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Abenteuer-Reise nach Tadschikistan

Luthe/Duschanbe Abenteuer-Reise nach Tadschikistan

Der Luther Thorsten Knaack hat über seine dreiwöchige Charity-Rallye nach Tadschikistan mit einem alten Feuerwehrauto im August jetzt einen ausführlichen Bericht geschrieben. Wir geben einen Auszug davon wieder.

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Am Ufer des Aralsees: Alexander Sosna (von links), Marc Pöcking, Thorsten Knaack und Joachim von Dörnberg mit ihrem Feuerwehrauto.

Quelle: Thorsten Knaack

Luthe/Duschanbe. Spätestens am Start der Rallye war klar: Das wird kein alltägliches Unterfangen, dem wir vier Jungs (Thorsten Knaack, Joachim von Dörnberg, Alexander Sosna und Marc Pöcking) uns in den drei Wochen stellen wollten: 30 Teams sind mit ihren Autos ins nahe München gelegene Hohenthann gekommen, um ihre Gefährte für einen guten Zweck in die 10 000 Kilometer entfernte Hauptstadt Duschanbe zu bringen.

Der erste Tag verlief in unserem 30 Jahre alten Feuerwehrauto normal. Aber schon in Österreich merkten wir: Wenn man geplante Strecken und feste Pläne verlässt, erlebten wir was. So lernten wir beim ersten Tankstopp Österreicher kennen, die uns zu einer Poolparty einluden, als sie unser Auto ohne Klimaanlage sahen.

In den nächsten Tagen führte unser Weg nach Ungarn und Rumänien. Je weiter wir nach Osten fuhren, umso schlechter wurden die Straßen. Dafür wurden die Menschen immer freundlicher, man winkte uns überall zu. Kleinere Reparaturen am Auto verzögerten wie die zunehmend hügelige Landschaft die Fahrt - wir fuhren auf die Karpaten zu, zur Rallye-Checkpoint-Party.

Natürlich hatten wir dann wegen des Bürgerkriegs ein mulmiges Gefühl, als einziges Team durch die Ukraine zu fahren. Völlig blind fuhren wir natürlich nicht in ein solches Abenteuer: Wir informierten uns täglich über die Situation. Einen Abstecher auf den Maidan in Kiew konnten wir uns aber nicht verkneifen.

Der Grenzübertritt nach Russland stellte den schwierigsten aller Grenzen dar, da wir fünf Stunden überprüft, gescannt und durchsucht wurden. Trotzdem merkten wir: Gastfreundschaft wird in Russland großgeschrieben. Volgograd (das frühere Stalingrad) war der interessanteste Höhepunkt in Russland für uns.

Merklich änderte sich das Klima, bis wir im Süden Russlands östlich des Wolgadeltas in der Halbwüste angekommen waren. Bevor es über die russisch-kasachische Grenze ging, füllten wir unsere Vorräte auf (die Tankstellendichte nahm gen Osten spürbar ab!). In Kasachstan stellten wir einen deutlichen asiatischen Einschlag der Menschen fest. Was die Landschaft anging, so befanden wir uns nun vollends in der Sandwüste. Auf den Straßen gab es mehr Schlaglöcher als Asphalt. Es war egal, wo wir unser Nachtlager aufschlugen. Kasachstan sah für uns überall gleich aus: flach und voller Sand. So heiß es allerdings tagsüber war, so kalt wurde es in der Nacht.

Wir wurden durch die wirklich gut ausgebauten Städte dort allerdings überrascht. Bemerkenswert war auch ein kurzer Abstecher nach Baikonur, dem russischen Weltraumbahnhof. Nichtsdestotrotz stellte Kasachstan für uns einen harten Brocken aufgrund der Eintönigkeit dar, und wir waren froh, nach fünf Tagen in Kirgisien einreisen zu können. Dort erwartete uns ein herrliches Bergpanaroma, es ging schließlich endlich in die ersten Ausläufer des Himalayas und über das 7000 Meter hohe Pamirgebirge.

Unsere Straße führte uns zu Beginn in Kirgistan durch eine Schlucht, immer weiter die Berge hinauf. Die Luft kühlte sich deutlich ab. An unserem Auto mussten wir erst die Gangschaltung reparieren und später fortlaufend die Bremsen mit Wasser kühlen.

Wir kamen ins sogenannte Fergenatal, eine sehr fruchtbare Tiefebene, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion unter den dann entstandenen Staaten aufgeteilt wurde - man ist sich aber immer noch nicht ganz einig über den Verlauf der Grenze, und es gibt viele Minen entlang dieser. Größtmögliche Vorsicht war geboten. Nun gab es Gerüchte, dass der Pamirhighway von Kirgistan nach Duschanbe heftigen Regenfällen „zum Opfer“ gefallen sein sollte. Ein Telefonat per Satellitentelefon mit der deutschen Botschaft in Duschanbe brachte Klarheit: Wir mussten die Ausweichroute nehmen. Wir alle hatten ein mulmiges Gefühl, führte sie doch entlang der afghanischen Grenze.

Hinauf ging es auf den Hochebenen Kirgistans zum letzten Abschnitt. Die Straßen brachten uns schließlich zum Kyzyl Art Pass (4336 Meter hoch), der Grenze zu Tadschikistan! Die Freude war riesengroß, endlich schon mal das Zielland erreicht zu haben. Den folgenden Tag brachten wir ganztägig in großer Höhe zu. Erste Anzeichen von Höhenkrankheit begannen sich abzuzeichnen. Bei unseren Nachtlagern konnten wir ein Lagerfeuer nur aus Ziegenkot machen, um uns zu wärmen, da es keinerlei Vegetation gab.

Nach dem Pass ging es fortan bergab, entlang des Pamirflusses, dem Grenzfluss zwischen Tadschikistan und Afghanistan. Wir folgten diesem Fluss 700 Kilometer. Die Straßen bestanden großteils nun nicht mehr aus Kies und Geröll, sondern zunehmend aus ganz leichtem Sand. Ständige Kontrollen machten das Vorankommen nicht leichter, aber inzwischen hatten wir einen ganz guten Umgang mit den Soldaten gefunden. So sind wir unterwegs jede Menge Kaffee, Zigaretten oder Kuscheltiere für deren Kinder als Bestechung losgeworden.

Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug lediglich 15 Kilometer pro Stunde. Schließlich kamen wir aber zu unserem letzten Streckenabschnitt nördlich der Grenze und mussten nur noch die letzten Kilometer nach Duschanbe zurücklegen. Wir freuten uns so sehr auf unsere Ankunft, dass wir durch die Dunkelheit weiterfuhren, um nach drei Wochen und 9712 Kilometern unser Ziel in Zentralasien zu erreichen. Wir sangen bei der Einfahrt nach Duschanbe überglücklich unsere Evergreens der Reise, nachdem wir uns in die Arme fielen. Die Rallyeorganisatoren von TAM luden uns noch in eine Kneipe ein, dort trafen wir die anderen Rallyeteams, die bereits vor uns angekommen waren.

Es blieb nur noch die Übergabe unseres Feuerwehrautos an die örtlichen Behörden. Uns war sehr daran gelegen zu erfahren, was genau die Hilfsorganisation „Habitat for humanity“ mit unserem Boliden geplant hatte, und vor allem, wo er zum Einsatz kommen sollte. Spätestens auf dem neunstündigen Rückflug wurde uns bewusst, wie weit wir tatsächlich gefahren sind. Eine unvergessliche Zeit ging zu Ende.

Von Thorsten Knaack

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