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Zu wenig Früchte: Obstbörse hört auf

Wennigsen Zu wenig Früchte: Obstbörse hört auf

Vom Erfolgs- zum Auslaufmodell: Durch die Wennigser Obstbörse haben 26 Jahre lang überschüssige Gartenfrüchte kostenlos dankbare Abnehmer gefunden. Nun hat Organisatorin Nicole Ehnert ihre ehrenamtliche Vermittlung enttäuscht eingestellt. Der Grund: Es melden sich kaum noch Anbieter.

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Nicole Ehnert (rechts) blättert mit Nachbarin Christine Sonnenberg in einem Ordner mit Angebotslisten und Zeitungsartikeln über die Obstbörse. Rückblick: Im Jahr 2009 ruft Ehnert mit einem großen Plakat zur Teilnahme an dem Vermittlungsservice auf. 2011 verleiht Wennigsens Bürgermeister Christoph Meineke ihr den Umweltpreis der Gemeinde und überreicht ihr einen Apfelpflücker.

Quelle: Ingo Rodriguez/Archiv

Wennigsen. Auf dem Anrufbeantworter teilt es die langjährige Betreiberin unmissverständlich mit. Anrufer der Obstbörsennummer hören eine überraschende Ansage: "Es tut uns sehr leid, aber die Obstbörse hat ihren Betrieb eingestellt", sagt die 62-jährige Ehnert auf dem Band - kein Piepton, eine Nachricht mit Obstwünschen zu hinterlassen, ist nicht mehr möglich.

Ehnert ist die Enttäuschung anzumerken. "Es ist frustrierend, den vielen Interessenten mangels angebotener Früchte abzusagen", erzählt sie. Schon seit 17 Jahren betreut Ehnert die von den Wennigser Grünen 1991 eröffnete Obstbörse. 2011 erhielt das Grünen-Ortsverbandsmitglied für ihren ehrenamtlichen Service sogar den Umweltpreis der Gemeinde.

Jahrelang war das Prinzip ein Erfolgsmodell. Wenn sich zu Beginn des Sommers viele Gartenbesitzer über die ersten reifen Früchte freuten, war dies der Startschuss: Überschüssige Früchte wurden kostenlos an dankbare Abnehmer vermittelt – gepflückt oder zum Selbstpflücken. Ehnert koordinierte Angebot und Nachfrage - beginnend im Juni mit Kirschen, bis zum November mit späten Äpfeln, Nüssen und Quitten. Der Hintergrund: Die Grünen wollten mit ihrer Initiative verhindern, dass unbehandelte Nahrungsmittel aus heimischen Garten verderben und unnötig Obstbäume gefällt werden.

Nun hat das einstige Erfolgsmodell aber offenbar ausgedient. "Schon im Sommer 2016 hatte ich im Angebot nur noch vier Apfelbäume, keinen Kirschbaum, drei Mirabellenbäume, zwei Quittenbäume, einen Nussbaum und drei Johannisbeerbüsche", sagt Ehnert und blättert in einem Ordner mit Listen. Zwölf Anbieter - denen sie zum Teil auch noch habe hinterher telefonieren müssen: "Das hat einfach nicht mehr die Nachfrage gedeckt. Ich hatte allein 24 Interessenten für Äpfel und musste jonglieren, damit jeder wenigstens einen kleinen Teil bekommt."

An Interessenten habe es ohnehin nie gefehlt. "Nicht nur aus Wennigsen, Barsinghausen, Gehrden und Ronnenberg - im vergangenen Jahr kamen auch Anrufe aus Hannover, Wunstorf und Pattensen", sagt Ehnert. In guten Obstjahren habe sie jeden Abend etwa eine Stunde lang herum telefoniert, um Anbieter und Interessenten zusammen zu bringen. "Aber es ist frustrierend, den Anrufern eine Abfuhr zu erteilen, anstatt zu vermitteln", sagt Ehnert. Sie glaubt: "Die Anbieter mit großen Gärten und vielen Bäumen werden immer älter. Es fehlen jüngere Eigentümer mit viel überschüssigem Obst."

Ehnert räumt aber ein, dass es noch einen weiteren Grund für das Ende der Obstbörse gibt: "Ich werde Wennigsen 2020 verlassen und aus privaten Gründen zu Beginn meines Ruhestandes nach Bremen ziehen", sagt die studierte Psychologin. Nur: "Ich habe bislang keinen Nachfolger gefunden, der die ehrenamtliche Vermittlung nach meinem Abschied übernimmt." Die Wennigser Grünen habe sie als einstige Initiatoren längst über ihren Ausstieg informiert. "Vom Ortsverband will die Einrichtung niemand übernehmen." Eine interessierte ehemalige Stammkundin sei Anfang des Jahres wegen Krankheit abgesprungen. Nun hat Ehnert ihre Pressearbeit eingestellt und den Anrufbeantworter neu besprochen, keine Plakate und Aushänge mehr - Ende, aus, vorbei.

Trotzdem gibt es noch einen kleinen Hoffnungsschimmer: Wenn sich doch noch jemand für die Vermittlung finden lasse und frischen Wind in die Angebotsflaute bringen würde, wolle sie einen möglichen Nachfolger "behutsam einarbeiten", verspricht Ehnert. Sie kann sich auch vorstellen, dass ein jüngerer Obstbörsenbetreiber Angebot und Nachfrage künftig über eine Internetseite verwaltet und koordiniert. "Das erspart viele Telefonate", meint Ehnert. Interessenten erreichen sie unter Telefon (05103) 706107.

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