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Wolfsexperte rät: Krach machen

Steinkrug Wolfsexperte rät: Krach machen

Für Wolfsberater Thomas Behling ist zumindest das Foto aus Steinkrug ziemlich eindeutig: Größe, Haltung und Fellzeichnung seien die eines Wolfes. Am Osterwochenende waren im Süden der Region mehrere Wolfs-Sichtungen aus Steinkrug, Empelde und Ingeln-Oesselse gemeldet worden.

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Der Wolf ist da: Diese Foto haben Augenzeugen mit dem Handy in Steinkrug gemacht. 

Quelle: privat

Steinkrug. Behling vermutet, dass es sich dabei um dasselbe Tier handelt. Für den Experten kommt das alles nicht überraschend. Auf der Suche nach einem Revier legen die Tiere oft Hunderte Kilometer zurück, allein in einer Nacht können sie bis zu 80 Kilometer weit laufen. "Auf ihrer Durchreise können sie überall auftauchen", sagt Behling.

Was sollte ich tun, wenn der Wolf tatsächlich vor mir steht?

"Sich auffällig verhalten und Krach machen", empfiehlt Behling, der einer von drei ehrenamtlichen Wolfsberatern in der Region Hannover ist. Distanz halten, Hunde an die Leine nehmen und den Rückzug antreten. Der Förster rät zur Vorsicht: "Man sollte sich nicht näher heranschleichen, nur weil man mit dem Handy ein noch besseres Foto machen will."

Ist der Wolf gefährlich?

Normalerweise würden Wölfe kein aggressives Verhalten gegenüber Menschen zeigen, sie seien scheu und flüchten. "Dennoch ist er ein Raubtier", sagt Behling. Und ein Restrisiko bleibe damit. "Ich halte die Wahrscheinlichkeit, dass irgendetwas passiert, aber für ausgesprochen gering", sagt Behling.

Können meine Kinder jetzt noch im Wald spielen gehen?

"Ja." Da legt sich Behling fest.

Ist überhaupt zu erwarten, dass sich der Wolf hier ansiedelt?

Der Wolf streift auf der Suche nach geeigneten Revieren und Partnern umher. Er braucht Nahrung und sein Rückzugsgebiet. "Jedes Rudel beansprucht sein eigenes Territorium, das gegenüber fremden Rudeln verteidigt wird", erklärt der Experte. Die Größe der Reviere variiert, Behling spricht von durchschnittlich 250 Quadratkilometern. Zum Vergleich: Der Deister hat nur etwa ein Drittel dieser Fläche.

Was frisst ein Wolf? "Rehe, Rothirsche und Wild", zählt Behling auf. Wölfe haben aber auch schon Nutztiere wie Schafe und Kälber gerissen.

Wie können Landwirte ihre Weidetiere schützen? Der Wolf ist schlau. Einfache Zäune reichen nicht. "Er kriecht entweder unten durch oder springt darüber", sagt Behling. Deswegen sollte es ein Elektrozaun sein, der mindestens 1,20 Meter hoch und oben zusätzlich mit Stacheldraht gesichert ist.

Was sollte ich tun, wenn ich einen Wolf gesichtet habe?

Auf keinen Fall hinterherlaufen, aber, wenn möglich, ein Foto machen und einen Wolfsberater kontaktieren. Eine Liste mit den Ansprechpartnern für die Region Hannover findet man im Internet auf nlwkn.niedersachsen.de. "Mein Telefon steht seit dem Wochenende nicht mehr still", erzählt Behling. Er und seine Kollegen nehmen alle Sichtungen und Spuren, die ihnen gemeldet werden, zu Protokoll und geben die Informationen an die Landesjägerschaft weiter. Diese macht das Wolfsmonitoring für das Land Niedersachsen, mit dem die Ausbreitung des Wolfes wissenschaftlich dokumentiert wird.

"Mit lief ein Schauer über den Rücken"

Eigentlich sollte der Zielort des Ausflugs, die Marienburg, für Hilke Petersen und ihre Familie der Höhepunkt des Ostersonntags sein. Etwa 200 Meter nach dem Ortsausgang von Empelde kreuzte dann aber ein Wolf am helllichten Tag die Ronnenberger Straße. "Ich habe noch zu meinem Mann gesagt: ,Pass auf, das kommt ein Hund'", erzählt Petersen. Beim näheren Hinsehen wurde ihr aber klar, dass es sich um ein seltenes Wildtier handelte. "Wir waren alle ganz schön schockiert", erzählt sie.

Als die Familie, die mit zwei Autos unterwegs war, an der Marienburg ankam, rangen alle noch nach Fassung. "Wir haben gesagt: ,Oh Gott...' Wir hatten so etwas noch nie erlebt", sagt sie. Schnell wurde per Smartphone die Gefahr abgeschätzt - nicht für die eigene Familie, die ja im Auto saß, aber schließlich habe sie am Empelder Ortsrand auch spielende Kinder beobachtet. "Bei dem Gedanken lief mir ein Schauer über den Rücken", sagt Petersen. Sie habe davon gehört, dass die Tiere in der dritten oder vierten Generation zunehmend die Scheu vor dem Menschen verlören.

Wenn Petersen von anderen Sichtungen gehört habe, dachte sie stets: "Die sollen sich doch nicht so anstellen", erzählt sie. Nun muss sie einräumen, dass sich eine Begegnung mit einem leibhaftigen Wolf doch "komisch anfühlt".

Jedes Jahr werden es 30 Wölfe mehr

Der Wolf erobert in Deutschland zunehmend mehr Territorium. Gut 85 Wölfe sollen es in Niedersachsen inzwischen sein - mit einer Zuwachsrate von 30 Prozent. "Dann sprechen wir hier von etwa 30 Wölfen, die jedes Jahr dazukommen", rechnet Wolfsberater Thomas Behling vor. Wäre es da nicht besser, den Wolf zu töten, bevor er wieder zu einem Problem wird? "Wieso Problem?" fragt Behling. Der böse Wolf aus dem Märchen schwinge oft mit. Dabei sei in Europa bislang kein Fall bekannt, bei dem ein gesunder und wildlebender Wolf einen Menschen absichtlich attackiert hätte.

Auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hält den strengen Schutz der Wölfe weiter für gerechtfertigt, wie sie jetzt in einem Interview mit NDR 1 Niedersachsen betonte. Eine Obergrenze einzuführen, wie in Niedersachsen von der CDU gefordert, lehnt sie ab. Dass der Bestand der Tiere groß genug ist, um den Wolf zu bejagen, sieht die SPD-Politikerin nicht: "Das ist ganz sicher noch nicht der Fall." Hendricks verwies darauf, dass auch schon jetzt verhaltensauffällige Wölfe erschossen werden können. Die Konflikte hält die Ministerin für lösbar - mit finanziellen Hilfen für die Nutztierhalter, mit Zäunen und Herdenschutzhunden.

Von Jennifer Krebs und Uwe Kranz

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