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Asbest bleibt schwere Hypothek

Luthe Asbest bleibt schwere Hypothek

Die Asbestverarbeitung der früheren Firma Fulgurit bleibt eine schwere Hypothek - nicht nur für die Umwelt, sondern vor allem für die Menschen in der Region. Offiziell anerkannt sind bis heute 168 frühere Beschäftigte an den Folgen für die Gesundheit gestorben.

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In der Firma Fulgurit sind jahrzehntelang asbesthaltige Bauelemente gefertigt worden - zeitweise mit 1300 Mitarbeitern.

Quelle: Archiv

Wunstorf. Asbest - um diesen gefährlichen Stoff ging es in den vergangenen Jahren in der Öffentlichkeit vor allem im Zusammenhang mit der Halde, die die frühere Bauelemente-Firma Fulgurit an der Adolf-Oesterheld-Straße hinterlassen hat. An die gesundheitlichen, oftmals tödlichen Folgen für die Menschen hat jetzt eine Münchnerin erinnert, die als Kind zeitweise auf dem Gelände gelebt hat. „Ich habe eine Höllenangst, dass ich auch etwas abbekommen habe“, sagt sie und hat mehrere Krebstote aus ihrer Familie dabei vor Augen.

Tückisch ist, dass Asbestose und davon ausgelöster Lungenkrebs oft erst Jahrzehnte nach dem Kontakt mit Asbest ausbrechen. Viele Betroffene müssen deshalb lange mit der Ungewissheit leben.

Schon seit den Dreißigerjahren waren die beiden Diagnosen als Berufskrankheiten anerkannt. Seit 1972 organisiert eine Zentralstelle für die Berufsgenossenschaften regelmäßige Untersuchungen. Nach ihren Zahlen sind unter den früheren Luther Beschäftigten in 534 Fällen Berufskrankheiten anerkannt worden. 168 Menschen davon sind bis heute an den Folgen gestorben. Zur Vorsorge werden noch 94 nicht Erkrankte eingeladen.

Bei diesen Zahlen geht es aber auch nur um die Menschen, die beruflich mit Asbest zu tun hatten und in der Zeit erfasst worden sind, als man sich der Gefahren bewusst geworden war. Doch auch andere sind mit dem tückischen Stoff in Berührung gekommen. Von der Münchnerin hatte der Großvater bei Fulgurit gearbeitet und mit der Familie auch auf dem Werksgelände gelebt. „Opa ist später grauenvoll zugrunde gegangen“, sagt sie. Die Enkelin war in den Vierzigerjahren als Kind oft auf dem Grundstück, in dessen Umgebung nach ihrer Erinnerung Asbestplatten und -röhren vielfach herumlagen.

Sie beunruhigt auch, dass der Garten der Familie mit Wasser aus einem Grundwasserbrunnen betrieben worden ist - Früchte aus ihm hat auch sie regelmäßig gegessen. Auf der anderen Seite hat sie aber auch mitbekommen, wie gut Firmengründer Adolf Oesterheld verdient hatte. Deshalb sieht sie es als große Ungerechtigkeit, dass keine Nachfolger heute für die Folgen geradestehen müssen. In Sachen Halde hatte die Region Hannover zumindest einen Versuch unternommen, war damit aber gescheitert.

Firmenhistorie: die Erfolgsgeschichte endet abrupt

Adolf Oesterheld, einstiger Direktor der Continental in Hannover, hat das Unternehmem Fulgurit 1912 gegründet, um seine Patente für die Asbestfaser-Produktion zu Geld zu machen. Die extrem haltbaren Bauelemente hatten weltweit großen Erfolg auf dem Markt: Die Mitarbeiterzahl in Luthe lag 1937 schon bei 620 und stieg bis auf 1300. Der Ausstieg aus der Asbestverarbeitung dauerte bis 1990 und leitete den Niedergang ein: Die Firma kam danach nicht mehr richtig auf die Beine. Sie wurde 2000 von der Eternit-Gruppe übernommen, die bis dahin ihr stärkster Konkurrent gewesen war. Schon 2003 endete dann aber die Geschichte des Werkes in Wunstorf. An Adolf Oesterheld erinnert bis heute der Straßenname.

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