch andere Menschen gebe, die ebenfalls ein Talent dafür haben, Wörter rückwärts zu lesen und zu sprechen – kennen würde er aber niemanden. „Ich habe das schon gegoogelt“, sagt Tom. „Es gibt nur ein Video im Internet von einem Mädchen aus Amerika, aber Wikipedia sagt dazu auch nichts.“

Inzwischen spreche er nicht mehr so viel rückwärts wie früher, sagt der 15-Jährige. „Es kommt ein bisschen weniger vor, weil man sich eben auf andere Dinge konzentriert.“ So will er das kommende Schuljahr gerne in Kanada verbringen. Ob er dort bei seinen neuen Bekanntschaften das Eis mit Rückwärtssprechen brechen möchte? „Ich werde es auf jeden Fall versuchen“, sagt Tom und grinst.

Von Nils Oehlschläger

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